Verträge kündigen für Verstorbene Special

Ordner checken. Zum Erbe gehören auch finanzielle Pflichten des Verstorbenen.

Auto­versicherung, Zeitungs­abo, Handy­vertrag: Viele Verpflichtungen laufen weiter, selbst wenn der Unterzeichner stirbt. Erben müssen dann schnell reagieren. Binnen weniger Tage gilt es nicht nur, Ämter zu informieren und die Bestattung zu organisieren. Oft erwartet Hinterbliebene auch jede Menge Schreibkram mit Versicherern, Banken und sons­tigen Vertrags­part­nern des Verstorbenen. Unsere Über­sicht zeigt, wo Erben besonders schnell sein sollten – und welche Verträge Aufschub vertragen.

Wann Eile geboten ist

Laut Gesetz geht das Vermögen des Verstorbenen auf die Erben über – samt aller Rechte und Pflichten. Wer nicht für über­flüssige Abos, Mitgliedschaften oder Versicherungen zahlen will, sollte möglichst zeit­nah mit der Arbeit beginnen. Besondere Eile ist geboten, wenn der Tod eine Versicherungs­leistung auslöst, etwa bei Lebens- oder Ster­begeld­policen.

Versicherungen: Die Zeit drängt

Verträge kündigen für Verstorbene Special

Nach­weis. Lebens­versicherer wollen eine Ster­beurkunde sehen, bevor sie auszahlen.

So wirkt sich der Tod eines Versicherungs­nehmers auf seine unterschiedlichen Verträge aus:

  • Lebens­policen. Hinterbliebene beziehungs­weise Erben oder Berechtigte aus der Police müssen den Versicherer „unver­züglich“ über den Tod des Versicherungs­nehmers informieren, also „ohne schuldhaftes Zögern“. Je schneller der Versicherer Bescheid weiß, desto besser. Verzögerungen ohne plausiblen Grund können dazu führen, dass der Versicherer die Leistung verweigert. Dann müssen die Begüns­tigten ihrem Geld oft lange hinterher­laufen oder schlimms­tenfalls verzichten. Eile ist geboten, weil der Versicherer rasch die Todes­ursache erfahren will. Vielleicht will er eine Obduktion durch­führen lassen. Die Melde­frist läuft ab dem Moment, in dem der Berechtigte vom Trauerfall und dem Versicherungs­vertrag erfährt. Wichtig: Damit Begüns­tigte die vereinbarte Summe erhalten, müssen sie bei der Gesell­schaft Versicherungs­schein, Sterbe- und Geburts­urkunde des Erblassers und ein amts­ärzt­liches Zeugnis zur Todes­ursache vorlegen.
  • Ster­begeld­versicherung. Hier gilt Ähnliches wie bei der Lebens­versicherung.
  • Unfall­schutz. Starb der Erblasser bei einem Unfall, ist der Versicherer unver­züglich, möglichst inner­halb von 48 Stunden, zu informieren. Das gilt für einen in einer Lebens­versicherung zusätzlich vereinbarten Unfall­schutz, der die Todes­fall­leistung erhöht. Es gilt auch für eine Unfall­versicherung, wenn Begüns­tigte eine dort vereinbarte Todes­fall­summe in Anspruch nehmen wollen. Der Versicherer verlangt üblicher­weise alle Unterlagen zum Unfall­hergang und behält sich eine Obduktion des Verstorbenen vor.
  • Kranken­versicherung. Ein Vertrag mit einem privaten Kranken­versicherer erlischt mit dem Tod des Kunden. Über­zahlte Beiträge werden erstattet. Sind Familien­mitglieder des Verstorbenen privat mitversichert, können sie selbst Versicherungs­nehmer werden. Sie müssen das der Gesell­schaft inner­halb von zwei Monaten nach dem Erbfall erklären. Auch Familien­versicherte in der gesetzlichen Kasse müssen nach dem Tod des Haupt­versicherten ihre Kasse kontaktieren, um ihren neuen Status und – gegebenenfalls – die neuen Beiträge zu klären.
  • Gebäude­versicherung. Sie endet nicht auto­matisch mit dem Tod des Unterzeichners. Das ist sinn­voll, wenn andere Familien­angehörige in der Immobilie wohnen bleiben – und auch dann, wenn das Haus erst einmal leer steht. In diesem Fall muss der Versicherer vom Leerstand erfahren. „Dieser Informations­pflicht sollten Erben unbe­dingt nach­kommen“, rät Bernd Schmalenbach, Fach­anwalt für Erbrecht in Sindelfingen. Die Gesell­schaft wird zwar den Beitrag erhöhen, denn in unbe­wohnten Häusern besteht die Gefahr, dass Schäden lange unbe­merkt bleiben und höhere Kosten verursachen. Wer das Zusatz­risiko aber verschweigt, riskiert, im Ernst­fall keine Leistung zu erhalten.
  • Hausrat­schutz. Eine Hausrat­versicherung endet zwei Monate nach dem Tod des Versicherungs­nehmers, sofern kein Erbe die Wohnung über­nimmt. Wenn doch, kann er den Vertrag fortführen. Informiert werden muss der Versicherer in jedem Fall.
  • Auto­versicherung. Haft­pflicht- und Kaskopolice eines Verstorbenen gehen auf die Erben über. Sie haben kein außer­ordentliches Kündigungs­recht. Verkaufen sie das Auto, endet der Vertrag. Bereits gezahlte Beiträge werden den Erben erstattet.
  • Haft­pflicht­policen. Hier ist zu unterscheiden. Einzel­verträge enden mit dem Tod des Versicherten; die Gesell­schaft erstattet zu viel gezahlte Beiträge. Waren Angehörige mitversichert, bleibt der Vertrag bis zur nächsten Fälligkeit bestehen. Zahlt ein Angehöriger den Folgebeitrag, wird er damit Versicherungs­nehmer.

