Viele Fehler beim Abschluss von Versicherungen sind vermeidbar. Finanztest nennt die 20 häufigsten Versicherungsfallen.

Die Deutschen geben durchschnittlich etwa 3.000 Mark im Jahr für ihre privaten Versicherungspolicen aus. Das reicht, um im Notfall gut abgesichert zu sein, sollte man meinen. Doch die Wirklichkeit sieht anders aus. Axel Kleinlein, Versicherungsexperte bei der Stiftung Warentest, berichtet: "Die Leute haben jede Menge Policen, aber die wirklich wichtigen Versicherungen fehlen oft." Verbraucherschützer schätzen, dass überhaupt nur etwa 5 bis 10 Prozent der Bevölkerung einigermaßen richtig versichert sind. Hier die Knackpunkte:

Der Kardinalfehler

1. Falsche Prioritäten.

"Die Kunden schließen eine Vollkaskoversicherung für ihr Auto ab, denken aber nicht an die eigenen Knochen", berichtet Hans Dieter Meyer, Geschäftsführer des Bundes der Versicherten. Wer gewappnet sein will, macht es anders und beginnt mit dem Versicherungsschutz bei den existenziellen Risiken. Alles andere ist dann Kür.

Ein Arbeitnehmer zum Beispiel, der auf sein Gehalt angewiesen ist, braucht in erster Linie eine Berufsunfähigkeitsversicherung. Und ein Familienvater benötigt eine Risikolebensversicherung, um seine Angehörigen im Todesfall abzusichern. Hilfe bei der Ermittlung des Versicherungsbedarfs gibt es bei den Verbraucherzentralen.

Beim Vermittler

2. Zu viel Vertrauen.

Auch Vermittler helfen bei der Auswahl der richtigen Versicherungen. Wichtig ist zu wissen: Sie verdienen vor allem am Verkauf und nicht an der Beratung.

Für die einzelnen Produkte erhalten sie unterschiedlich hohe Provisionen. Ein Makler zum Beispiel, der eine Kapital bildende Lebensversicherung vermittelt, erhält dafür nach Angaben des Bundesverbandes Deutscher Versicherungsmakler in der Regel eine Courtage zwischen 3,5 und 5 Prozent der gesamten Beitragssumme. Bei einem Vertrag über 35 Jahre mit einer Monatsprämie von 300 Mark und 4 Prozent Courtage überweist ihm die Gesellschaft also 5.040 Mark.

Für eine Haftpflichtversicherung hingegen ­ die zu den sehr wichtigen Versicherungen gehört ­ erhält er nur ein paar Mark.

Versicherungsexperte Rüdiger Falken berichtet: "Die Vertreter verkaufen natürlich diejenigen Verträge, für die sie hohe Provisionen bekommen." Beratung ohne Provisionsinteresse gibt es bei den Verbraucherzentralen und den gerichtlich zugelassenen Versicherungsberatern.

3. Vertreter füllt Antrag aus.

Der Kunde ist auf den Versicherungsschutz angewiesen ­ nicht der Vertreter. Zahlt die Versicherung am Ende nicht, hat der Kunde das Nachsehen. Deshalb: Möglichst viel selbst kontrollieren und den Antrag selbst ausfüllen. Der Versicherungsvertreter steht für Fragen zur Verfügung.

4. Kein Gesprächsprotokoll.

Der Versicherungsvertreter ist "Auge und Ohr" der Versicherungsgesellschaft. Was ein Kunde ihm sagt, zum Beispiel beim Antrag, gilt in der Regel als Mitteilung an die Gesellschaft.

Häufig können die Kunden aber nicht beweisen, dass sie ihren Vertreter zum Beispiel über Vorerkrankungen bis ins Detail aufgeklärt haben. Ein Gesprächsprotokoll, das der Vertreter unterschreiben sollte, sorgt von vornherein für Klarheit.

Auf der Homepage des Versicherungsberaters Michael Kronenberg finden Sie auch ein Formular für ein Rechenschaftsprotokoll (verbraucherschutz. wtal.de/rechenschaft.htm).

Zu teure Versicherungen

5. Kein Preisvergleich.

Während man im Supermarkt routinemäßig die Preise vergleicht, kaufen immer noch viele Verbraucher dem Vertreter einfach die Police ab, die er mitbringt. Dabei gibt es riesige Preisunterschiede. Die Stiftung Warentest veröffentlicht in Finanztest regelmäßig detaillierte Tarifvergleiche.

Hans Dieter Meyer vom Bund der Versicherten hat die Unterschiede ausgerechnet: "Bei Kapital bildenden Lebensversicherungen machen sie bald einen Mittelklassewagen aus. Und bei Unfallversicherungen haben wir Unterschiede von bis zu 400 Prozent." Möglichkeiten zum Preisvergleich bieten auch Verbraucherzentralen und freie Versicherungsmakler.

6. Leistungen nicht bekannt.

Zum Preisvergleich gehören auch die Leistungen. Was man für sein Geld bekommt, steht in den Vertragsbedingungen. Allerdings herrscht in der Branche die Unsitte, die Bedingungen dem Kunden erst zusammen mit der Police zuzuschicken. Verlangen Sie die Bedingungen vor Vertragsabschluss und vergleichen Sie sie in Ruhe mit Konkurrenzangeboten.

7. Überflüssiges Beiwerk.

Policen mit viel Zusatzschutz sind oft unnötig ­ und völlig überteuert.

