Noch werden nicht allzu viele DVD-Rekorder verkauft, noch liegt VHS vorn. Leisten sie zu wenig, sind sie zu teuer? Wir haben neun geprüft, dazu drei HiFi-VHS-Rekorder.

Wer sich in Elektrogroßmärkten umsieht, stolpert fast zwangsläufig über das Riesenan­gebot an DVD-Rekordern. Markenware und Billigangebote stapeln sich palettenweise in den Geschäften, die Preise sind im Sinkflug. Ein Sonderangebot jagt das nächste. Aber noch liegen die VHS-Rekorder deutlich vorn. Rund 290 000 DVD-Re­korder wurden im vegangenen Jahr in Deutschland verkauft. Von den althergebrachten VHS-Bandre­kordern, die im Laden eher im hinteren Winkel ein Schattendasein führen, gingen fast fünfmal so viele über den Ladentisch – knapp 1,4 Millionen Stück.

Dabei ist die Bild- und Tonqualität von DVD-Rekordern super. Das bestätigt unser Test von neun Geräten zu Preisen zwischen 340 und 1 500 Euro wieder einmal deutlich – selbst die besten Bandgeräte können da nicht mithalten. Im Vergleich zur lästigen Band­um­spulerei bei VHS-Rekordern sind vor allem auch die vernachlässigbar kurzen Zugriffszeiten ein Genuss. Dennoch blieb der Durchbruch am Markt bislang aus.

Die Crux bei DVD-Rekordern

Der Grund: Die Super-Bildqualität gibt es nur für eine Aufnahmedauer von einer Stunde, mit kleinen Einschränkungen bis zu zwei Stunden. Dauert ein Spielfilm im Privatfernsehen, gestreckt durch etliche Werbepausen, länger, sinkt die Bildqualität – abhängig von der Aufnahmedauer – schnell auf VHS-Niveau, bei über vier Stunden liegt sie sogar noch darunter.

Als Langläufer haben die Bandrekorder noch ihre Stärke. S-VHS-Kassetten bieten bis zu vier Stunden Laufzeit bei gleichbleibend gutem Bild (siehe test 9/03). Für VHS mit seiner befriedigenden Qualität sind sogar Fünfstundenkassetten zu haben.

Zeitversetztes Fernsehen

Dabei taugen DVD-Rekorder nicht nur zum bloßen Aufnehmen und Wiedergeben. JVC, Panasonic und Pioneer bieten auch „zeitversetztes Fernsehen“ an. Das heißt: Eine Aufnahme kann bereits wiedergegeben werden, während die Aufnahme noch läuft, was bei Bandgeräten unmöglich ist. Wer nicht rechtzeitig seinen Fernsehkrimi sehen kann, startet die Wiedergabe einfach ein paar Minuten später. Zwischendurch eine Pause machen oder eine Szene beliebig oft wiederholen, ohne etwas zu versäumen – kein Problem. Werbepausen lassen sich im Schnelldurchgang überbrücken. Und danach steht die Aufnahme zur Verfügung, zum Überspielen oder fürs Archiv.

JVC nutzt für das zeitversetzte Fernsehen das Format DVD-Ram, das durch seine an Computerfestplatten angelehnte Struktur von Hause aus dafür geeignet ist. Pioneer hat als Erster die DVD-RW dafür tauglich gemacht. Es geht aber nur mit Platten, die wenigstens doppelt so schnell gebrannt werden können, wie die Aufnahme normalerweise dauert. Panasonic bietet gleich zwei Zwischenspeicher für zeitversetztes Fernsehen: die DVD-Ram und eine eingebaute Computerfestplatte.

Schwachpunkt Fehlerkorrektur

Zwei Drittel der getesteten DVD-Rekorder schwächeln beim Wiedergeben fehlerhafter DVDs. Im Test sollten sie Kratzer auf der Platte, eine zu schwach reflektierende zweite Lage, Fehler in der Reflektionsschicht und andere Mängel ausbügeln. Und da tat sich eine Zweiklassengesellschaft auf: LG, Panasonic und Pioneer ließen sich fast gar nicht von den Plattenfehlern beeindrucken. Da gab es mal einen kurzen Hänger oder der Ton setzte einen Moment aus – sonst passierte nichts. Alle Übrigen aber hatten hart zu kämpfen. Die Störungspalette reichte von mehr oder weniger langem oder häufigem Hängenbleiben bis zum Startverzicht oder starken Bildfehlern.

Wer sich DVDs aus der Videothek borgt, sollte auf eine gute Fehlerkorrektur des Rekorders achten. Denn dort ist öfter als sonst mit verkratzten Platten zu rechnen.

