Vorsorgevoll­macht Ärger mit Briefen der TK

17.08.2021
Vorsorgevoll­macht - Ärger mit Briefen der TK
Bevoll­mächtigt. Sylvia Stroh­schein pflegte ihre Schwiegermutter: „Ich habe mich sehr über die Bürokratie der Krankenkasse geärgert.“ © Agentur Focus / Jörg Müller

Die Techniker-Krankenkasse verlangt eine Extravoll­macht, um Briefe an eine Bevoll­mächtigte senden zu dürfen. Die Begründung ist nach­voll­zieh­bar, aber etwas spitzfindig.

Vorsorgevoll­macht lag vor

„Eigentlich war alles perfekt geregelt“, sagt Sylvia Stroh­schein aus Hamburg. In einer Vorsorgevoll­macht hatte ihre Schwiegermutter sie 2019 als ­Bevoll­mächtigte einge­setzt. Stroh­schein konnte so die Wohnung der Pflegebedürftigen auflösen und den Umzug in eine Seniorenresidenz ­veranlassen. Sie sprach mit Ärzten und regelte alles mit der Kranken- und Pflegekasse. Mit einer Bank­voll­macht verfügte sie über das Konto.

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TK wollte Briefe nicht direkt an die Schwieger­tochter schi­cken

Stroh­schein durfte laut Vorsorge­voll­macht auch Briefe an die Schwiegermutter entgegen­nehmen und öffnen. „Die Seniorenresidenz etikettierte die Briefe neu und sendete sie an meine Anschrift“, berichtet die 59-Jährige. Das war umständlich. Sie rief bei der Krankenkasse Die Techniker (TK) an und bat, die Post direkt an sie zu senden. Die TK weigerte sich. Sie verlangte eine Extravoll­macht, obwohl der Kasse die Vorsorgevoll­macht vorlag.

Begründung der Krankenkasse

Laura Hassinger, Presse­sprecherin der TK, erklärt die Extravoll­macht: „Damit Bevoll­mächtigte den gesamten Schrift­wechsel an unsere Kunden empfangen dürfen, sind wir als Krankenkasse dazu verpflichtet, genau zu prüfen, ob dieser Wunsch eindeutig aus der vorliegenden Voll­macht hervorgeht.“ Findet sich in einer Vorsorgevoll­macht zum Beispiel die Formulierung „Die Bevoll­mächtigte darf alle an mich gerichteten Brief- und Post­sendungen annehmen und öffnen …“, umfasst dies im wört­lichen Sinne noch nicht das Einverständnis, dass Post­sendungen künftig an die bevoll­mächtigte Person gesandt werden dürfen. „In unseren Voll­macht-Vordrucken verwenden wir deshalb die Formulierung ,Bitte senden Sie den ­gesamten Schrift­wechsel zu meiner Versicherung ausschließ­lich an die ­bevoll­mächtigte Person‘“.

Unnötiger Zusatz­aufwand

Stroh­schein legte ­ihrer Schwiegermutter, die demenziell erkrankt war, das TK-Formular zur Unter­schrift vor. „Unklar war, ob sie verstand, was sie unter­schrieb“, so Stroh­schein. „Für mich war der Aufwand bürokratisch und unver­ständlich. Es gab keine Anhalts­punkte dafür, dass meine – mitt­lerweile verstorbene – Schwiegermutter nicht gewollt hätte, dass ich ihre Post erhalte.“

17.08.2021
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