Miet­vertrag: Vielfältige Optionen

Miet­verträge für private Wohn­räume enden nicht auto­matisch, wenn der Mieter stirbt. Nach allgemeinen Regeln gehen sie auf den oder die Erben über. Vorrangig sind jedoch Rechte von Personen, die mit dem Verstorbenen zusammen­gelebt haben – selbst wenn sie nicht die Erben sind. „Das Miet­verhältnis wird also außer­halb und unabhängig von der Erbfolge so fortgesetzt, wie es zwischen Vermieter und verstorbenem Mieter bestand“, sagt Jurist Schmalenbach. „Erst wenn alle Mitbewohner dem Vermieter mitteilen, dass sie nicht in der Wohnung bleiben wollen, kommen die Erben zum Zug und setzen das Miet­verhältnis fort.“ Wichtig: Das Erbrecht ändert nichts am Kündigungs­recht. Sowohl Erben als auch Vermieter können einen Monat lang über­legen, ob sie den Vertrag mit einer Frist von drei Monaten zum Monats­ende beenden wollen.

Darlehen: Strenge Vorgaben

Erben eines Kredit­vertrags haben kein Sonderkündigungs­recht. Sie müssen die Raten bedienen wie der Verstorbene. Kündigen sie, müssen sie meist eine Vorfälligkeits­entschädigung zahlen. Auch Banken dürfen nicht verlangen, dass Erben Darlehen vorzeitig zurück­zahlen. Denk­bar ist aber die Kündigung aus wichtigem Grund – etwa, wenn der Erbe privat­insolvent ist.

Abos und Co: Fristen wahren

Verträge, die sich in regel­mäßigen Abständen verlängern, etwa mit einem Mobil­funkanbieter, gehen eins zu eins auf die Erben über. Sonderkündigungs­rechte bestehen nicht. Dennoch ist es ratsam, solche Verträge, so gewünscht, „mit sofortiger Wirkung, hilfs­weise zum nächst­möglichen Termin“ zu kündigen. „Viele Anbieter entlassen Erben aus Kulanz­gründen bereits vor Ende der eigentlichen Lauf­zeit“, so Schmalenbach.

Mitgliedschaften: Schnelle Lösung

Egal ob im Karnevals­ver­ein oder im Kegelklub – Mitgliedschaften sind an die Person gebunden und enden mit deren Tod. Der Verein muss darüber nur informiert werden. Etwas anderes gilt bei einer Mitgliedschaft im Fitness­studio: Sie kann der Erbe über­nehmen. Will er das nicht, hat er ein außer­ordentliches Kündigungs­recht.

Arbeits­vertrag: Klare Regeln

Der Tod des Arbeitnehmers beendet das Arbeits­verhältnis. Offenes Gehalt muss der Chef den Erben auszahlen. Gleiches gilt für bereits entstandene Abfindungs­ansprüche – etwa auf Basis eines gericht­lichen Vergleichs oder eines Aufhebungs­vertrags.

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