Die DVD-Spieler sind wahre Verkaufsrenner. Dagegen schmoren DVD-Rekorder in den Ladenregalen. Das hat handfeste Gründe.

Die Bildqualität ist bestechend. Aufzeichnungen auf DVD lassen jedes VHS-Band alt aussehen. Der Haken daran: Bei der besten Bildqualität zeichnen die bis zu 2000 Euro teuren DVD-Rekorder auf die rund 10 Euro teuren Scheiben längstens eine Stunde Programm. Bei längerer Aufzeichnungsdauer nimmt die Bildqualität ab. Werden zwei oder gar vier Stunden Film auf eine DVD gequetscht, verschlechtert sie sich auf S-VHS- beziehungsweise VHS-Niveau. Lohnt es sich da überhaupt, über den Kauf eines DVD-Rekorders nachzudenken, oder ist ein Bandgerät weiterhin die bessere Wahl?

Wir haben uns zwei aktuelle DVD-Rekorder (Philips DVR 985, 1 360 Euro, und Pioneer DVR-7000, 1 950 Euro) angesehen und mit acht VHS-Bandgeräten aus der Preisklasse zwischen 150 und 300 Euro verglichen. Tatsächlich passen grundsätzlich zwei oder vier, bei manchen Modellen sogar sechs Stunden Film auf eine Platte. Doch dabei sinkt die Aufzeichnungsqualität auf Standard-VHS-Niveau. Der Anwender muss sich zwischen hoher Bildqualität und langer Aufzeichnungsdauer entscheiden. Wer kurze Videos in bester Qualität archivieren will, liegt bei der DVD richtig. Als Spielfilm oder gar Serien-Videoarchiv eignen sich die neuen Plattenspeicher kaum.

Plädoyer für die alten

Was den DVD-Rekordern fehlt, bieten Bandgeräte im Übermaß. Vier-Stunden-Kassetten sind Standard – bei den S-VHS-Geräten mit gutem Bild. Mit „Longplay“ und „Extended Longplay“ (ET) passen bis zu 15 Stunden Video auf ein Band. Die Bildqualität geht dann zwar auch deutlich zurück, doch wer nicht nach längstens sechs Stunden (Philips DVDR 985) die Platte wechseln kann, kommt am Langspielband nicht vorbei – und für Serien oder Nachrichten reichts.

Ein weiterer Vorteil: der Trend sinkender Gerätepreise. Inzwischen sind hochwertige S-VHS-Rekorder, wie die von uns geprüften Panasonic NV-HS 830 und JVC HR-S 5950, für unter 300 Euro zu haben. Vor fünf Jahren hätten sie sicher das Dreifache gekostet. Ihr Qualitätsvorteil gegenüber einfacheren Geräten ist auch von ungeübten Augen zu erkennen.

Folge der sinkenden Preise ist allerdings auch eine Magerkur bei nützlichen Zusatzfunktionen: Die S-VHS-Modelle sind keine Schnittrekorder. Es fehlt zum Beispiel das Drehrad „Jog-Shuttle“ zum Schnittstellensuchen ebenso, wie der störungsfreie Insertschnitt. Wenigstens klappt der Assembleschnitt zum Aneinanderschneiden einzelner Szenen mit Panasonic (S-VHS-Modell), Philips und Samsung ohne deutliche Bildstörungen. Die JVCs brauchen zu lange, bis sich das Bild nach dem Schnitt beruhigt. Die anderen Geräte liegen im Bild dazwischen.

Im Ton gibt es ein ähnliches Ergebnis wie beim Bild: Grundsätzlich klingen die DVD-Aufnahmen besser als die vom Band. Doch groß sind die Unterschiede nicht. Das liegt auch daran, dass selbst die „schlechtesten“ geprüften Videorekorder zur Hifi-Fraktion mit ordentlichem Stereoton gehören. Allenfalls stören bei VHS die Rauschfahnen, die manche Rekorder an Klaviertöne anhängen. Das machen DVD-Geräte nicht. Rock- und Pop-Musik klingen von Band und Platte gleich. Einen Mini-Ausreißer gibt es jedoch: Der HiFi-Philips VR 730 klingt einen Tick unsauber und verfärbt.

