Wann zum Notar?

Vorsorgevoll­macht & Patienten­verfügung Special

Für eine Vorsorgevollmacht oder Patientenverfügung muss in der Regel niemand zum Notar gehen. Es reicht, wenn die Dokumente schriftlich vorliegen – hand­schriftlich oder per Computer verfasst – sowie mit Datum versehen und unter­schrieben sind. In Ordnung sind Ankreuzformulare wie die der Stiftung Warentest. Das unter­schriebene Dokument legen Bevoll­mächtigte vor, wenn sie für den Voll­macht­geber handeln. Manchmal ist aber ein Notar­termin notwendig.

Immobilien­geschäfte: Voll­macht muss beur­kundet sein

Soll der Bevoll­mächtigte über das Haus oder die Eigentums­wohnung verfügen dürfen, reicht eine einfache Vorsorgevoll­macht nicht. Es gibt zwei Möglich­keiten:

  • Voll­macht­geber lassen ihre Unter­schrift unter der Vorsorgevoll­macht bei einer örtlichen Betreuungs­behörde für 10 Euro öffent­lich beglaubigen. Damit kann der Bevoll­mächtigte beim Grund­buch­amt tätig werden. Nachteil: Längst nicht alle der rund 430 Betreuungs­behörden in Deutsch­land bieten eine öffent­liche Beglaubigung an.
  • Voll­macht­geber erstellen ihre Voll­macht direkt mit dem Notar. Eine notariell beur­kundete Voll­macht hat einige Vorteile. Damit sind beim Grund­buch­amt Immobilien­über­tragungen möglich.

Das Vorsorge-Set der Stiftung Warentest

Recht­zeitig regeln. Patienten­verfügung, Vorsorgevoll­macht, Betreuungs­verfügung: Das Vorsorge-Set informiert, welche Verfügung was leistet und wo die Fall­stricke liegen. Außerdem erklären wir, was beim Verfassen eines Testaments zu beachten ist und wie man den digitalen Nach­lass regelt.

Richtig regeln. Der Ratgeber der Stiftung Warentest enthält die wichtigsten Formulare zum Heraus­trennen und Abheften. Zu allen Formularen gibt es Schritt-für-Schritt-Anleitungen, die in verständlichem Deutsch abge­fasst sind. Das Buch hat 144 Seiten und ist im test.de-Shop für 14,90 Euro erhältlich (PDF/E-Book: 11,99 Euro).

Kredit­aufnahme

Manchmal ist es sinn­voll, dem Bevoll­mächtigten zu erlauben, einen Kredit aufzunehmen. Das kann wichtig sein, wenn im Vorsorgefall vielleicht der Umzug in eine neue Wohnung, eine besondere Krankenbe­hand­lung oder ein Pfle­geheim­platz zwischen­finanziert werden muss. Wer die Kredit­aufnahme erlaubt, muss die Voll­macht notariell beur­kunden lassen.

Beur­kundung erleichtert Bank­geschäfte

Eine notariell beur­kundete Voll­macht hat eine hohe Akzeptanz, zum Beispiel erkennen Banken diese uneinge­schränkt an. Eine Bankvollmacht ist dann nicht nötig. Das ist vor allem dann von Vorteil, wenn der Voll­macht­geber viele Bank­konten bei verschiedenen Geld­instituten hat. Ohne beglaubigte Vorsorgevoll­macht müsste er für jedes einzelne Konto eine gesonderte Bank­voll­macht erteilen. Das macht viel Arbeit. Auch, wenn der Bevoll­mächtigte ein Verbraucherdarlehen aufnehmen möchte, ist das Siegel vom Notar unerläss­lich.

Notar­kosten richten sich nach Vermögens­wert

In einer Beratung klären Notare über die Trag­weite und Risiken von Formulierungen in Vorsorgedokumenten auf und sorgen dafür, dass die Dokumente rechts­sicher sind. Die Kosten für eine Beur­kundung sind umso höher, je höher der Wert des Vermögens ist. Bei einem Vermögen von rund 250 000 Euro kosten Beratung, Vorsorgetext und Beur­kundung zum Beispiel zwischen 260 und 360 Euro. Über das Onlineportal Notar.de finden Interes­sierte einen Notar in der Nähe.

Deutlich geringere Kosten bei Beglaubigung ohne Beratung

Es ist möglich, sich nicht beraten zu lassen, sondern nur die Unter­schrift unter der Vorsorgevoll­macht von einem Notar beglaubigen zu lassen. Damit ist die Identität des Unter­schreibenden bestätigt und im Zweifel auch seine Geschäfts­fähig­keit. Eine Unter­schrifts­beglaubigung kostet, je nach Umfang der Dokumente, rund 30 bis 50 Euro.

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