Video­sprech­stunde beim Arzt Diese Möglich­keiten haben Versicherte

Video­sprech­stunde beim Arzt - Diese Möglich­keiten haben Versicherte
Oft ist es auch möglich, mit dem Arzt per Video oder Telefon zu sprechen. © Getty Images / Westend61

Um eine Anste­ckung mit dem neuen Coronavirus zu vermeiden, verzichten viele Patienten derzeit auf den Gang in die Arzt­praxis – und damit auch auf ärzt­lichen Rat. Doch das muss nicht sein. Die Gesund­heits­experten der Stiftung Warentest sagen, welche Möglich­keiten Versicherte haben, per Telefon oder Video-Chat mit einem Behandler zu sprechen. Neu: Das Angebot der Teleclinic ist jetzt auch für gesetzlich Kranken­versicherte zu bestimmten Sprech­zeiten kostenlos. Und die TK bietet einen eigenen Video­chat per App.

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Video­sprech­stunde beim Arzt – wie geht das?

Ärzte haben unter bestimmten Voraus­setzungen die Möglich­keit, ihre Patienten – zumindest teil­weise – auch per Video­sprech­stunde zu behandeln. Organisation und tech­nische Voraus­setzungen sind einfach.

Das sind die Voraus­setzungen

  • Zertifizierter Dienst­leister. Ärzte oder Psycho­therapeuten müssen zur Abwick­lung einen Video­dienst­anbieter auswählen, der von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) zertifiziert ist. Dieser sorgt für einen reibungs­losen und sicheren tech­nischen Ablauf der Video­sprech­stunde.
  • Tech­nische Ausrüstung. Arzt und Patient benötigen zudem einen Bild­schirm mit Kamera, Mikrofon und Laut­sprecher sowie eine Internet­verbindung. Eine weitere zusätzliche Software ist nicht notwendig.

In welchen Fällen sind Video­sprech­stunden möglich?

Durch die Coronakrise wurden geltende Beschränkungen bei der Anwendung von Video­sprech­stunden weit­gehend aufgehoben: Ärzte können ihren Patienten derzeit unbe­grenzt Video­sprech­stunden anbieten. Auch für psycho­therapeutische Sprech­stunden, probatorische Sitzungen und neuro­psychologische Therapien gibt es derzeit die Möglich­keit, diese per Video abzu­halten. Zusätzlich zum klassischen Besuch bei Arzt und Psycho­therapeut sind Video­sprech­stunden während der Coronakrise auch bei folgenden Behand­lungen, Verordnungen oder Kursen möglich:

  • Heil­mittel­therapien, wenn diese aus therapeutischer Sicht statt­finden können und der Versicherte einge­willigt hat. Dazu gehören verordnete Maßnahmen der Stimm-, Sprech- und Sprach­therapie, Ergo­therapie, Ernährungs­therapie sowie Physio­therapie (Krankengymnastik und Bewegungs­therapie).
  • Heb­ammen dürfen auch per Video­telefonie beraten. Das ist etwa bei individuellen Vorgesprächen und Aufklärungs­gesprächen möglich oder um Basis­daten von Patientinnen zu erheben. Wichtig: Die Kommunikation muss tech­nisch in Echt­zeit möglich sein und den versicherten Frauen sollen keine zusätzlichen Kosten (etwa für eine bestimmte Software) entstehen. Die Heb­ammen sollen zudem auf eine private Atmosphäre achten. Geburts­vorbereitungs- und Rück­bildungs­kurse können ebenfalls als digi­taler Live-Kurs angeboten werden.
  • Präventions­kurse von Krankenkassen, die bei der Zentralen Prüfstelle Prävention mitmachen, können auch per Video durch­geführt werden – etwa als Live-Über­tragung, sofern die Kurse aufgrund der Kontakt­begrenzungen nicht vor Ort durch­geführt werden können.
  • Zahn­ärzte. Seit Oktober 2020 sind Video­sprech­stunden beim Zahn­arzt möglich. Zunächst gilt dies nur für Versicherte mit Pfle­gegrad oder mit Behin­derungen, wenn sie Einglie­derungs­hilfe erhalten. Ohne viel Aufwand kann etwa der Erst­kontakt zum Zahn­arzt per Video erfolgen, ebenso die Nach­kontrolle einer Behand­lung oder eine erste Beratung bei der Versorgung mit Prothesen. Auch Video­fall­konferenzen zwischen Zahn­arzt und Personal sind in Pfle­geheimen möglich, um Behand­lungs­bedarf von Pfle­geheimbe­wohnern zu klären.

