Oft reicht eine einfache schriftliche Vorsorgevoll­macht aus, damit ein Mensch für einen anderen handeln kann. Ein Notar ist selten nötig, manchmal aber sinn­voll. Notare können zum Beispiel eine Vorsorgevoll­macht beur­kunden oder sie nur beglaubigen. Vorteil der notariellen Urkunde: Sie wird von allen Banken ohne Einschränkung akzeptiert.

Banken bestehen oft auf notariell beglaubigter Vorsorgevoll­macht

Vorsorgevoll­macht Special

Urkunde vom Notar. Jeder kann seine Vorsorgevoll­macht bei einem Notar beur­kunden lassen. Banken, Behörden und andere Institutionen akzeptieren die Urkunde uneinge­schränkt.

Muss ich mit der Vorsorgevoll­macht zum Notar?“, fragt Gerda Rött­gers. Die 50-jährige Dort­munderin ist als Bevoll­mächtigte in der Vorsorgevoll­macht ihrer 92-jährigen Tante einge­setzt. Die rüstige Seniorin aus Nieder­sachsen, möchte, dass sich ihre Nichte Gerda um Pflege, Kranken­haus und ärzt­liche Behand­lungen kümmert, sobald sie das selbst nicht mehr kann. Sie hat uneinge­schränktes Vertrauen zu ihrer Nichte. Geregelt hat sie auch, dass der jüngere Bruder sich um die Geld­angelegenheiten kümmern soll. Damit er im Ernst­fall Zugriff auf das Giro­konto hat, war die 92-jährige mit ihrem Bruder bei der Haus­bank, um gemein­sam mit ihm eine Bank­voll­macht zu unter­schrieben. Grund: Eine einfache Vorsorgevoll­macht wird nicht von allen Banken problemlos akzeptiert. Bank­institute erkennen in der Regel nur eine vom Notar beur­kundete Vorsorgevoll­macht an oder bieten alternativ ein eigenes Bank­formular an, das Voll­macht­geber und Bevoll­mächtigter gemein­sam unter­schreiben müssen. Mit dem bank­eigenen Formular ist der Zugriff auf das Konto im Vorsorgefall unkompliziert.

Tipp: Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung. Die Titel­geschichte aus Finanztest 1/2014 erklärt auf 10 Seiten, wie Sie recht­zeitig Klarheit schaffen, was es bei Vorsorgevoll­macht, Bank­voll­macht und Patienten­verfügung im Einzelnen zu beachten gilt, und wann Gerichte eine recht­liche Betreuung anordnen. Noch ausführ­licher informiert das Finanztest-Spezial Vorsorge-Set – mit Formularen und Ausfüll­hilfen rund ums Thema „Recht­lich vorsorgen“ (104 Seiten).

Jede Bank will eine eigene Voll­macht

Sind mehrere Banken im Spiel, haben Voll­macht­geber viel zu tun, bis sie alle Bank­formulare beisammen haben. Viele Menschen haben heute nicht nur ein Giro­konto bei der Sparkasse, Volks- und Raiff­eisen­bank oder Privatbank vor Ort, sondern erledigen auch Bank­geschäfte via Internet, haben ein Depot, Fest­geld- oder Tages­geld­konten bei verschiedenen Instituten. Damit der Bevoll­mächtigte handeln kann, müssen sie für jedes Institut ein Bank­formular organisieren. Für die Bank­voll­macht bei einer Direkt­bank müssen sie schriftlich und mit dem üblichen Ident­verfahren über eine Post­filiale fest­legen, welche Geld­geschäfte der Bevoll­mächtigte im Ernst­fall erledigen darf.

Urkunde macht vieles einfacher

„Die einfachste und beste Lösung für Vermögens­angelegenheiten ist eine notariell beur­kundete Voll­macht“, sagt Michael Gutfried, Leiter des Zentralen Vorsorgeregisters der Bundes­notarkammer. Mit der Urkunde weist der Bevoll­mächtigte gegen­über jeder Bank nach, dass er handeln darf. „Eine notarielle Urkunde akzeptieren Banken uneinge­schränkt.“ Die 92-jährige Seniorin aus Nieder­sachsen verzichtet dennoch auf einen Notar. Sie ist mit dem Formular der Haus­bank auf der sicheren Seite. Die Nichte sagt: „Es gibt nur ein Giro­konto, mit einer Direkt­bank hatte meine Tante noch nie etwas zu tun.“

Pflicht­termin beim Notar

Für einige Vorsorgeaufgaben ist ein Notar­termin allerdings Pflicht. „Eine beur­kundete Voll­macht ist Voraus­setzung dafür, dass ein Bevoll­mächtigter für den Voll­macht­geber einen Kredit aufnehmen darf,“ erklärt Gutfried. Das kann wichtig sein, wenn der Umzug in eine neue barrierearme Wohnung oder ein Pfle­geheim­platz zwischen­finanziert werden muss. Soll der Bevoll­mächtigte die Eigentums­wohnung oder das Haus verkaufen können, ist zwar keine Beur­kundung nötig, aber eine Beglaubigung der Unter­schrift. Grund­buch­ämter akzeptieren einen Bevoll­mächtigten nur, wenn er mittels einer öffent­lich beglaubigten Vorsorgevoll­macht nach­weist, dass er verkaufen darf.

Öffent­liche Beglaubigung durch Betreuungs­behörde

Solche Beglaubigungen nehmen nicht nur Notare, sondern auch Betreuungs­behörden vor. Vorsorgevoll­machten darf die Behörde für 10 Euro „öffent­lich beglaubigen“. In der Praxis bieten allerdings erst wenige der rund 430 Betreuungs­behörden in Deutsch­land diesen Service an. „Wenn Immobilien zum Vermögen gehören, empfehlen wir die Beur­kundung der Vorsorgevoll­macht,“ sagt Gutfried. „Das schafft für alle Beteiligten mehr Rechts­sicherheit.“ Bei der Beur­kundung berät der Notar inhalt­lich zur Gestaltung der Voll­macht und klärt über Risiken und Trag­weite der Entscheidung auf. Voll­macht­geber können sicher sein, dass ihre Bevoll­mächtigten alles wie gewünscht regeln können. Die Beur­kundung kostet allerdings auch leicht ein paar hundert Euro – abhängig vom Vermögen Unser Rat. Für die 52-jährige Ulrike Wendt aus dem sächsischen Schwepnitz und ihre Familie war ein Notar­termin aus einem ganz anderen Grunde wichtig: „Wir leben mit drei Generationen unter einem Dach und wollten alles professionell regeln.“

Regelung für drei Generationen

Mit der Notarin hat die Familie besprochen, wer für die im Haus lebenden betagten Eltern über­haupt als Bevoll­mächtigte in Betracht kommt. Die Ehepartner Wendt sind nun die ersten Bevoll­mächtigten der Eltern und die Geschwister des Ehemannes, die weiter entfernt wohnen, zweite und dritte Bevoll­mächtigte. Außerdem hat das Ehepaar die eigene Vorsorge geklärt. Die Tochter wohnt in einer eigenen Wohnung im Haus, der Sohn einige Kilo­meter entfernt. Die Wendts haben die Kinder gleich­rangig als Bevoll­mächtigte einge­setzt. Sie müssen sich im Vorsorgefall absprechen. „Der Notar­termin war hilf­reich. Es ist gut zu wissen, dass für den Ernst­fall alles geregelt ist“, sagt Wendt.

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