Recht­lich vorsorgen mit Bank­voll­macht: Extrablatt nötig

Vorsorgevoll­macht und Patienten­verfügung Special

Nicht selbst­verständlich: Online­über­weisung des Bevoll­mächtigten. Bei vier von zehn Bank­instituten dürfen Bevoll­mächtigte kein Online­banking beantragen, wenn der Konto­inhaber selbst kein Online­banking beantragt hatte.

Viele Banken akzeptieren die üblichen Vorsorgevoll­machten nicht. Sie verlangen, dass ihre Kunden bank­eigene Formulare ausfüllen.

Da kommt eine Rechnung nach der anderen. Doch der Mensch, der sie bezahlen soll, ist schwer erkrankt und nicht ansprech­bar. Jetzt wäre es gut, wenn ein Bevoll­mächtigter schnell über Geld und Konto verfügen könnte. Er könnte die Rechnung der privaten Kranken­versicherung begleichen und einen Platz im Pfle­geheim sichern. Er könnte Geld abheben, Dauer­aufträge stoppen oder einrichten.

Das Problem: Eine schriftliche Vorsorgevoll­macht, die von Voll­macht­geber und Bevoll­mächtigtem unter­schrieben ist, akzeptieren die meisten Bank­institute nicht. Dabei sind sie eigentlich dazu verpflichtet, denn es gibt keine Vorschrift, welche Form eine Vorsorgevoll­macht für die Vermögens­fürsorge haben muss.

Viele Banken und Sparkassen haben in ihren Geschäfts­bedingungen fest­gelegt, dass Bevoll­mächtigte nur mit einer Konto- oder Depotvoll­macht des Instituts oder mit einer bank­eigenen Vorsorgevoll­macht über das Vermögen des Konto­inhabers verfügen dürfen. Aus der Sicht vieler Banken fehlt einer Stan­dard­vorsorgevoll­macht der entscheidende Nach­weis, dass der Voll­macht­geber bei Unter­schrift voll geschäfts­fähig war. Die Institute sind dazu verpflichtet, Voll­machten sorgfältig zu prüfen, um ihre Kunden vor Betrug zu schützen.

Offizielle Empfehlung

Die Deutsche Kredit­wirt­schaft, ein Zusam­menschluss mehrerer kredit­wirt­schaftlicher Spitzen­verbände, empfiehlt:

Konto­inhaber sollen persönlich in einer Filiale ihrer Bank ihre Identität mit einem gültigen Personal­ausweis oder Reisepass nach­weisen. Gemein­sam mit dem Bevoll­mächtigten können sie dann im Beisein eines Bank­mit­arbeiters die Vorsorgevoll­macht unter­schreiben.

Dieses Verfahren ist aufwändig, bringt aber Sicherheit und erspart den Bevoll­mächtigten viel Ärger. Sie können sicher sein, dass ihr Nach­weis akzeptiert wird.

Doch was ist mit Direkt­banken? Sie verlangen die Fest­stellung der Identität in einer Post­filiale ( siehe Unser Rat).

Für Kunden mit Konten bei mehreren Banken ist das Verfahren ganz schön mühsam, denn für jede einzelne Bank müssen sie eine Extravoll­macht erteilen.

Was der Bevoll­mächtigte tun darf, unterscheidet sich von Bank zu Bank. Wir haben zehn Institute befragt. Bei allen darf er über das Giro­konto verfügen. Unterschiede gibt es zum Beispiel bei Spar­konten: Manchmal dürfen Bevoll­mächtigte fest angelegte Beträge vorzeitig kündigen, manchmal nicht.

Gericht erlaubt Konto­zugriff

Hat jemand keine gültige Voll­macht erteilt und kann er sich nicht mehr äußern, schaltet sich das Betreuungs­gericht ein. Es bestellt per Gerichts­beschluss einen Betreuer, der die Vermögens­verwaltung über­nimmt und über das Konto verfügen kann. Der Betreuer ist dem Gericht zur Rechenschaft verpflichtet (siehe Betreuung).

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