Unternehmens­ver­ant­wortung: Hier punkten die Marken

Vollwaschmittel Test

Waschmittel werden immer besser und immer billiger. Doch der knallharte Preiskampf auf dem Waschmittelmarkt hat auch seine Schattenseiten.

Handelsmarken von Tip bis Tandil erobern den Waschmittelmarkt. Allein bei Aldi gehen fast 20 Prozent der deutschen Waschmittel über die Theke – der Menge nach. Wertmäßig sind es nur knapp 10 Prozent, weil Tandil so billig ist. Mehr als zwei von drei Euro, die der Bundesbürger für Waschmittel ausgibt, gehen an die großen Marken. Harte Daten sind allerdings kaum zu bekommen, keine Zahl ist unumstritten. „Das ist eine heiße Sache“, sagen Insider. Preisnachlässe und Werbemillionen der großen Marken haben im vergangenen Jahr den Anstieg der Handelsmarken zwar gebremst, doch das Rennen bleibt offen. Denn die Davids unter den Waschmittelherstellern laufen mittler­weile zur Bestform auf.

Wer sind sie eigentlich, die Hersteller der Handelsmarken? Manchmal ist das gar nicht so leicht zu beantworten. Wer etwa in Hamburg bei Aldi (Nord) zu Tandil greift, wäscht mit einem Waschmittel der Dalli-Werke aus dem Rheinland. Greift dagegen ein Münchner bei Aldi (Süd) zu Tandil, so vertraut er seine Wäsche Propack an, einer Tochter von Reckitt Benckiser (als Hersteller von Calgonit bekannt). Manchmal bleibt die Antwort ganz im Dunkeln: Beim Konkurrenten Lidl wissen wir bis heute nicht, aus welcher Fabrik sein Pulver stammt. Auf der Packung steht es nicht, Lidl verweigert die Auskunft.

Aldi schreibt den Hersteller wenigstens auf die Packung, doch ansonsten stießen wir auch dort auf kategorische Ablehnung, als wir für unseren Test der Unternehmensverantwortung für Soziales und Umwelt Fragebögen und Inspektoren schickten. Ebenso bei Schlecker und Edeka. Viel selbstbewusster dagegen die großen Markenhersteller. Von ihnen erhielten wir alle gewünschten Auskünfte. Ergebnis: Bestnoten in dieser Untersuchung – nicht nur in puncto Transparenz (siehe Tabelle).

Der Beste heißt Henkel

Vollwaschmittel Test

Marktführer Henkel ist „sehr stark engagiert“ für Soziales und Umwelt und damit am besten. Procter & Gamble sowie Lever Fabergé sind „stark engagiert“. Doch auch die Drogeriekette Rossmann und der zum Rewe-Konzern gehörende Discounter Penny zeigen, zusammen bewertet mit ihrem Hersteller Dalli, „deutliche Initiative“. Und bei Metro und Norma fanden wir zumindest „Ansätze“ (zusammen bewertet mit Hersteller Thurn). Ein Grund für den klaren Sieg der Marken: Weil Waschmittel wegen der Verschmutzung von Flüssen und Seen jahrzehntelang im Zentrum der Kritik von Verbraucher- und Umweltschützern standen, sind nicht nur die Mittel selbst mittlerweile ökologisch optimiert. Alle Markenhersteller im Test haben zudem eine ausgefeilte Unternehmenspolitik, die soziale und ökologische Aspekte berücksichtig. Ganz anders die meisten Lebensmittel- und Drogerieketten, die sich bisher nur sehr eingeschränkt soziale und ökologische Ziele setzen, mit Ausnahme von Rewe/Penny und Metro. Keines der Handelsunternehmen im Test konnte uns zeigen, dass es öko­logische und soziale Anforderungen an seine Waschmittellieferanten stellt und deren Einhaltung überwacht, wie das etwa Karstadt bei Funktionsjacken macht. Und auch bei dem Umgang mit Kundenanfragen kommt das Gespann aus Handel und Hersteller bei weitem nicht an den Standard der Marken heran. Das zeigten fünf telefonische und schriftliche Anfragen, die wir jedem Anbieter inkognito stellten.

Der Umgang mit den Beschäftigten

Trotzdem: Auch die Hersteller der Handelsmarken haben bei der Produktion eine weitgehend weiße Weste. Dalli und Thurn machten unseren Inspektoren die Tore auf, nur bei Propack schob der Handel den Riegel vor – nach dem Aldi/Schlecker/Lidl-Prinzip haben Verbraucher offenbar zu kaufen und nicht nach der Herkunft der Waren zu fragen. Nirgendwo fanden wir Missstände, genauso wenig wie bei den Markenherstellern. Arbeitsunfälle gibt es durchweg weniger als im Schnitt der chemischen Industrie.

Und beim Umgang mit den Beschäftigten sammelten alle Markenanbieter wie auch der Handelsmarkenhersteller Dalli Punkte. So kümmern sich alle vier Unternehmen mit Gesundheitskampagnen um ihre Beschäftigten, Lever Fabergé und Procter & Gamble bieten sogar kostenlosen Besuch im Fitnesscenter. Und gemessen an der Gesamtbelegschaft beschäftigt Dalli mehr Auszubildende und Schwerbehinderte als alle Konkurrenten einschließlich Henkel, der auch nicht schlecht dasteht. Nur das Familienunternehmen Thurn hat für seine Mitarbeiter wenig Extras zu bieten.

Unsere Untersuchung verstehen wir als Ergänzung zum Warentest und haben alle Anbieter nur so weit bewertet, wie es ihre Waschmittel betrifft. Die Lage der Verkaufskräfte im Handel selbst, unlängst etwa bei Aldi, Lidl und Schlecker von den Gewerkschaften aufs Korn genommen, haben wir deshalb nicht berücksichtigt – denn schließlich verkaufen Schlecker & Co. nicht nur ihre Eigenmarken, sondern meist auch Ariel und Persil.

Die unnütze Rückkehr der Jumbos

Eine vorzeigbare Branche, könnte das Resumee also lauten – wenn nicht immer wieder Preiskampf und Markenpflege zu Scheininnovationen und Rückschritten führen würden. So schneiden Flüssigwaschmittel in unseren Tests regelmäßig schlechter ab als Pulver und werden doch mit viel Werbung zu Kassenschlagern gemacht. Und die totgeglaubten Jumbopackungen, die unnützes Füllmittel enthalten und deshalb höher dosiert werden, erleben derzeit einen zweiten Frühling. Das geht auf Kosten der viel sinnvolleren Kompakten. Die um ihre Marktanteile bangenden Markenhersteller verkaufen heute wieder ein bis zwei Drittel ihrer Waschmittel in aufgeblähten Packungen. Unsinnig für die Umwelt und für die Verbraucher eine unnötige Schlepperei.

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