Hinweis: Über sämtliche aktuellen Sonder­regelungen für gesetzlich Kranken­versicherte berichten wir in unseren FAQ Corona - Ausbreitung, Gesundheit, Schutzmaßnahmen.

Kostet das extra?

Behandelt ein Arzt seine gesetzlich versicherten Patienten auch per Video­sprech­stunde, ist das grund­sätzlich eine Kassen­leistung, für die Versicherte nicht extra zahlen müssen.

Wie finde ich einen Arzt, der das anbietet?

Bietet der eigene Haus- oder Fach­arzt noch keine Video­sprech­stunde an, können sich Versicherte auch an einen anderen Arzt wenden. Portale wie Doctolib, Jameda oder auch neuere Anbieter wie Minxli listen Ärzte, die Video­sprech­stunden anbieten. Oft können Versicherte über das Portal auch gleich einen Termin für die Video­sprech­stunde buchen. Ist der eigene Arzt dort schon gelistet, können Patienten über das Portal bei diesem eine Video­sprech­stunde buchen oder sich ansonsten einen anderen Behandler auswählen. Auch hier gilt: Video­sprech­stunden, die Versicherte über die Portale gebucht und genutzt haben, sind eine Kassen­leistung, wenn es sich um Ärzte mit Kassen­zulassung handelt und diese ihre Video­sprech­stunde in diesem Rahmen anbieten. Dann müssen Patienten auch hier nur ihre Versichertenkarte vorzeigen.

Video-Chat über die Krankenkasse

Versicherte können auch über ihre Krankenkasse Kontakt zu Ärzten verschiedener Fach­richtungen aufnehmen, ohne dafür eine Arzt­praxis aufzusuchen. Die meisten Kassen bieten eine Telefonhotline, bei der Ärzte zu medizi­nischen Fragen beraten – auch zu einer möglichen Infektion mit dem neuen Coronavirus. Die Krankenkassen beschäftigen dabei meist nicht selbst Ärzte, sondern sie koope­rieren mit externen Beratungs­zentren.

Techniker mit eigener App

TK Doc App. Die Techniker Krankenkasse bietet seit dem 9. Juni 2020 allen Versicherten eine Video­behand­lung über die TK Doc App an. Versicherte können dort zu allgemein­ärzt­lichen Beschwerden wie Grippe, Magen-Darm-Problemen, Migräne oder Rücken­schmerzen mit Ärzten sprechen. Die TK empfiehlt, sich erst telefo­nisch an das TK-Ärztezentrum zu wenden. Dies ist rund um die Uhr erreich­bar. Können die beratenden Ärzte dort nicht alle Fragen beant­worten oder brauchen mehr Informationen, klären sie mit den Versicherten, wann sie sich per Video erneut melden und mit einem Behandler sprechen können.

Rezept per QR-Code. Der Arzt kann dann auch bei Bedarf ein Rezept oder eine Krank­schreibung über drei Tage ausstellen. Das Rezept ist ein herkömm­liches Kassen­rezept, das entweder per Post gesendet wird oder elektronisch per QR-Code. Versicherte können es dann bei teilnehmenden Apotheken einlösen und sich die Medikamente per Boten­dienst auch nach Hause bringen lassen. Die Krank­schreibung kann auf elektronischem Wege nur an die Kasse geschickt werden. Durch­schläge für den Arbeit­geber und die versicherte Person kommen per Post.

Video­sprech­stunde: Kassen koope­rieren mit Anbietern

Rund 24 Prozent der insgesamt 73 Kassen aus unserem Krankenkassenvergleich bieten ihren Versicherten zudem die Möglich­keit, zusätzlich auch per Video­chat mit Ärzten verschiedener Fach­richtungen zu sprechen. Auch hier koope­rieren die Krankenkassen meist mit spezialisierten Anbietern für Video­sprech­stunden.

Tele­ärzte stellen zum Teil auch Rezepte aus

Bei manchen Kassen können Versicherte das Online-Beratungs­angebot voll­umfäng­lich nutzen, manchmal aber auch nur für bestimmte medizi­nische Fach­richtungen oder spezielle Angebote, wie die Betreuung durch Heb­ammen. Bei einigen Koope­rationen dürfen die Tele­ärzte zusätzlich Krank­schreibungen und Rezepte ausstellen.

