Erstaunlich: Über 1,5 Millionen Arbeitnehmer – fast sechs Prozent – haben vor, Urlaub auf Kranken­schein zu machen. Das jedenfalls wollen Meinungs­forscher im Auftrag des Portals Ab-in-den-Urlaub.de heraus­gefunden haben. test.de warnt: Wer blau macht, kann frist­los rausfliegen.

Ohne Abmahnung

Wenn der Chef eine vorgetäuschte Krankmeldung nach­weisen kann, darf er sofort eine frist­lose Kündigung schi­cken. Arbeits­gerichte werten die absicht­liche Täuschung über die Arbeits­fähig­keit als so schweren Verstoß gegen den Arbeits­vertrag, dass vor dem Rauswurf keine Abmahnung mehr nötig ist.

Attest als Beweis

Auf der sicheren Seite ist, wer eine Krank­schreibung vom Arzt hat. Der „gelbe Zettel“ gilt als Beweis für Arbeits­unfähigkeit. Der Beweis­wert des Attests kann allerdings verloren gehen. So hatte ein Schweißer während seiner Krank­schreibung angeboten, einen Schwarz­arbeits­auftrag zu über­nehmen. Was er nicht wusste: Der angebliche Interes­sent war ein vom Arbeit­geber angeheuerter Privatdetektiv. Das Landes­arbeits­gericht Hessen bestätigte die frist­lose Kündigung.

Risiko Sport

Generell gilt: Wer sich während einer Krank­schreibung bei Tätig­keiten erwischen lässt, die seine Arbeits­unfähigkeit widerlegen, riskiert die Kündigung. Wer Frei­tags im Büro fehlt, macht sich verdächtig, wenn er am Samstag schon wieder uneinge­schränkt Sport treibt. Klar aber auch: Sich Bewegung zu verschaffen, kann auch bei Krankheit vernünftig sein und ist dann selbst­verständlich erlaubt. Wer Zweifel hat, sollte seinen Arzt fragen und auf dessen Rat hören. Wenn es doch Ärger gibt, kann der Arzt seine Empfehlung bezeugen.

Pflicht zu sofortiger Krank­schreibung

Oft auch unbe­kannt: Eine ärzt­liche Krank­schreibung kann der Arbeit­geber schon vom ersten Tag an verlangen. Üblich ist: Erst bei mehr als drei Tagen Arbeits­unfähigkeit muss eine ärzt­liche Bescheinigung her. Wenn im Arbeits- oder Tarif­vertrag nichts anderes steht, darf der Arbeit­geber allerdings ohne weitere Begründung sofort einen Nach­weis der Arbeits­unfähigkeit verlangen. Einzige Ausnahme: Die Forderung erscheint als bloße Schikane. So hat es das Bundes­arbeits­gericht entschieden.

Landes­arbeits­gericht Hessen, Urteil vom 01.04.2009
Aktenzeichen: 6 Sa 1593/08

Bundes­arbeits­gericht, Urteil vom 14.11.2012
Aktenzeichen: 5 AZR 886/11

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