Vorsorgevoll­macht und Patienten­verfügung Special

Vielen Menschen ist nicht klar, dass selbst nächste An­gehörige wie Ehepartner, einge­tragene Lebens­partner oder erwachsene Kinder im Ernst­fall nicht auto­matisch für sie entscheiden können – nicht einmal, wenn es um eine wichtige Operation geht. Daher haben sie sich bisher nicht um das Thema recht­liche Vorsorge gekümmert. Die Experten von Finanztest erklären, welche Voll­macht wofür nötig ist, und geben Tipps, wie jeder die für ihn richtige Lösung findet.

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SpecialVorsorgevoll­macht und Patienten­verfügungFinanztest 01/2014
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Kein Recht ohne Voll­macht

Ohne „Vertretungs­macht“ darf niemand für einen anderen Menschen Entscheidungen treffen, egal ob es um Gesundheit, Finanzen oder die Wohnung geht. Das ergibt sich aus dem Grund­gesetz. Nur Eltern dürfen für ihre minderjäh­rigen Kinder entscheiden. Für alle anderen setzt ein Gericht – manchmal im Eilverfahren – bei Bedarf einen Betreuer ein. Das ist oft ein Angehö­riger, aber nicht immer. Und es kann durch­aus passieren, dass es nicht derjenige ist, den sich der Betreute wünscht.

Tipp: Noch ausführ­licher als das vorliegende Online-Special informiert das Finanztest Spezial-Heft zur Vorsorge. Es informiert über notwendige Voll­machten wie Vorsorgevoll­macht, Betreuungs­verfügung und Patienten­verfügung. Der Ratgeber erklärt Unterschiede und Fall­stricke – und enthält alle Formulare zum Heraus­trennen mit Ausfüll­hilfe. Das Spezial-Heft ist im test.de-Shop erhältlich. Es kostet als gedrucktes Heft 10 Euro und als PDF 8 Euro.

Ein hand­schriftlich verfasster Text genügt

Mit einer Vorsorgevoll­macht kann jeder schon früh regeln, wer im Falle eines Falles für ihn entscheiden soll und in welchen Fragen. Ein hand­schriftlich verfasster Text oder ein Formular ge­nügen. Wichtig sind Unter­schrift, Ort und ­Datum. Dieses Schrift­stück kann ein Bevoll­mächtigter dann Ärzten, Vermietern, Pfle­geheimen oder Behörden vorlegen. Er weist damit nach, dass er für den Voll­macht­geber handeln darf. Ein Notar­termin, eine Beglaubigung oder Beur­kundung der Vorsorgevoll­macht ist nicht vorgeschrieben. Nur wenn der Bevoll­mächtigte eine Immobilie verkaufen darf, ist die öffent­liche Beglaubigung der Unter­schrift notwendig.

Nicht nur den Ehepartner einsetzen

Häufig setzen sich Ehepartner gegen­seitig als Bevoll­mächtigte ein. Schließ­lich setzt eine Vorsorgevoll­macht uneinge­schränktes Vertrauen voraus. Die Partner sollten jedoch daran denken, dass sie im höheren Lebens­alter zumindest einen weiteren Menschen bevoll­mächtigen, beispiels­weise ein erwachsenes Kind oder auch mehrere Kinder. Sonst setzt das Betreuungs­gericht doch noch einen Betreuer ein, wenn der eine Partner aufgrund seines Alters oder eigener Erkrankungen mit der Fürsorge für den anderen über­fordert ist.

Gesundheit, Wohnen, Pflege

In einer Notsituation kann es wichtig sein, dass Angehörige mit Ärzten im Kranken­haus sprechen und Behand­lungen mitentscheiden dürfen. Beispiels­weise, wenn jemand nach einem schweren Unfall oder infolge von Krankheit nicht mehr ansprech­bar ist. Dann hilft es, wenn eine Vorsorgevoll­macht die Ärzte gegen­über dem Bevoll­mäch­tigten von der Schwei­gepflicht entbindet, und der Bevoll­mächtigte alle Fragen zu ­Gesundheit und Behand­lung im Sinne des Patienten mitentscheiden darf. Im Kranken­haus kann sich auch heraus­stellen, dass eine Rück­kehr in die eigene Wohnung nicht mehr möglich ist. Bei älteren Patienten kommt das immer wieder vor. Ein Umzug ins Pflege- oder ­Seniorenheim mit Betreuung muss dann organisiert werden. Gut dran ist dann derjenige, der einen anderen Menschen bevoll­mächtigt hat, sich um Pflege, Wohnung und Aufenthalt zu kümmern. Der Bevoll­mächtigte kann einen Heim­vertrag abschließen, die Pfle­gestufe beantragen, die Miet­wohnung kündigen und den Haushalt auflösen.

Extravoll­macht fürs Konto

Geht es ums Geld, reicht eine Vorsorge­voll­macht dagegen meist nicht aus – selbst wenn ausdrück­lich darin steht, dass der Bevoll­mächtigte bei der Bank oder Sparkasse Über­weisungen erledigen oder Geld abheben darf. Der Teufel steckt im Detail. Finanztest erklärt, worauf Sie achten müssen.

Patienten­verfügung sinn­voll

Eine Patienten­verfügung kann eine Vor­sorgevoll­macht ergänzen. Darin kann ein Mensch fest­legen, welche medizi­nischen Behand­lungen und Maßnahmen er wünscht oder ablehnt, wenn er sich selbst nicht mehr äußern kann. Er hilft damit auch Menschen, die er bevoll­mächtigt hat, bei der Entscheidung. Der Arzt muss sich an den in der Patienten­verfügung formulierten Willen halten, zum Beispiel lebens­verlängernde Maßnahmen unterlassen, selbst wenn er der Über­zeugung ist, dass diese medizi­nisch ange­zeigt wären. Die Entscheidung für eine Patienten­verfügung muss jeder für sich treffen. Erst muss sich ein Mensch über die eigenen Wert­vorstel­lungen zu Leben, Sterben und Tod klar werden – dann fällt es leichter, sich bewusst für oder gegen eine Patienten­verfügung zu entscheiden.

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