Viele Krankenkassen teurer Meldung

Gesundheitsreform hin, Einsparungen her: 28 Krankenkassen haben zum Jahreswechsel ihren Beitragssatz erhöht. Spitzenreiter ist die AOK Schleswig-Holstein. Sie kassiert von ihren Mitgliedern ab sofort 14,4 Prozent des Bruttolohns - 0,8 Prozentpunkte mehr als zuletzt im Dezember. Eine Kasse schwimmt gegen den Strom und hat ihren Beitrag gesenkt. test.de sagt, welche Kassen teurer werden und wie Sie sich die Beitragserhöhung sparen können.

Erhöhung bei vier AOKs

Außer der AOK Schleswig-Holstein haben drei weitere Ortskrankenkassen den Beitragssatz angehoben. Die AOK Hessen kassiert 14,4 statt 13,9 Prozent. Mitglieder der AOK Rheinland zahlen ab sofort 13,4 statt 13,0 Prozent. Bei der AOK im Saarland schließlich steigt der Beitragssatz von 14,0 auf 14,6 Prozent. Sie ist damit gemeinsam mit AOK Berlin die teuerste Kasse im Land. Nur eine einzige Kasse hat den Beitrag gesenkt. Die BKK der Thüringer Energieversorgung will nur noch 12,4 Prozent vom Bruttolohn und damit 0,5 Prozentpunkte weniger als zuletzt.

Zusätzlicher Anstieg beim Höchstbeitrag

Für Kassenpatienten mit mehr als 3 525 Euro Bruttolohn pro Monat steigt der Beitrag zusätzlich an. Die so genannte Beitragsbemessungsgrenze steigt auf 3562,50 Euro. Für Bruttogehalt bis zu dieser Höhe ist seit gestern Beitrag zu zahlen. Bei einem Beitragssatz von 14,0 Prozent führt das zu einer Beitragserhöhung um bis zu 31,50 Euro pro Jahr.

Sonderkündigungsrecht bei Beitragserhöhung

Ein Gutes hat jede Beitragserhöhung: Sie gibt Versicherten ein Sonderkündigungsrecht. Wer immer von einer Beitragserhöhung betroffen ist, kann sich eine neue Kasse suchen. Wer bei einem Bruttolohn von 3 000 Euro von der AOK im Saarland oder Berlin mit jeweils 14,6 Prozent zur günstigsten bundesweit geöffneten Kasse - die IKK direkt in Kiel mit 12,0 Prozent Beitragssatz - wechselt, spart 39 Euro im Monat und damit 468 Euro pro Jahr. Der Arbeitgeber erzielt noch einmal die gleiche Ersparnis. Wie viel Ersparnis in anderen Fällen drin ist, lässt sich mit dem Krankenkassen-Beitragsrechner ermitteln.

Kein Nachteil durch Kassenfusion

Eine Chance zum Wechsel haben auch Versicherte, die nach einer Fusion einen höheren Beitragssatz zahlen müssen. Aktuelles Beispiel: der Zusammenschluss von BKK Conzelmann und mhplus-BKK. Sie führt für Mitglieder der früheren BKK Conzelmann zu 12,9 statt bisher 12,4 Prozent Beitragssatz. Genau wie sonst bei einer Beitragserhöhung auch haben sie ein Sonderkündigungsrecht und können sich eine neue Krankenkasse suchen.

Selbstständige sparen doppelt

Noch viel größer sind die Unterschiede beim Beitragssatz für freiwillig gesetzlich Krankenversicherte Freiberufler und Selbstständige. Sie brauchen schneller als Arbeitnehmer mit Anspruch auf Lohnfortzahlung im Krankheitsfall Krankengeld und müssen daher einen höheren Satz zahlen. Zu allem Überfluss zahlen sie ihren Beitrag allein. Sie haben schließlich keinen Arbeitgeber, der einen Teil der Beiträge übernimmt. Dementsprechend hoch ist das Sparpotenzial. Teuerste Kasse ist die AOK Hessen. Sie hat diesen Beitragssatz von 19,5 auf 20,2 Prozent erhöht und damit erstmals die 20 Prozent-Schallmauer durchbrochen. Günstigste bundesweit geöffnete Kasse beim erhöhten Beitragssatz ist die Siemens-Betriebskrankenkasse SBK. Sie will nur 13,6 Prozent. Der Unterschied summiert sich für Betroffene auf bis zu 235 Euro im Monat und 2 822 Euro pro Jahr. Allerdings: Die Zahl der Betroffenen ist gering. Die AOK Hessen selbst empfiehlt Selbstständigen, sich zum allgemeinen Beitragssatz zu versichern und den fehlenden Schutz über eine private Tagegeldversicherung zu beschaffen.

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