Vogelgrippe Meldung

Die Vogelgrippe ist noch eine Tierseuche. Federvieh lebt nun im Stall – wenn möglich.

Die Angst vor der Vogelgrippe steigt. Viele lassen sich Medikamente verschreiben.

Hamsterkäufe

Vogelgrippe Meldung

Virensubtyp H5N1? Fahndung nach der Todesursache bei Vögeln.

Zehn Kapseln des antiviralen Medikaments Tamiflu von Roche mit 75 Milligramm des Wirkstoffs Oseltamivir kosten rund 33 Euro. Allein im August verkauften Apotheken rund 79 000 Packungen der Prophylaxemittel, meist Tamiflu-Tabletten. Hersteller Roche liefert nun in Deutschland das Mittel nicht mehr an den Großhandel aus: Für den Ernstfall sollen genügend Präparate zur Verfügung stehen. Und es gibt Sorgen, dass bei unkontrolliertem Einsatz Erreger resistent gegen den Wirkstoff werden.

Spätestens 48 Stunden

Bei Tamiflu blocken Neuraminidasehemmer das Enzym der Influenza-A- und -B-Viren, das lebenswichtig für die Vermehrung der Influenzaviren ist. In Deutschland ist auch der Neuraminidasehemmer Zanamivir (Relenza, GlaxoSmithKline) zugelassen. Relenza wird inhaliert. Beide Wirkstoffe müssen frühzeitig eingesetzt werden: Nur wenn die Mittel bis spätestens 48 Stunden nach Auftreten der ersten Grippesymptome (Diagnosestellung und Abgrenzung zum grippalen Infekt ist zu Beginn schwierig) angewendet werden, ist ein Effekt zu erwarten. Selbst dann können die Wirkstoffe die Krankheitsdauer bei Influenza-A- und B-Viren nur um ein bis zwei Tage verkürzen. Die Wirkung bei Vogelgrippe – ein Impfstoff-Prototyp wird vermutlich erst im Frühjahr zur Verfügung stehen – ist Spekulation. Es sind auch bereits gegen Neuraminidasehemmer resistente Viren aufgetreten. Von der Vogelgrippe – noch ist sie eine Tierseuche – dürften zunächst nur Menschen bedroht sein, die in engem Kontakt zu Tieren stehen.

Kritik

Daten zum Einfluss von Neuraminidasehemmern auf die Sterblichkeit von Grippekranken fehlen bislang. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) beurteilt den Nutzen zur Senkung der Sterblichkeit nur als „möglich“. Eine Verringerung schwerer Komplikationen wie Lungenentzündung sei unzureichend belegt, berichtet das Berliner arznei-telegramm. „Nicht nachvollziehbar“ sei es, dass davon ausgegangen werde, eine Therapie mit Mitteln wie Tamiflu könnte die Zahl der Todesfälle halbieren.

Vorbeugen

Erkenntnisse dazu beziehen sich bisher auf eine Studie in einem Altenheim; dort konnte das Erkrankungsrisiko bei Nichtgeimpften mit Neuraminidasehemmer gesenkt werden. Die Einnahme ersetzt die Impfung aber nicht. Die Präparate sind angezeigt, wenn eine Impfung nicht möglich oder nicht effektiv ist (Pandemie oder Veränderung des Grippevirus).

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