Elektronisches Rezept kommt

Meist handelt es sich bei den Rezepten, die Tele­ärzte ausstellen, um Privatrezepte, bei denen Versicherte die Medikamente selbst bezahlen müssen. Ein elektronisches reguläres Kassen­rezept gibt es bislang nur in Modell­projekten von Krankenkassen. Allerdings soll das eRezept für verschreibungs­pflichtige Arznei­mittel ab Januar 2022 deutsch­land­weit verfügbar sein. Die elektronische Krank­schreibung soll ab 2021 schritt­weise einge­führt werden – zunächst zwischen Arzt und Krankenkasse, ab 2022 auch zwischen Krankenkasse und Arbeit­geber.

Tipp: Unser Krankenkassenvergleich nennt alle Kassen, die Video­chat, Medizinhotline oder andere Angebote der Telemedizin als Extra­leistung bieten. Die Daten­bank enthält für jede dieser Kassen Informationen über die Art des Angebots, Sprech­zeiten und Kontakt­möglich­keiten.

Virtueller Arzt­besuch: Weitere Video-Angebote

Zu den bekannten und größeren Anbietern, die einen virtuellen Arzt­besuch auf einer eigenen Platt­form anbieten, gehören in Deutsch­land Teleclinic, Kry und Zava. Um die Video­sprech­stunde bei den Anbietern zu nutzen, müssen Patienten zunächst meist eine App installieren und sich anmelden. Nachdem sie Fragen zu ihrer Gesundheit und ihrem Anliegen beant­wortet haben, meldet sich ein Arzt per Video bei ihnen. Auch Anbieter wie Fernarzt bieten eine Video­spech­stunde. Bei Zava und Fernarzt gibt es zudem auf der Website die Möglich­keit für Patienten, eine Rezept­anfrage zu stellen und dafür einige relevante Gesund­heits­fragen zu beant­worten. Ein Arzt sieht sich die Anfragen an, kontaktiert den Patienten gegebenenfalls über dessen Account und stellt ein Rezept aus, wenn aus medizi­nischer Sicht nichts dagegen spricht.

Was kostet das?

Für die Behand­lungen fallen unterschiedlich hohe Kosten an – je nach Behand­lungs­umfang und Sprech­zeit. Teleclinic verlangt pro Behand­lung mindestens rund 38 Euro, Kry mindestens rund 31 Euro. Bei Zava und Fern­arzt werden mindestens rund 21 beziehungs­weise rund 38 Euro fällig. Privatversicherte können sich oft einen Teil oder sogar die kompletten Kosten erstatten lassen.

Können das auch gesetzlich Kranken­versicherte nutzen?

Teleclinic ist der erste dieser Anbieter, der jetzt auch für gesetzliche Kranken­versicherte eine Video­sprech­stunde ohne zusätzliche Kosten ermöglicht. Versicherte müssen lediglich ihre Versichertenkarte bereithalten und die Daten im Registrierungs­prozess angeben. Die Sprech­zeiten für den virtuellen Arzt­besuch auf Kassen­kosten sind von Montag bis Sonn­abend von 7 bis 19 Uhr. Kosten fallen einzig für Medikamente an, denn Teleclinic darf derzeit nur Privatrezepte ausstellen. Außer­halb der genannten Zeiten, müssen gesetzlich Kranken­versicherte den Arzt­besuch bei Teleclinic selbst bezahlen.
Wichtig: Die privaten Arbeits­unfähigkeits­bescheinigungen von Teleclinic sind kostenlos, allerdings sind diese nur für den Arbeit­geber recht­lich gültig. Wer Krankengeld bei seiner Krankenkasse oder Kranken­tagegeld beantragen will, sollte gleich zu einem nieder­gelassenen Arzt gehen.

Spezielle Koope­rationen

Diese Krankenkassen haben laut Anbieter derzeit eine Koope­ration mit Teleclinic:

  • AOK Rhein­land-Hamburg,
  • BKK Mobil Oil,
  • BKK VBU,
  • BKK Gildemeister Seiden­sticker,
  • BKK Werra Meisner,
  • Bosch BKK
  • Pronova BKK.

Versicherte dieser Kassen können das Angebot in unterschiedlichem Umfang nutzen.

