Verträge kündigen für Verstorbene: Wie schnell Erben reagieren müssen

Wo war der Verstorbene versichert? Zahlte er für laufende Kredite? In seinen Unterlagen finden Hinterbliebene Hinweise.

Erben treten mit dem Tod eines Angehörigen auch in dessen Verträge ein. Manche enden auto­matisch. Die meisten müssen gekündigt werden.

Unser Rat

Über­blick. Haben Sie einen Angehörigen verloren und müssen sich um den Nach­lass kümmern? Verschaffen Sie sich einen Über­blick über seine Verträge. Die meisten gehen im Todes­fall auf Erben über: Checkliste.

Konto­auszüge. Informationen zu Verträgen finden Sie auf den Konto­auszügen des Verstorbenen. Anhand der Umsätze können Sie zum Beispiel Rück­schlüsse auf Versicherungen ziehen, für die Beiträge abge­bucht wurden, und auf laufende Kredite. Daten zu Aktien, Anleihen und sons­tigen Wert­papieren finden Sie in Depot­auszügen.

Entscheiden. Wollen Sie nicht für über­flüssige Verträge zahlen, sollten Sie möglichst schnell kündigen. Auch Einzugs­ermächtigungen sollten Sie widerrufen.

Ster­beurkunde. Informieren Sie den Vertrags­partner über den Todes­fall und teilen Sie ihm mit, dass Sie Erbe geworden sind. Für Kündigungen wird eine Ster­beurkunde benötigt. Diese beantragt meist der Bestatter beim Standes­amt.

Mit dem Tod eines Menschen geht sein Vermögen als Ganzes sofort auf seinen Erben über. Dieser wird Rechts­nach­folger des Verstorbenen, ohne dass er etwas dafür tun muss. Was Juristen Gesamt­rechts­nach­folge nennen, hat weitreichende Konsequenzen. Wer erbt, über­nimmt alles: Immobilien, Barvermögen, Verträge und Schulden.

Der Erbe tritt in die recht­lichen Fußstapfen eines Verstorbenen. Zum Nach­lass gehören auch Versicherungen, Energieverträge, Internet­anschluss und Zeitungs­abos. Anders als vielleicht gedacht, endet nicht jeder Vertrag auto­matisch. Wir sagen, was zu tun ist und welchen Vertrag Angehörige wie beenden.

Nicht zögern bei Lebens­versicherung

Nach einem Todes­fall stehen Erben meist unter Schock und haben anderes im Kopf als den Miet­vertrag des Verstorbenen (Grafik Wer bekommt die Wohnung, wenn der Mieter stirbt?) oder seine Hand­yrechnung.

Und doch ist es wichtig, Prioritäten zu setzen. Denn bei zwei Verträgen ist wirk­lich Eile angesagt: Hatte der Verstorbene eine Lebens- oder Ster­begeld­versicherung, haben Angehörige 24 bis 72 Stunden Zeit, den Tod des Versicherungs­nehmers zu melden, zum Beispiel per E-Mail oder Fax an das Unternehmen.

Nur 48 Stunden lassen Unfall­versicherer den Hinterbliebenen Zeit. Ist der Verstorbene bei einem Unfall ums Leben gekommen, wird das Unternehmen die Umstände des Unfalls unter­suchen und, wenn es erforderlich ist, eine Obduktion durch­führen.

Einige Versicherer geben keine genauen Fristen vor. Angehörige sollten dennoch nicht allzu lange zögern und sich sofort melden. Tun sie das nicht, kann es passieren, dass die Versicherung die Todes­fall­summe nicht zahlt.

Höchst­persönliche Verträge enden

Dem Erben stehen zwei Wege offen, mit den Verträgen des Verstorbenen umzu­gehen: Entweder er über­nimmt sie oder er kündigt sie.

Es gibt aber eine Ausnahme vom Grund­satz der Gesamt­rechts­nach­folge. „Höchst­persönliche Rechts­geschäfte“ erlöschen mit dem Tod. Eine Mitgliedschaft im Verein etwa endet, wenn das Mitglied stirbt.

Ein anderes Beispiel ist der Arbeits­vertrag. Der Arbeitnehmer hat die Pflicht zur persönlichen Arbeits­leistung. Die kann der Erbe so nicht erbringen. Ähnliches gilt für die Ehe. Genau genommen ist sie eine Geschäfts­beziehung. Auch in diese kann der Erbe natürlich nicht eintreten.

Papiere sichten, Konten prüfen

Zunächst müssen sich Hinterbliebene einen Über­blick über bestehende Verträge verschaffen. Das gilt auch für Versicherungen. Möglicher­weise hat der Verstorbene einen Versicherungs­ordner hinterlassen, in dem sich alle Informationen zu seinen Policen befinden. Helfen können auch Konto­auszüge. Hatte der Verstorbene einen Versicherungs­vermittler und ist er den Angehörigen bekannt, sollten sie sich auch bei ihm erkundigen.

