Recht­lich vorsorgen mit Vorsorgevoll­macht: Volles Vertrauen

Vorsorgevoll­macht und Patienten­verfügung Special

Füreinander einstehen: Das ist im Familien­verband möglich. Die 52-jährige Ulrike Wendt (erste von rechts) hat sich um Vorsorgevoll­machten für die Schwieger­eltern, ihren Mann und sich selbst gekümmert. Die Familien waren gemein­sam beim Notar.

Vorsorgevoll­macht. Bevoll­mächtigte springen ein, wenn ein Mensch nicht mehr selbst entscheiden kann. Wir beant­worten die wichtigsten Fragen.

Muss ich ein bestimmtes Formular ausfüllen, wenn ich eine Vorsorgevoll­macht erstellen will?

Nein. Aber ein gutes Formular hilft Ihnen, nichts zu vergessen.

Es gibt kaum Vorschriften für die Form einer Vorsorgevoll­macht. Sie können auf einem Blatt Papier selbst einen Text formulieren, ein Formular aus einer Broschüre heraus­nehmen oder aus dem Internet herunter­laden.

Wichtig ist, dass aus Ihrem Schreiben klar hervorgeht, wen Sie bevoll­mächtigen und in welchen Angelegenheiten dieser Mensch für Sie entscheiden darf. Das Schrift­stück müssen Sie mit Ihrem Familien­namen sowie mit Ort und Datum unter­schreiben.

Tipp. Nutzen Sie unser Formular für die Vorsorgevoll­macht. Sie können es kostenlos bei uns im Internet herunter­laden (www.test.de/vorsorgeformulare-pdf).

Wen sollte ich in der Vorsorgevoll­macht bevoll­mächtigen?

Wer für Sie infrage kommt, hängt von Ihrem Alter und Ihrer Lebens­situation ab. Für junge Singles ab 18 Jahre bieten sich Eltern und Geschwister an, für ein verheiratetes Paar oder einge­tragene Lebens­partner ist es eher der andere Partner. Im Renten­alter kommen die erwachsenen Kinder infrage.

Allein­lebende können auch Freunde, Bekannte oder etwa gute Nach­barn bevoll­mächtigen.

Muss die Person bestimmte Voraus­setzungen erfüllen?

Ja. Der Mensch, den Sie bevoll­mächtigen, muss Ihr uneinge­schränktes Vertrauen genießen. Er muss außerdem die Zeit und die Fähig­keit mitbringen, sich um Ihre Angelegenheiten zu kümmern. Er sollte zumindest wissen, bei welchen Personen und Behörden er sich Hilfe holen kann.

Bedenken Sie, dass er Sie im Ernst­fall bei allen wichtigen Entscheidungen vertreten soll. Es kann um Ihre medizi­nische Behand­lung gehen, Ihren Aufenthalts­ort oder um Bank­geschäfte.

Der Mensch Ihres Vertrauens sollte daher in der Lage sein, mit Ärzten Entscheidungen für Sie zu treffen, vor Gericht Anträge zu stellen und bei der Kranken- und Pflege­versicherung Leistungen zu beantragen. Er muss gegebenenfalls Ihr Vermögen verwalten, vielleicht Ihr Haus oder Ihre Eigentums­wohnung verkaufen.

Tipp. Erklären Sie dem Vertrauten Ihrer Wahl, um was es bei der Aufgabe geht. Versuchen Sie nicht, jemanden zu über­reden. Wichtig ist, dass der Mensch die Verantwortung für Sie erkennt und sie freiwil­lig über­nimmt.

Kann ich spezielle Aufgaben einzelnen Bevoll­mächtigten zuordnen?

Ja, das ist möglich und sinn­voll. Warum, zeigt ein Beispiel: Ein Ehepaar hat einen Sohn, der in einer Bank arbeitet, und eine Tochter, die Kranken­schwester ist. Der Sohn kann sich aus Zeitgründen eine Vertretung in Gesund­heits­fragen nicht vorstellen, die Tochter meint, sie sei keine Expertin in Finanz­fragen. Es liegt nahe, dass der Sohn alle vermögens­recht­lichen Belange für seine Eltern klärt und die Tochter sich um die medizi­nischen und pflegerischen Entscheidungen kümmert.

Tipp. Stellen Sie jedem Bevoll­mächtigten eine eigene Vorsorgevoll­macht aus, in der Sie seine Aufgaben klar benennen.

Wann muss ich zum Notar? Ist eine Beglaubigung der Unter­schrift oder eine Beur­kundung notwendig?

Eine schriftliche Vorsorgevoll­macht mit Ihrer Unter­schrift reicht aus. Ein Notar ist nicht vorgeschrieben, aber manchmal ist seine Hilfe sinn­voll.

