Verspätungen im Bahn­verkehr Meldung

Nicht genug Mitarbeiter für manches Stell­werk, Engpässe bei der Wartung, Bauarbeiten an den Gleisen: Immer wieder gibt es Verspätungen bei der Deutschen Bahn oder es fallen Züge aus. Doch Fahr­gäste haben auch Rechte. Auf Verpflegung, Entschädigung und unter Umständen sogar auf Geld fürs Taxi. test.de erklärt, was Bahnfahrern wann zusteht.

Viele Pendler betroffen

Kleiner Auszug aus den Bahn-Mitteilungen der letzten Tage: „Der Halb­stundentakt auf der Strecke Mainz–Alzey, der als RE und RB gefahren wird, wird durch einen Stundentakt als RB mit Halt an allen Stationen ersetzt.“ Bis Ende August gilt das. Vor­erst. Allein das bedeutet: Tausende Pendler in Rhein­land-Pfalz müssen früher aufstehen oder kommen später zur Arbeit.

Klare Regeln

Schwacher Trost: Fahr­gäste haben bei Zugausfällen und Verspätungen das Recht, auf andere Züge umzu­steigen. Sie haben Anspruch auf der Verzögerung angemessene Verpflegung, auf finanzielle Entschädigung und dürfen unter bestimmten Umständen auch mit dem Taxi fahren. Im Einzelnen gilt:

  • Umsteigen. Wenn der geplante Zug ausfällt oder sich die Ankunft am Zielbahnhof nach Lage der Dinge um mehr als 20 Minuten verzögert, dürfen Bahnpassagiere auf andere Züge umsteigen – auch wenn die teurer sind. Nur Nacht­züge und ICE-Sprinter sind tabu. Sie sind reser­vierungs­pflichtig.
  • Kassieren. Ab 60 Minuten Verspätung hat die Bahn ein Viertel und ab 120 Minuten die Hälfte des Fahr­preises zu erstatten. Wer laut Plan zwischen 0 und 5 Uhr oder mit dem letzten Zug ans Ziel kommen wollte, darf auch auf Kosten der Bahn für bis zu 80 Euro Taxi fahren, wenn die Bahn selbst keine Alternative anbietet.
  • Zeitfahr­karten. Auch Inhaber von Zeitfahr­karten und Tickets für den Nahverkehr haben Anspruch auf Entschädigung. Ab 60 Minuten Verspätung erhalten sie bei 2.-Klasse-Fahrten 1,50 Euro und in der 1. Klasse 2,25 Euro. Voraus­setzung: Sie haben genug Verspätungen gesammelt. Entschädigung bis 4 Euro zahlt die Bahn nicht aus. Im Fern­verkehr gilt: In der 2. Klasse gibt es 5 und in der 1. Klasse 7,50 Euro Entschädigung je Verspätung. Inhaber der Bahncard 100 erhalten 10 (2. Klasse) oder 15 Euro (1. Klasse). Tipp: Notieren Sie alle Verspätungen ab einer Stunde: Datum, Zugnummer, geplante und tatsäch­liche Ankunft. Ob Sie Entschädigung später wirk­lich beantragen oder nicht, können Sie sich immer noch über­legen.
  • Formulare. Formulare für Anträge auf Entschädigungen und Ersatz von Taxi-Kosten gibt’s im Zug, an Bahnhöfen oder unter www.fahrgastrechte.info.
  • Streit. Weigert sich die Bahn, Fahr­gast­rechte zu gewähren, können Fahr­gäste sich beim Eisenbahnbundesamt oder bei der Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr beschweren.

Keine Haftung für höhere Gewalt

Die Bahn muss nicht zahlen, wenn höhere Gewalt (z.B. Unwetter, Natur­katastrophen) oder Dritt­verschulden (z.B. Verkehrs­unfälle, Kabel­diebstahl, Sabotage) Ursache für Verspätungen sind. Für Verzögerungen wegen Gleisbau­arbeiten und Reparaturen gilt: Maßgeblich ist der Fahr­plan, der bei Kauf des Tickets gilt. Wenn sich danach die Fahr­zeiten ändern, haftet die Bahn. Hat sie den Fahr­plan wegen der Arbeiten vor Ticketkauf geändert, gelten die geänderten Fahr­zeiten. Das gilt auch für Inhaber von Dauer­karten. Außerdem können Inhaber von Dauer­karten ihr Ticket jeder­zeit kündigen, wenn „ihr“ Zug auf einmal nicht mehr oder anders fährt.

Mehr zum Thema: Pünktlichkeitstest der Stiftung Warentest aus dem Jahr 2011

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