Docdirekt: Modell­projekt in Baden-Württem­berg

Gesetzlich Kranken­versicherte aus Baden-Württem­berg, können einen virtuellen Arzt­besuch mittels Docdirekt vereinbaren – ohne zusätzliche Kosten. Ursprüng­lich war das Projekt der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW) für zwei Jahre befristet, es lief am 16. April dieses Jahres aus. Die KVBW entschied sich aber dafür, Docdirekt jetzt ohne Enddatum weiterzuführen.

Wie funk­tioniert das?

Docdirekt funk­tioniert ähnlich wie Teleclinic und Kry. Versicherte laden zunächst die entsprechende App herunter und registrieren sich mit ihren Kranken­versicherungs-Daten. Danach können sie einen Video­anruf tätigen, der zunächst von einer speziell geschulten medizi­nischen Fach­angestellten (MFA) angenommen wird, die Personalien und Krank­heits­symptome aufnimmt und die Dringlich­keit klärt. Bei Bedarf verabredet die MFA mit Patienten eine Rück­rufzeit, zu der sich ein Tele-Arzt meldet. App und Platt­form wurden von der Teleclinic gebaut, inzwischen hat die KVBW mit Minxli einen anderen tech­nischen Partner.

Weitere Modell­projekte der kassen­ärzt­lichen Vereinigungen

test.de hat bei den anderen kassen­ärzt­lichen Vereinigungen (KVen) nachgefragt: Ein mit Docdirekt vergleich­bares Angebot gibt es derzeit nicht. Dennoch bieten einige KVen ebenfalls Modell­projekte im Bereich der Telemedizin. Die KV Hessen hat etwa ein größeres Projekt, bei dem gesetzlich Kranken­versicherte in Hessen eine Video­sprech­stunde des Ärztlichen Bereitschaftsdienstes außer­halb der regulären Praxis­öffnungs­zeiten nutzen können. Sie müssen dafür voll­jährig sein und sich mit ihren Versicherungs­daten registrieren. Wer in Hessen bei der AOK Hessen, der DAK-Gesundheit oder der Techniker Krankenkasse versichert ist, kann im Rahmen des Modell­projekts zudem ein elektronisches Rezept im Rahmen der Video­sprech­stunde erhalten. Dabei handelt es sich genau wie bei der TK um ein normales Kassen­rezept.

Diese Meldung ist erst­mals am 30. April 2020 auf test.de erschienen. Sie wurde seitdem mehr­fach aktualisiert, zuletzt am 5. November 2020.

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4 Kommentare Diskutieren Sie mit

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informiert am 26.11.2020 um 11:46 Uhr
Datenschutz Gesundheitsdaten

Liebe Redaktion,
würden Sie bitte zusätzlich Aspekte zum Datenschutz bewerten? Gerade die Gesundheitsinformationen sind sehr sensibel, und können schlecht geschützt z.B. bei Erbkrankheiten negative Folgen auch für weitere Menschen haben.
Danke.

Andreas-Schmied am 03.07.2020 um 11:57 Uhr
Nix kostenlos

Im Beitrag S. 83 aus Heft 7/20 (den ich online nicht finde, deshalb kommentiere ich hier) heißt es Kry und Zava seien für Privatpatienten meist kostenlos. Das ist eine sehr fragwürdige Aussage. Gemeint ist wahrscheinlich, dass die Online-Sprechstunden eine erstattungsfähige Versicherungsleistung sind, oder? So kann man es ja auch diesem Online-Artikel hier entnehmen. Für eine Redaktion aus Finanz- und Versicherungsexperten finde ich auch die Aussage "für Kassenpatienten kostenlos" sehr fragwürdig. Eine bezahlte Versicherungsleistung ist nicht kosternlos.

Profilbild Stiftung_Warentest am 04.05.2020 um 15:31 Uhr
Bitte versuchen Sie es noch einmal

@dadax: Gerade eben hat der Link funktioniert. Versuchen Sie es bitte noch einmal.
Bitte versuchen Sie den Aufruf des Links einmal mit dem Chrome oder Firefox-Browser*, wenn Sie einen anderen Browser nutzen. Das Problem, des Aufrufes des Links über Edge haben wir gefixt. * (maa)

*ergänzt am 29.5.2020

dadax am 04.05.2020 um 14:43 Uhr
Toter Link

Der Link https://www.minxli.com/ führt ins Nichts.