Viele Freiberufler sind für den Ruhe­stand gut über ein Versorgungs­werk abge­sichert. Doch auch ihre Renten werden sinken.

Als der Stadt­planer Claus Hofmann einen neuen Job in Hamburg annahm, konnte er gleich auch seine Alters­vorsorge verbessern. Er wechselte zum Versorgungs­werk für Architekten in Hamburg, das dem Versorgungs­werk in Baden-Württem­berg ange­schlossen ist.

Versorgungs­werke für Freiberufler Meldung

Claus Hofmann bewertet Immobilien für ein Industrieunternehmen. Seit fünf Jahren zahlt er rund 1 000 Euro monatlich in das Versorgungs­werk der Architektenkammer Baden-Württem­berg ein. Er rechnet mit einer Rente von rund 2 200 Euro monatlich. „Aus einer früheren Alters­vorsorge ­erhalte ich weitere 650 Euro. Ich fühle mich ausreichend abge­sichert“, sagt der Stadt­planer.

Seither zahlt Hofmann dort Alters­vorsorgebeiträge von rund 1 000 Euro monatlich ein. Das Versorgungs­werk sieht für ihn eine Rentenzahlung ab dem 65. Lebens­jahr vor. Geht der 43-jährige also in 22 Jahren in den Ruhe­stand, rechnet er mit einer monatlichen Rente von rund 2 200 Euro.

„Früher habe ich acht Jahre lang fast den gleichen Betrag in das Versorgungs­werk der Architektenkammer Berlin einge­zahlt“, sagt Hofmann. Das hat ihm eine Renten­anwart­schaft von rund 650 Euro gebracht. Beim neuen Versorgungs­werk hat er schon nach fünf Jahren Einzahlung eine Anwart­schaft von rund 585 Euro aufgebaut.

„Für mich hat sich der Wechsel finanziell ­gelohnt“, findet Hofmann. „Allerdings war es kaum möglich, vorab Zahlen über die Leistungs­stärke der Versorgungs­werke zu bekommen.“

Die Versicherten können sich ihr Versorgungs­werk aber auch gar nicht aussuchen. Hofmann konnte umsatteln, weil er Wohn- und Arbeits­ort wechselte.

Besser als die gesetzliche Rente

Versorgungs­werke für Freiberufler Meldung

Wie der Stadt­planer Hofmann sorgen die meisten Architekten, Anwälte, Ärzte und Angehörigen anderer „Kammerberufe“ über ein Versorgungs­werk für den Ruhe­stand vor. Als Alters­sicherungs­system haben die Werke einen guten Ruf.

Die Durch­schnitts­renten für die rund 720 000 Mitglieder in den 89 verschiedenen Versorgungs­werke lagen in den letzten Jahren bei knapp 2 000 Euro. Sie sind fast doppelt so hoch wie die Durch­schnitts­renten in der gesetzlichen Renten­versicherung.

Das Geld der Mitglieder wird überwie­gend für ihre eigene Rente angelegt. Die ­Finanzierung enthält aber auch Umla­geele­mente wie in der gesetzlichen Renten­versicherung. Diese Mischung hat bisher gut funk­tioniert.

Anders als bei privaten Versicherungen fallen für Abschluss oder Aufstockung eines Vertrags keine Provisionen an. Zudem sind die Verwaltungs­kosten geringer.

Das Versorgungs­werk für Rechts­anwälte in Schleswig-Holstein rechnet ein Rentenbei­spiel vor: Wer 30 Jahre lang wie ein gut verdienender Angestellter regel­mäßig einzahlt und die Pflicht­abgabe entrichtet, kann mit 65 auf eine monatliche Rente von über 3 500 Euro kommen.

Unterstellt ist dabei, dass der Selbst­ständige so viel wie den maximalen Jahres­beitrag in der gesetzlichen Renten­versicherung zahlt. Dieser liegt im Jahr 2010 bei 13  134 Euro in den alten Bundes­ländern und bei 11 104,20 Euro in den neuen Bundes­ländern.

Freiberufler leben länger

Für die Zukunft rüsten sich auch die Versorgungs­werke neu. Da die Lebens­erwar­tung generell steigt, müssen sie – wie die gesetzliche Renten­versicherung und private Renten­versicherer – ihre Renten immer länger auszahlen.

Die Lebens­erwartung der Freiberufler liegt zurzeit sogar um vier Jahre höher als die der allgemeinen Bevölkerung. Dies belegt ­eine berufs­stän­dische Statistik.

Viele Versorgungs­werke haben ihre Satzungen über­arbeitet. Ihre Mitglieder müssen sich zum Beispiel auf Rentenkür­zungen einstellen, wenn sie vor dem 67. Lebens­jahr in den Ruhe­stand gehen wollen.

Manche Versorgungs­werke haben deswegen einen Generationen­faktor und alters­abhängige Verrentungs­faktoren einge­führt. Damit werden die Mitglieder, die von der steigenden Lebens­erwartung profitieren, stärker in ein generationengerechtes Finanzierungs­verfahren einbezogen.

Zins vorsorglich gesenkt

Fraglich ist zudem, ob die Rendite der Alters­vorsorge nach den Turbulenzen an den ­Finanzmärkten in den nächsten Jahren so üppig ausfallen wird wie bisher.

Beim Versorgungs­werk für Anwälte in Berlin war der Rechnungs­zins bisher mit 4 Prozent fest­gelegt. Doch das Werk hat ihn vorsorglich der aktuellen Entwick­lung angepasst und auf 2,25 Prozent gesenkt.

