Verwirrung um Kirchen­steuer Meldung

Felix Genn, Bischof von Münster: Ein Grund für die Kirchen­austritte ist, dass viele glaubten, „es handele sich um eine neue Steuer“.

Kirchen­mitglieder zahlen auf Kapital­erträge seit Januar 2015 auto­matisch Kirchen­steuer. Viele sind vorher ausgetreten. Die Steuer­experten von Finanztest erklären, was Kirchen­mitglieder wirk­lich zahlen müssen.

Zahlreiche Austritte wegen Steuer

Hundert­tausende sind im vergangenen Jahr aus der evangelischen und der katho­lischen Kirche ausgetreten – so viele wie noch nie zuvor. Ein Grund für die große Zahl der Austritte war die Verwirrung um die Kirchen­steuer auf Kapital­erträge, nachdem die Geld­institute ihren Kunden mitgeteilt hatten, dass sie ab 2015 die Steuer auto­matisch einbehalten. Die Kirchen­steuer auf Kapital­erträge ist aber keine neue Steuer, sondern – nach Abzug des Sparerpausch­betrags von 801 Euro – schon immer fällig. Neu ist nur der auto­matische Abzug.

So hoch ist die Abgeltung­steuer

Anleger, die nicht in der Kirche sind, zahlen auf Kapital­erträge inklusive Solidaritäts­zuschlag 26,38 Prozent Abgeltung­steuer. Kirchen­mitglieder aus Bayern und Baden-Württem­berg zahlen mit Kirchen­steuer insgesamt 27,82 Prozent (8 Prozent Kirchen­steu­ersatz), Kirchen­mitglieder im übrigen Bundes­gebiet 27,99 Prozent (9 Prozent Kirchen­steu­ersatz). Bei Paaren mit gemein­samem Konto werden jedem Partner die Kapital­erträge je zur Hälfte zuge­rechnet. Ist nur ein Partner in der Kirche, kann die Bank nur auf den halben Ertrag Kirchen­steuer abführen.

Dem auto­matischen Abzug wider­sprechen

Dem auto­matischen Abzug können Kirchen­mitglieder wider­sprechen und jedes Jahr bis zum 30. Juni einen Sperr­vermerk beantragen (Formulare-bfinv.de, „Erklärung zum Sperr­vermerk“). Das Bundes­zentral­amt für Steuern gibt dann keine Daten über die Religions­zugehörig­keit heraus und die Bank führt die Kirchen­steuer nicht ab. In diesem Fall müssen Kirchen­mitglieder ihre Kapital­erträge aber in der Anlage KAP abrechnen und die Kirchen­steuer über die Steuererklärung begleichen.

Tipp: Kapital­erträge bis 801 Euro Sparerpausch­betrag im Jahr sind steuerfrei, 1 602 Euro für Ehe- und gesetzliche Lebens­partner.

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