Als Uta Bonse* zwischen ihren alten Unterlagen ein Sparbuch der Volksbank Winnenden eG, ausgestellt am 9. April 1954, fand, wusste sie nicht, dass Sparbücher auch nur eine begrenzte Lebensdauer haben. 100 Mark Guthaben bei einem durchschnittlichen Zinssatz von 3 Prozent müssten heute rund 400 Mark ergeben, rechnete sich die 66-Jährige aus. Zunächst wollte Uta Bonse das Geld über ihre Hausbank einlösen. Doch die Volksbank Winnenden verweigerte die Auszahlung. Und nicht nur das. Sie stempelte das Sparbuch von Uta Bonse ohne Rücksprache ungültig und schickte es ihr mit der Begründung zurück: "Ab 1974 haben wir in unserem Haus die Unterlagenverfilmung eingeführt. Bereits zu diesem Zeitpunkt hat das Konto nicht mehr bestanden." Uta Bonse hatte das Konto jedoch nie gekündigt. Aber die Bank meinte, aufgrund der gesetzlichen Aufbewahrungsfrist sei sie nicht verpflichtet, die Unterlagen länger als zehn Jahre aufzubewahren. Als Beweis für eine Kontokündigung reicht aber die interne Unterlagenverfilmung der Bank nicht aus. Ein unentwertetes Sparbuch gilt nämlich nach Aufassung der Gerichte im Zweifel mehr als bankinterne Unterlagen (BGH, Az. III ZR 55/89 und OLG Köln 1 U 107/99).

Der Streitwert ist Frau Bonse zu gering, um rechtliche Schritte gegen die Volksbank einzuleiten. Würde sie klagen, könnte ihr die Bank zudem die Verjährung des Sparbuchs entgegenhalten. Denn juristisch unstrittig ist, dass Sparguthaben ­ wie alle anderen Geldforderungen auch ­ verjähren. Die Frist beträgt 30 Jahre. Uneinig sind sich die Gerichte allerdings, wann diese Frist beginnt und wann die 30 Jahre abgelaufen sind.

TIPP: Lassen Sie sich Ihre Zinsen jährlich ins Sparbuch eintragen, sonst drohen ruhende Sparbücher zu verjähren.

* Name von der Redaktion geändert.

Dieser Artikel ist hilfreich. 609 Nutzer finden das hilfreich.