Soll es auch um den Verkauf Ihrer Eigentums­wohnung oder des Hauses gehen, ist eine „öffent­liche“ Beglaubigung der Unter­schrift nötig. Das erledigen die Betreuungs­behörden in den Gemeinden für 10 Euro. So eine Behörde prüft allerdings nicht, ob der Text der Vorsorgevoll­macht inhalt­lich richtig und juristisch voll­ständig ist. Deshalb kann ein Notar­termin sinn­voll sein, wenn es um Immobilien geht.

Auch bei mehreren Bevoll­mächtigten, bei komplizierteren Familien­verhält­nissen oder größeren Vermögen ist ein Notar­termin sinn­voll. Die Kosten richten sich nach dem Wert des Vermögens. Bei einem Vermögen von rund 250 000 Euro kosten Beratung, Vorsorgetext und Beur­kundung zwischen 260 und 360 Euro.

Tipp. Eine notariell beur­kundete Voll­macht wird manchmal leichter akzeptiert als eine rein selbst verfasste Voll­macht.

Wie finde ich einen Bevoll­mächtigten, wenn keine Angehörigen oder Freunde infrage kommen?

Sie müssen niemanden bevoll­mächtigen. Gibt es keine Voll­macht, springt der Staat ein. Wenn Sie nicht mehr selbst entscheiden oder wichtige Aufgaben nicht mehr selbst erledigen können, bekommen Sie im Wege des gericht­lichen Betreuungs­verfahrens einen Betreuer an die Seite gestellt (siehe Betreuung). Wollen Sie Einfluss darauf nehmen, wen ein Gericht als Betreuer bestellt, können Sie in einer Betreuungs­verfügung Menschen Ihrer Wahl nennen. Im Unterschied zu einem Bevoll­mächtigten steht ein Betreuer unter gericht­licher Kontrolle.

Unterstüt­zung bei der Suche nach einem Betreuer bieten örtliche Betreuungs­ver­eine, Kirchen und Wohl­fahrts­verbände. Auch Rechts­anwälte, die sich auf Vorsorge spezialisiert haben, bieten sich als Betreuer an.

Die Kosten für das gericht­liche Verfahren und die Betreuung müssen Sie selbst bezahlen. Die Einkommens­grenze liegt zurzeit bei 746 Euro im Monat plus Miet­kosten. Wer weniger hat, gilt als mittel­los, dann springt der Staat ein.

Tipp. Unser Formular für eine Betreuungs­verfügung finden Sie kostenlos im Internet (www.test.de/vorsorgeformulare-pdf).

Was kann ich tun, wenn ich eine Voll­macht erteilt habe und das Vertrauens­verhältnis später gestört wird?

Sie können die Voll­macht jeder­zeit gegen­über dem Bevoll­mächtigten widerrufen und – sofern er das Voll­machts­formular schon erhalten hat – dieses zurück­fordern. Haben Sie eine gesonderte Bank­voll­macht erteilt, sollten Sie den Widerruf schnellst­möglich der Bank oder Sparkasse mitteilen (siehe Bankvollmacht).

Bedenken Sie aber, dass Sie die Voll­macht nur widerrufen können, sofern Sie noch entscheidungs­fähig sind.

Das Risiko eines Miss­brauchs können Sie von vorn­herein auch dadurch verringern, dass Sie in der Voll­macht einen „Kontroll­bevoll­mächtigten“ benennen, der den Bevoll­mächtigten regel­mäßig über­prüft. Das können die erwachsenen Kinder sein, die sich gegen­seitig zur Rechenschaft verpflichtet sind, oder eine neutrale Person wie ein Anwalt, den Sie damit beauftragen. Hilfe bei der Suche gibt es bei den Rechts­anwalts­kammern , bei dem Verein Vorsorgeanwalt e. V. (www.vorsorgeanwalt.de) oder bei der Deutschen Vereinigung für Vorsorge- und Betreuungs­recht e. V. (www.dvvb-ev.de).

Zentrales Vorsorgeregister

Vorsorgevoll­macht und Patienten­verfügung Special

Vorsorgevoll­macht und Verfügungen können im Vorsorgeregister bei der Bundes­notarkammer registriert werden. Dort fragen Gerichte nach, welche Dokumente es gibt und wer ­Bevoll­mächtigter ist, bevor sie einen Betreuer einsetzen. Die Voll­machten selbst werden nicht hinterlegt. Rund 2,2 Millionen Menschen nutzen aktuell diesen Service. Der Eintrag kostet 13 Euro oder mehr – je nach Umfang. Kontakt: Tel. 0 800/ 3 55 05 00 (kostenfrei) oder online (www.vorsorgeregister.de).

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