Video­chat-Programme im Test

Daten­schutz: Fast alle Programme abge­wertet

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Im Test von Videochat-Programmen stießen wir auf zahlreiche juristische Mängel, auf unver­schlüsselte Daten, aber auch klare Verbesserungen.

Video­chat-Programme im Test Testergebnisse für 12 Video­chat-Pro­gramme

Boris Johnson kann aufatmen

Der britische Premier­minister konferierte Ende März über den Dienst Zoom mit seinem Kabinett. Ausgerechnet Zoom fiel damals mit massiven Sicher­heits­lücken auf: Einigen Nutzern war es gelungen, in die Chat­räume Fremder einzudringen. Der Test von Video­chat-Programmen der Stiftung Warentest zeigt nun aber, dass Zoom Sicher­heits­lücken gestopft hat. Ebenfalls erfreulich: Im Prüf­punkt Daten­spar­samkeit der mobilen Apps schneiden alle Produkte mindestens gut ab – hervorzuheben ist hier Jitsi, das die voll­ständige Nutzung sämtlicher Funk­tionen ganz ohne Registrierung ermöglicht. Dennoch mussten wir elf der zwölf Programme wegen Daten­schutz-Defiziten abwerten.

Was interes­siert uns die DSGVO?

Bis auf Blizz und Mikogo haben alle Anbieter sehr deutliche Mängel in ihren Daten­schutz­erklärungen. Bitrix bietet seine Erklärung nur auf Eng­lisch an. Bei Jitsi ist das ebenso der Fall – zudem ist die Erklärung auf der Website nur schwer zu finden. Die Texte der weiteren Anbieter lassen keine ernst­hafte Befassung mit der europäischen Daten­schutz­grund­ver­ordnung (DSGVO) erkennen. Die Dokumente von Google und Microsoft sind außerdem unzu­mutbar lang.

Daten­schutz­texte als Rätsel­spiel

Die Daten­schutz­erklärungen von Blizz und Mikogo haben wir zwar nicht abge­wertet. Blizz­sauber war die Lage aber auch bei Blizz nicht: Der Anbieter liefert gleich sieben Daten­schutz­erklärungen – der Nutzer muss selbst rausfinden, dass er die Variante mit dem Namen „Produkt“ braucht. Falls er auch die mobile Blizz-App verwendet, kommt die „Apps“-Erklärung hinzu. Beide zusammen sind fast genauso lang wie die Google-Erklärung. Auch Mikogos Text ist ähnlich lang wie der von Google.

Unver­schlüsselte Daten bei Mikogo

Der Tabellen­letzte patzt bei der Daten­sicherheit: Mikogo verschlüsselt den Namen und das Pass­wort für Chaträume nicht immer. Wer solche Daten abgreift, kann Chat­inhalte anderer Nutzer ausspionieren. Zudem gestattet Mikogo Pass­wörter mit nur einem Zeichen – das ist viel zu unsicher. Auch das „Ausreichend“ im Prüf­punkt “Daten­sicherheit“ bei Bitrix, Discord und Slack liegt unter anderem an zu kurzen Pass­wörtern: Diese Dienste erlauben Kenn­wörter mit nur sechs Zeichen.

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Profilbild Stiftung_Warentest am 19.04.2021 um 09:49 Uhr
Hin­ter­grund unscharf dar­stell­bar

@Gironese: Das ist eine Einstellung, die von der Version und der Laufzeitumgebung der Software abhängt. Zumindest bei der Desktop-Anwendung sollte es eigentlich gehen. Siehe zum Beispiel auch:
www.techrepublic.com/article/how-to-blur-your-background-in-a-zoom-call/
(DB)

Gironese am 16.04.2021 um 16:06 Uhr

Kommentar vom Autor gelöscht.

FrederickTree am 27.07.2020 um 10:37 Uhr
Feedback und Tipp

Sehr guter Artikel mit guten Information. Da gerade Corona so verbreitet ist, hat unsere Firma auch zum Online Meetings gewechselt. Wir nutzen bei uns das Programm citomeeting.de, da es aus Deutschland kommt.

Freie-Messenger am 19.07.2020 um 14:14 Uhr
"Jitsi Meet" statt "Jitsi"

Leider wird im Test "Jitsi" und nicht "Jitsi Meet" als Begriff verwendet - dabei ist das Programm "Jitsi" ein quelloffener Messenger, der seit 2017 keine Aktualisierung mehr erfahren hat bzw. ein Sammelbegriff (Quellen: https://github.com/jitsi/jitsi/releases/latest bzw. https://jitsi.org/user-faq ).
Richtigerweise sollte deshalb die Bezeichnung "Jitsi Meet" verwendet werden. Konferenzen über Jitsi Meet können ganz einfach im Browser oder per eigener App aufgerufen werden kann. Es ist viel einfacher und übersichtlicher als der (veraltete) Messenger "Jitsi".
(Anmerkung: Als Messenger statt dessen besser einen aktuellen und anbieterunabhängigen, freien Messenger verwenden.)
Ergänzend könnten bei künftigen Vergleichen auch noch die ebenfalls freien und quelloffenen Systeme "BigBlueButton (BBB)" und "Nextcloud Talk" mit aufgenommen werden. Für beide gibt es öffentlich nutzbare Instanzen bzw. können sogar im "Eigenhosting" selbst betrieben werden.

Profilbild Stiftung_Warentest am 07.07.2020 um 12:43 Uhr
Sonderfall Mikogo

@bodyboard75: Mikogo ist kein Videochat-Programm. Sehen wir auch so. Oben im Inhaltsverzeichnis finden Sie unsere Darstellung des Sonderfalls Mikogo.
Auch mit Cisco, TeamViewer und Zoom können Webinare durchgeführt werden. Und bei Teams und Skype können entsprechende Funktionen ebenfalls eingebunden werden. (Bu)