Warum Mustek „mangelhaft“ ist

Besonders schlecht arbeitet die Fehlerkorrektur des Mustek. Er schaffte es nicht, auch nur eine einzige Mängel-DVD fehlerfrei abzuspielen. Und das ist nicht die einzige Schwäche, die sich dieses Gerät leistet: Sein Betriebsgeräusch ist so laut, dass es nicht nur bei leisen Tönen stört.

Auch die Handhabung des Mustek erntete bei unseren Testingenieuren Kopfschütteln. Die Grundeinstellung des Empfangsteils bedient sich einer Technik, die selbst Fachleute verwirrt. Und wer die programmierten Fernsehsender abrufen will, muss sich mit kryptischen Kanalnummern herumschlagen, deren Ordnung kaum zu durchschauen ist. Ähnlich schwierig gestaltet sich die Programmierung der Aufnahme per Timer.

Recht einfach lassen sich DVD-Rekorder per „EPG“, das ist der elektronische Programmführer, bedienen. EPG aufrufen, Sendung anklicken – fertig. Beim Philips geht das im Prinzip genauso, mit einem Haken: Sein EPG funktioniert nur, wenn das Gerät „Eurosport“ empfangen kann. Das rührt daher, dass Philips sein EPG über diesen Sender verbreiten lässt. Wer ihn nicht empfängt, hat auch kein EPG und letztlich auch kein Showview – so einfach und so ärgerlich ist das.

Viele Standards, nur wenig Ärger

Ein Grund, der bislang viele Interessenten vom Kauf eines DVD-Rekorders abgehalten hat, sind die unterschiedlichen DVD-Aufnahmestandards: +R, +RW, –R, –RW (R heißt recordable, bespielbar; RW rewritable, mehrfach überspielbar). Doch die haben mittlerweile ihren Schrecken verloren. Die aktuellen Modelle zeichnen zwar meist entweder nach „Plus“- oder „Minus“-Standard auf, spielen aber auch das jeweils andere Format ab. Probleme gibt es nur dann, wenn jemand eine teilweise bespielte Platte auf einem anderen Rekorder vervollständigen will. Das klappt nur bei gleichem Standard.

Das dritte System, DVD-Ram (Random Access Memory), ist da ein wenig außen vor. Solche Rekorder verarbeiten zwar meist auch noch mindestens DVD–R, oder –RW, doch der Marktanteil der Ram-Geräte, auch der der Spieler, ist verschwindend gering. Die Plus- oder Minus-Geräte können wiederum mit Ram-Platten nichts anfangen. Wer also seine Aufnahmen nicht nur für den eigenen Gebrauch produziert, sollte tunlichst ein anderes Aufnahmeverfahren wählen. Nur so wird die Voraussetzung erfüllt, dass jedes andere DVD-Gerät diese Scheiben auch spielen kann.

Dabei hat DVD-Ram neben dem zeitversetzten Fernsehen noch einen Vorteil: Es ist das einzige System, das Lücken, die durch Löschen von Aufnahmen entstanden sind, dem übrigen freien Speicherplatz zuschlagen kann. Die anderen Rekorder können diese Leerstellen zwar auch füllen, diesen Platz aber nicht anderen freien Stellen auf der Platte zufügen.

Ob es nun sinnvoll ist, dass alle DVD-Rekorder und -Player alle selbstgebrannten DVDs aller Formate klaglos spielen, ist indes fraglich. Besser wäre ein einheitlicher Standard für alle Geräte. Doch der ist bislang nicht in Sicht.

Nicht einmal für die Zukunft ziehen die Geräteanbieter sinnbildlich an einem Strang. Als DVD-Nachfolger gibt es in Japan bereits die „Blue Ray“-DVD. Die HD-DVD steht in den Startlöchern. Und die beiden Systeme sind nicht kompatibel.

Unterm Strich

Seit dem letzten Test sind DVD-Rekorder billiger und durch die verbesserte Kompatibilität auch interessanter geworden. Aber durch die auf eine Stunde begrenzte Aufnahmedauer bei höchster Bildqualität lohnen sie sich eigentlich nur für diejenigen, die hochwertiges Filmmaterial auf Platte archivieren wollen, zum Beispiel vom Digitalcamcorder. Das Filmmaterial sollte aber bereits fertig geschnitten sein, denn Videoschnitt ist mit einem DVD-Rekorder nicht drin, vom simplen Aneinanderhängen von Szenen abgesehen.

Da wundern die Prognosen der Geräteanbieter kaum: Selbst die gehen davon aus, dass auch im laufenden Jahr deutlich mehr Band- als Plattenrekorder verkauft werden. Erst im übernächsten Jahr rechnen sie mit höheren Verkaufszahlen. Doch, so munkeln Fachleute, kosten DVD-Rekorder dann auch kaum mehr als VHS-Bandgeräte heute.

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