Vorfälligkeitsentschädigung Meldung

Im Mai erhielt Wolfgang Peters* lang ersehnte Post von der Sparda-Bank Frankfurt am Main. Drei Monate zuvor hatte er die Bank gebeten, die Höhe von zwei Vorfälligkeitsentschädigungen zu überprüfen: 3.800 Mark hatte er 1998 der Bank als Entschädigung dafür zahlen müssen, dass er einen Teil seines Baukredits früher zurückgezahlt hatte als vereinbart. Jetzt wollte er wissen, ob er nicht zu viel gezahlt hat. Denn nach der neuen Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs (BGH) haben viele Kreditinstitute zu hohe Vorfälligkeitsentschädigungen kassiert, die sie ihren Kunden erstatten müssen.

Die Sparda-Bank Frankfurt drehte den Spieß um: Ihre Berechnung ergab, dass Herr Peters angeblich zu wenig gezahlt hat. Die Bank forderte 1.975,68 Mark nach. Und falls er nicht binnen 14 Tagen zahle, drohte sie zusätzlich mit der Berechnung von "Tageszinsen".

Rechtlich sind die Forderungen völlig haltlos. Dennoch erhielten auch andere Sparda-Kunden, die eine Vorfälligkeitsentschädigung überprüfen lassen wollten, ähnliche Schreiben mit hohen Zahlungsaufforderungen.

Vorstandsmitglied Jürgen Weber spricht von einem "Missverständnis". Es sei gar nicht geplant gewesen, Nachforderungen zu erheben. Die Bank hätte nur darüber aufklären wollen, dass ihre Abrechnung günstiger war als nach der neuen BGH-Rechtsprechung. Mit ihren Schreiben seien die Bankmitarbeiter deutlich über das Ziel hinausgeschossen. Kunden, die ­ offenbar eingeschüchtert ­ gezahlt hatten, wurde der Betrag inzwischen erstattet.

Auf eine Entschuldigung wartete Wolfgang Peters jedoch vergeblich. Nicht einmal einen Fehler gab die Bank zu. Sie teilte nur lapidar mit, dass sie ­ trotz richtiger Rechenergebnisse ­ auf ihre Nachforderung "verzichtet". Das klingt nobel.

* Name von der Redaktion geändert.

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