Sach­versicherungen kündigen

Ob Hinterbliebene Versicherungs­policen kündigen müssen, ist abhängig von der Art der Versicherung. Unterschieden wird zwischen den personenbezogenen und den sach­gebundenen Versicherungen. Personenbezogene wie Berufs­unfähigkeits- und Kranken­versicherungen enden in der Regel mit dem Tod. Eine Kündigung ist nicht nötig. Anders ist es bei sach­gebundenen Versicherungen. Dazu gehören zum Beispiel Wohn­gebäude-, Auto- und Hausrat­versicherung. Sie bleiben zunächst bestehen.

Beispiel: Über­nimmt ein Erbe die Wohnung des Verstorbenen mitsamt der Einrichtung, ist der Hausrat weiterhin versichert. Ein außer­ordentliches Kündigungs­recht gibt es in diesem Fall nicht, sondern nur dann, wenn der Erbe bereits selbst eine Hausrat­versicherung besitzt. Doppelt versichern muss er sich nicht. Ersetzt der Erbe den Hausrat oder nutzt er die Wohnung nicht weiter, endet der Versicherungs­vertrag zwei Monate nach dem Tod des Versicherungs­nehmers.

Dasselbe gilt für die Privathaft­pflicht. Ist nur der Tote dort versichert, zahlt die Versicherung bezahlte Beträge zurück. Sind weitere Personen mitversichert, können diese den Vertrag über­nehmen.

Versicherer brauchen Nach­weise

In jedem Fall benötigen Versicherungs­unternehmen eine Reihe von Unterlagen. Nachdem Hinterbliebene den Todes­fall gemeldet haben, müssen sie in der Regel den Versicherungs­schein im Original einreichen. Für ihre eigenen Unterlagen sollten sie eine Kopie machen. Außerdem erwarten Versicherungen in der Regel eine Kopie der Ster­beurkunde. Je nach Vertrags­werk möchten Lebens­versicherer darüber hinaus ein ärzt­liches oder amtliches Zeugnis über die Todes­ursache und die Geburts­urkunde haben.

Firmen reagieren bei Todes­fall kulant

Über­nehmen weder Mitbewohner noch Erben die Wohnung des Verstorbenen (Grafik Wer bekommt die Wohnung, wenn der Mieter stirbt?), enden auch die Energieverträge mit Strom- und Gasversorgern. Erben müssen sie aber kündigen.

Bei anderen Dauer­schuld­verhält­nissen, etwa Zeitungs­abos oder Monats­karten, gelten grund­sätzlich die im jeweiligen Vertrag vereinbarten Lauf­zeiten. Manchmal finden sich im Klein­gedruckten Sonder­regelungen für den Todes­fall. Auch wenn kein Sonderkündigungs­recht besteht, entlassen viele Unternehmen Erben aus Kulanz früher aus dem Vertrags­verhältnis. Es ist aber möglich, dass der Vertrags­partner dafür eine Entschädigung von den Hinterbliebenen will.

Wir empfehlen, nicht mehr benötigte Verträge „mit sofortiger Wirkung, hilfs­weise zum nächst­möglichen Termin“ zu kündigen. So endet der Vertrag spätestens zum Ende der vereinbarten Lauf­zeit und verlängert sich nicht auch noch auto­matisch.

Oft reicht die Ster­beurkunde

Ob Hausrat­versicherung oder Gasvertrag – oft ist es ausreichend, dem Vertrags­partner den Todes­fall schriftlich anzu­zeigen und eine Kopie der Ster­beurkunde beizulegen. Gleich­zeitig sollte der Erbe erklären, dass er Erbe ist und die Rechts­nach­folge angetreten hat.

Bei bestimmten Nach­lass­geschäften aber ist ein Erbschein notwendig. Erbt ein Hinterbliebener zum Beispiel ein Grund­stück, muss er im Grund­buch als neuer Eigentümer einge­tragen werden. Dafür muss er in der Regel einen Erbschein vom Nach­lass­gericht anfordern. Die Kosten dafür richten sich nach der Höhe des Nach­lasses. Bei einem Nach­lass von 250 000 Euro kommt ein Erbe schon auf Kosten von 1 070 Euro. Nur wenn ein notarielles Testament vorliegt, ist ein Erbschein meist nicht erforderlich. 

Wie Erben ans Geld kommen

Auch beim Nach­lass rund ums Konto kann ein Erbschein wichtig sein. Hinterbliebene ohne Bank­voll­macht des Verstorbenen können über seine Konten erst verfügen, wenn sie nach­weisen, dass sie Erben sind. Das geht mit einem beglaubigten Testament, einem Erbvertrag oder einem Erbschein. So urteilte der Bundes­gerichts­hof (Az. XI ZR 311/04). Es genügt sogar ein hand­schriftliches Testament mit dem Eröff­nungs­vermerk des Nach­lass­gerichts (Az. XI ZR 440/15).

Besteht die Bank dennoch auf einem Erbschein, hat sie den Erben die Kosten dafür zu ersetzen. Nur bei konkret begründeten Zweifeln an der Richtig­keit des Testaments dürfen Banken und Sparkassen einen Erbschein verlangen.

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