Jahrelang gepriesen, plötzlich am Pranger: Vollkornprodukte seien gesundheitsschädlich, hieß es kürzlich in einigen Presseveröffentlichungen. Die vor allem in Weizenkeimen enthaltenen Lektine ließen rote Blutkörperchen verklumpen. Außerdem verhindere die Phytinsäure im Getreide, dass im Dünndarm genug Eisen und Zink aufgenommen würden. Doch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung gibt Entwarnung: Zwei Studien seien offenbar fehlinterpretiert worden.

Lektine sind Eiweiße, die in vielen Nahrungsmitteln vorkommen und den Darm nur in hohen Dosen schädigen. Vollkorn aber enthält nur wenig hitzestabiler Lektine – ähnlich viel wie Tomaten, Nüsse oder Zwiebeln. Vor einem Überangebot schützt auch eine Gewebeschicht im Darm. Unproblematisch ist auch die Phytinsäure, die in Samen, Hülsenfrüchten und Nüssen steckt. Nur bei stark eingeschränkter Nahrungszufuhr bindet Phytinsäure bestimmte Mineralstoffe und Spurenelemente und beeinträchtigt so die Resorption von Eisen.

Inzwischen liegen viele Studien vor, wonach der regelmäßige Vollkornverzehr in Kombination mit gemischter Kost Herzkrankheiten, Diabetes mellitus und Krebs vorbeugen kann. Denn Mehl aus vollem Korn enthält mehr Vitamine, mehrfach ungesättigte Fettsäuren, Mineral- und Ballaststoffe als Weißmehl. Manche Menschen mit Allergien oder Zöliakie vertragen Körnerkost aber nicht.

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