Vorsorgevoll­macht und Patienten­verfügung geben Sicherheit und schaffen Klarheit – und sie entlasten Angehörige. In diesem Special bekommen Sie Orientierung. Und wenn Sie anschließend Ihre Dinge regeln wollen, können Sie die kostenlosen Formulare unter www.test.de/vorsorgeformulare-pdf nutzen.

Vorsorgevoll­macht und Patienten­verfügung Special

„Wir wollen uns gegen­seitig als Bevoll­mächtigte einsetzen“, sagt Pamela Maack über sich und ihren Ehemann Mini Maack. In einer Vorsorgevoll­macht wollen sie fest­legen, dass der andere im Fall von Unfall, Krankheit oder Alter alle nötigen Entscheidungen treffen darf.

Vorsorge ist Familie Maack wichtig. „Wir haben uns über Versicherungen finanziell sehr gut abge­sichert“, sagt Pamela Maack aus Schöningen in Nieder­sachsen. Auch die Alters­vorsorge spielt im Leben des Ehepaars eine wichtige Rolle. „Dabei geht es uns vor allem um Sicherheit und Lang­fristig­keit“, sagt Mini Maack.

Doch ein wichtiger Baustein der Vorsorge fehlt dem Paar: eine Vorsorgevoll­macht, mit der ein Partner den anderen bevoll­mächtigt, für ihn zu handeln. „Das Thema steht an, aber bislang hatten wir noch keine Zeit, uns ausführ­licher damit zu befassen.“

So wie den Maacks geht es vielen. Manchmal ist auch Unwissenheit im Spiel. Längst nicht allen ist klar, dass selbst nächste Angehörige wie Ehepartner, einge­tragene Lebens­partner oder erwachsene Kinder nicht auto­matisch für sie entscheiden können – nicht einmal, wenn es um eine wichtige Operation geht.

Paare ohne Trau­schein oder gute Freunde wissen schon eher, dass sie Rege­lungen treffen müssen, wenn sie füreinander einspringen wollen.

Kein Recht ohne Voll­macht

Niemand darf ohne „Vertretungs­macht“ für einen anderen Menschen Entscheidungen treffen, egal ob es um Gesundheit, Finanzen oder die Wohnung geht. Das ergibt sich aus dem Grund­gesetz. Nur Eltern dürfen für ihre minderjäh­rigen Kinder entscheiden.

Für alle anderen setzt ein Gericht – manchmal im Eilverfahren – bei Bedarf einen Betreuer ein. Das ist oft ein Angehöriger, aber nicht immer. Und vielleicht ist es nicht derjenige, den sich der Betreute wünscht (siehe Betreuung).

Mit einer Vorsorgevoll­macht kann jeder schon früh regeln, wer für ihn entscheiden soll und in welchen Fragen. Ein hand­schriftlich verfasster Text oder ein Formular genügen. Wichtig sind Unter­schrift, Ort und Datum. Dieses Schrift­stück kann ein Bevoll­mächtigter dann Ärzten, Vermietern, Pfle­geheimen oder Behörden vorlegen. Er weist damit nach, dass er für den Voll­macht­geber handeln darf.

Ein Notar­termin, eine Beglaubigung oder Beur­kundung der Vorsorgevoll­macht ist nicht vorgeschrieben. Nur wenn der Bevoll­mächtigte eine Immobilie verkaufen darf, ist die öffent­liche Beglaubigung der Unter­schrift notwendig (siehe Vorsorgevollmacht).

„Wir werden uns gegen­seitig als Bevoll­mächtigte einsetzen“, ist sich das Ehepaar Maack sicher. Es kommt häufig vor, dass Eheleute die Vorsorge unter­einander regeln. Schließ­lich setzt eine Vorsorgevoll­macht uneinge­schränktes Vertrauen voraus.

Die Partner sollten jedoch daran denken, dass sie im höheren Lebens­alter zumindest einen weiteren Menschen bevoll­mächtigen, beispiels­weise ein erwachsenes Kind oder auch mehrere Kinder. Sonst setzt das Betreuungs­gericht doch noch einen Betreuer ein, wenn der eine Partner aufgrund seines Alters oder eigener Erkrankungen mit der Fürsorge für den anderen über­fordert ist.

Gesundheit, Wohnen, Pflege

In einer Notsituation kann es wichtig sein, dass Angehörige mit Ärzten im Kranken­haus sprechen und Behand­lungen mitentscheiden dürfen. Beispiels­weise, wenn jemand nach einem schweren Unfall oder durch Krankheit nicht mehr ansprech­bar ist. Dann hilft es, wenn eine Vorsorgevoll­macht Ärzte gegen­über dem Bevoll­mächtigten von der Schwei­gepflicht entbindet und der Bevoll­mächtigte alle Fragen zu Gesundheit und Behand­lung im Sinne des Patienten mit entscheiden darf.

Im Kranken­haus kann sich auch heraus­stellen, dass eine Rück­kehr in die eigene Wohnung nicht mehr möglich ist. Bei älteren Patienten kommt das immer wieder einmal vor. Ein Umzug ins Pflege- oder Seniorenheim mit Betreuung muss dann organisiert werden.

Gut dran ist dann derjenige, der einen anderen Menschen bevoll­mächtigt hat, sich um Pflege, Wohnung und Aufenthalt zu kümmern. Der Bevoll­mächtigte kann einen Heim­vertrag abschließen, die Pfle­gestufe beantragen, die Miet­wohnung kündigen und den Haushalt auflösen.

Extravoll­macht fürs Konto

Geht es ums Geld, reicht eine Vorsorgevoll­macht dagegen meist nicht aus, selbst wenn ausdrück­lich darin steht, dass der Bevoll­mächtigte bei der Bank oder Sparkasse Über­weisungen erledigen oder Geld abheben darf.

Die meisten Kredit­institute legen in ihren Geschäfts­bedingungen fest, dass der Voll­macht­geber und der Bevoll­mächtigte gemein­sam ein instituts­eigenes Formular unter­schreiben und die Details fest­legen müssen. Die Banken akzeptieren alternativ allenfalls eine notariell beur­kundete Voll­macht (siehe Bankvollmacht).

Patienten­verfügung sinn­voll

Eine Patienten­verfügung kann eine Vorsorgevoll­macht ergänzen. Darin kann ein Mensch fest­legen, welche medizi­nischen Behand­lungen er wünscht oder ablehnt, wenn er sich selbst nicht mehr äußern kann. Er hilft damit auch Menschen, die er bevoll­mächtigt hat, bei der Entscheidung.

„Ich fühle mich allerdings noch zu jung dafür, eine Patienten­verfügung zu verfassen“, sagt der 45-jährige Mini Maack.

Erst muss sich ein Mensch über die eigenen Wert­vorstel­lungen zu Leben, Sterben und Tod klarwerden – dann fällt es leichter, sich bewusst für oder gegen eine Patienten­verfügung zu entscheiden (siehe Patientenverfügung).

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