Der neue Zins gilt für alle Beiträge, die seit diesem Jahr einge­zahlt werden. Die Alters­rente würde demnach in Zukunft nied­riger ausfallen aus bisher. Erwirt­schaftet das Versorgungs­werk allerdings doch höhere Erträge, werden diese an die Mitglieder weiterge­geben.

Beiträge je nach Versorgungs­werk

Für eine regel­mäßige Bestands­aufnahme können Freiberufler die Renten­informa­tionen heran­ziehen, die sie jähr­lich von ihrem Versorgungs­werk bekommen. Die Höhe der Rente hängt auch vom Berufs­stand und vom Versorgungs­werk ab. Beiträge und Leistungen legen die Werke jeweils selbst in ihren Satzungen fest.

Viele Ärzte-Versorgungs­werke fordern von ihren Mitgliedern den Höchst­beitrag, den sie aus der gesetzlichen Renten­versicherung ableiten. Andere Versorgungs­werke verlangen nur einen einkommens­abhängi­gen Anteil.

Für junge Selbst­ständige, die gerade eine Kanzlei oder Praxis eröffnen, kann das von Vorteil sein. Sie müssen in der Gründungs­phase nicht auch noch viel Geld für die ­Alters­vorsorge aufbringen. Doch sie sollten regel­mäßig prüfen, wann sie mehr fürs Alter zurück­legen können.

Vorgegeben für alle Versorgungs­werke ist nur die Höhe der Beiträge für die Freiberufler, die als Angestellte arbeiten und von der Versicherungs­pflicht in der gesetzlichen Renten­versicherung befreit sind. Sie müssen immer den Beitrag zahlen, der für die gesetzliche Renten­versicherung fällig wäre. Bei einem Monats­einkommen von rund 2 635 Euro und einem Beitrags­satz von 19,9 Prozent für die gesetzliche Renten­versicherung sind das jeden Monat rund 522 Euro.

Nachteil durch Kinder­erziehung

Ob Mann oder Frau ist in den Versorgungs­werken unerheblich. Wie die gesetzliche Renten­versicherung kalkulieren sie die Rente für beide gleich.

Doch vor allem Freiberuf­lerinnen, die Kinder erziehen und vorüber­gehend aus dem Beruf aussteigen, müssen oft mit einer zu knappen Alters­rente aus dem Versor­gungs­werk rechnen. Denn sie bekommen für die Auszeit keine Leistungen.

In der gesetzlichen Renten­versicherung gibt es für die Kinder­erziehungs­zeit dagegen einen Renten­zuschlag. Seit kurzem haben die Mütter und Väter aus den freien Berufen die Möglich­keit, sich ihre Kinder­erziehungs­zeiten bei der Deutschen Renten­versicherung Bund anrechnen zu lassen. Die gesetzliche Renten­versicherung springt ein, wenn das Versorgungs­werk eine Lücke lässt.

Für jedes Kind, das ab dem 1. Januar 1992 geboren ist, werden drei Versicherungs­jahre in der gesetzlichen Renten­versicherung ange­rechnet. Für früher geborene Kinder gibt es jeweils ein Jahr.

Wer fünf Versicherungs­jahre nach­weist, hat Anspruch auf eine gesetzliche Rente. Die Erziehung von zwei Kindern bringt zum ­Beispiel schon sechs Jahre.

Wer die für die gesetzliche Rente nötige ­Versicherungs­zeit nicht erreicht, kann die Lücke füllen und die Beiträge nach­zahlen.

Fehlt zum Beispiel einer Tier­ärztin ein Beitrags­jahr, kann sie für die zwölf Monate jeweils den Mindest­beitrag von 79,60 Euro an die Rentenkasse zahlen, wenn sie das Renten­alter erreicht. Dann erhält sie dauer­haft zumindest rund 100 Euro Rente im Monat.

Beitrag aufstocken oder Rürup

Selbst­ständige können bei den meisten Versorgungs­werken freiwil­lig mehr einzahlen, um ihre Alters­rente zu verbessern. Das lohnt sich für sie vor allem deshalb, weil sie die Beiträge als Sonder­ausgaben steuerlich geltend machen können. In der Auszahlungs­phase unterliegt die Rente dann der Steuer­pflicht.

Eine Alternative für die zusätzliche Alters­vorsorge von Selbst­ständigen ist die Rürup-Rente. Die Steuer­regeln sind dieselben wie beim Versorgungs­werk. Besonders für Kammerberufler, die nur noch wenige Jahre bis zur Rente haben, kann es sich lohnen, den steuerlich geförderten Maximal­betrag von 20 000 Euro im Jahr für Singles (40 000 ­Euro für Ehepaare) mit den Einzahlungen fürs Versorgungs­werk oder für eine Rürup-Rente auszuschöpfen.

Der steuer­pflichtige Anteil ihrer Alters­rente wird nämlich geringer sein als der steuerfreie Anteil, den sie heute für ihre ­Einzahlungen bekommen. Erst ab dem Jahr 2040 ist die Alters­rente zu 100 Prozent ­steuer­pflichtig.

Riester-Rente

Selbst­ständige können in Ausnahme­fällen eine Riester-Rente abschließen. Ehepartner sind „indirekt“ förderberechtigt, wenn ihr Partner in die Rentenkasse einzahlt und riestert.

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