Erst der Standardton, die einzige Möglichkeit, einer VHS-Videoaufnahme per Nachvertonung eine neue akustische Untermalung zu verpassen, drückt die Note für die Klangqualität der VHS-Geräte nach unten. Im Normalbetrieb ist der Randspurton akzeptabel, im Langspielbetrieb kaum zu genießen. Im Extended-Longplay verdient das Ergebnis die Bezeichnung Klang nicht mehr. Wenigstens versteht man den Nachrichtensprecher noch. Ein entscheidender Nachteil ist das in der Praxis nicht. Da spielt der Randspurton kaum eine Rolle. Keines der Geräte eignet sich für Videoschnitt. Damit ist Nachvertonen hinfällig. Eigenaufnahmen sind automatisch und Kaufvideos fast ausnahmslos mit dem qualitativ hochwertigen HiFi-Ton unterlegt.

Aufnehmen wie gehabt

Bei der Handhabung sind sich DVD- und VHS-Rekorder recht ähnlich. Der Sendersuchlauf startet nach Eingabe der Länderkennung. Die entdeckten Programme werden sortiert, die Show-View-Leitzahlen angelegt. Die meisten Geräte ordnen die Programme gleich den Programmplätzen zu. Ebenfalls Standard: Das automatische Einstellen von Datum und Uhrzeit. Stets gleich verläuft auch das Aufnehmen: Programmieren per ShowView oder VPS, Aufnehmen per Timer oder manuell – alles wie gehabt. Auch die Sofortaufnahme: Programm am Rekorder wählen, Aufnahmetaste drücken, fertig.

Wegen der kurzen Spieldauer bei Super-Bildqualität sind DVD-Rekorder nur für die Aufzeichnung kurzer Reportagen oder für einen kleinen Naturfilm gut. Am ehesten können Amateurfilmer mit dieser Beschränkung leben. Wer die Aufnahmen von seinem Digital-Camcorder ohne Qualitätsverlust archivieren will, liegt also mit DVD richtig.

Auch der unmittelbare Zugriff auf bestimmte Plattenstellen ohne lästige Umspulerei macht die DVD attraktiv. Für längere Aufnahmen gilt: entweder zwischendurch die Platte wechseln, was zwangsläufig zu einer Lücke in der Aufzeichnung führt, oder eine niedrigere Qualitätsstufe wählen.

Für spezielle DVD-Rekorder, die DVD-Ram-Rekorder von Panasonic, gibt es auch doppelseitige Scheiben. Doch solange der Rekorder, wie das geprüfte Modell, nicht nahtlos auf beide Plattenseiten zugreifen kann, bietet das keine entscheidenden Vorteile.

DVD ist nicht gleich DVD

Wenigstens spielen die getesteten DVD-Rekorder alle hierzulande gekauften DVD-Videos ab. Außerdem taugen sie für diverse CD-Formate: Audio-CD, -CD-R, -CD-RW, Video-CD, Super-Video-CD – ein schöner Zusatznutzen. Doch bei Video-DVDs, die nicht in Europa gekauft wurden, ist wie bei DVD-Playern Schluss. Sie spielen nur Scheiben mit dem in Deutschland gültigen „Regionalcode“ zwei (RC 2), RC 0 oder codefreie Platten.

Wenn selbst aufgenommene DVDs auf fremden Geräten abgespielt werden sollen, wird es spannend: Immerhin werden die Aufnahmen beider Test-Rekorder von fast allen DVD-Playern akzeptiert. Aber der Plattentausch zwischen Pioneer und Philips funktioniert nicht. Pioneer setzt auf DVD-RW, Philips auf DVD+RW. Diese Vielfalt (es gibt fünf „Standards“) geht zulasten des Käufers, der wie ehemals bei VHS, Beta und Video 2000 womöglich auf das falsche Pferd setzt. Dass inzwischen Entwicklungsmuster eines „Blue-Laser-Standards“ präsentiert werden, stärkt auch nicht gerade das Vertrauen in die aktuellen DVD-Rekorder. Die DVDs der nächsten Generation sollen in wenigen Jahren längere Spielzeiten bei hoher Qualität ermöglichen und auf allen Geräten laufen. Abwarten und beim Bandgerät bleiben, ist kein besonders fortschrittlicher, aber guter Rat.

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