Unstrittig ist, dass zum Beispiel ein gesetzlich Krankenversicherter vor einem Urlaub im Ausland eine Auslandsreise-Krankenversicherung abschließen sollte. Bei der Debeka kostet ihn das 11,90 Mark im Jahr. Für das "Service-Plus-Paket" der Elvia hingegen mit Reisekranken-, Notruf-, Gepäck-, Reiseunfall- und Reisehaftpflichtversicherung zahlt er für eine dreiwöchige Reise ins außereuropäische Ausland stattdessen 88 Mark.

Die Notruf- und die Gepäckversicherung sind in den meisten Fällen überflüssig. Eine private Haftpflicht mit Auslandsschutz und eine Absicherung für Berufsunfähigkeit ­ also auch infolge eines Unfalls ­ sollten sowieso vorhanden sein. 11,90 Mark reichen für die Reise also aus.

8. Zu viel Schutz.

Man kann nicht alles versichern. Anstatt auch noch eine Camping-, Glas-, Haustierkrankheiten-, Computervirus- und Kidnapping-Versicherung abzuschließen, sollte man schlicht etwas Geld auf die hohe Kante legen. Wenn etwas passiert, trifft es sowieso nicht alle Lebensbereiche gleichzeitig. Auf dem eigenen Konto arbeitet das Geld und wirft Zinsen ab.

9. Keine Selbstbeteiligung.

Kunden können bei den Prämien viel Geld sparen, wenn sie im Schadensfall einen Selbstbehalt akzeptieren.

Ein Beispiel: Die Europa Versicherung, die im Kfz-Vergleich in Finanztest beim Modellkunden "Geschäftsmann" mit am besten abschnitt, verlangt für eine 100-Prozent-Vollkasko-Versicherung ohne Selbstbeteiligung für einen Golf-Fahrer aus Freiburg im Breisgau 1.306,50 Mark Jahresprämie. Vereinbart der Autofahrer einen Selbstbehalt von 650 Mark in der Vollkasko und 300 Mark in der Teilkasko, zahlt er rund 36 Prozent weniger Prämie (832 Mark). Selbstbehalte können sich auch bei der Hausrat-, Haftpflicht-, Rechtsschutz- und Gebäudeversicherung lohnen.

10. Monatliche Zahlung.

Wer seine Prämien monatlich überweist, zahlt häufig mehr als bei jährlicher Zahlungsweise. Die meisten Lebensversicherer zum Beispiel verlangen 5 Prozent Aufschlag. Ein 30-jähriger Mann, der bis zur Rente monatlich 300 Mark in eine kapitalbildende Lebensversicherung bei der relativ preiswerten Cosmos Direkt investiert, hätte bei jährlicher Zahlung für die gleiche Ablaufleistung rund 6.000 Mark weniger Prämien zahlen müssen.

11. Keine Lust zum Handeln.

Viele Vermittler lassen mit sich handeln. Probieren Sie es aus! Die einfachste Methode: Zeigen Sie dem Vermittler ein preisgünstigeres Konkurrenzangebot und fragen Sie ihn dann, ob er mithalten möchte.

Auch bei den Konditionen sollten Sie nicht vorschnell klein beigeben. Wer hartnäckig bleibt, kann zum Beispiel erreichen, dass in einer Berufsunfähigkeitsversicherung ein vorgesehener Leistungsausschluss wegen Vorerkrankung doch noch zurückgenommen wird.

Pech im Unglück

12. Falsche Gesundheitsangaben.

Wer die Gesundheitsfragen von Versicherern nicht penibel genau beantwortet, riskiert seinen Versicherungsschutz. Unter Umständen zahlt ein Kunde dann jahrelang brav seine Prämie und erhält im Versicherungsfall doch kein Geld.

Versicherungsexperte Rüdiger Falken erklärt: "Die Fragen müssen bis ins Detail korrekt beantwortet werden. Sonst hat die Gesellschaft eine Chance, sich aus der Leistungspflicht zu stehlen." Wer sich nicht mehr genau erinnert, sollte sich daher von seinen Ärzten Kopien seiner Krankenblätter zuschicken lassen.

13. Frist verpasst.

Schlampigkeit nach einem Schadensfall gefährdet den gesamten Versicherungsschutz. Wer der Versicherung den Schaden nicht fristgerecht mitteilt, kann leer ausgehen.

Wie viel Zeit einem Kunden für die Meldung bleibt, steht in den Versicherungsbedingungen. In der Auto- und der privaten Haftpflichtversicherung ist zum Beispiel eine Frist von einer Woche üblich.

14. Unterversichert.

Ist die Versicherungssumme zu niedrig angesetzt, muss die Versicherung für einen Schaden nicht voll aufkommen. Auch dann nicht, wenn der Schaden weit unter der vereinbarten Versicherungssumme bleibt. Die Gesellschaft setzt dann die Versicherungssumme ins Verhältnis zum tatsächlichen Wert der versicherten Sachen und entschädigt den Kunden nur entsprechend dieses Anteils.

Unterversicherungen kommen immer wieder vor, wenn Eigenheimbesitzer anbauen, ohne dies ihrer Gebäudeversicherung mitzuteilen, oder wenn sich Familien mit den Jahren teurer einrichten und ihre Hausratversicherung nicht aufstocken.

15. Ablehnung hingenommen.

Hin und wieder lehnen Versicherungen Schadensregulierungen auch dann ab, wenn sie eigentlich zahlen müssten. Wer nach einem Blick ins Kleingedruckte der Ansicht ist, dass er durchaus Anspruch auf Schadenersatz hat, wendet sich am besten an das Bundesaufsichtsamt für das Versicherungswesen, eine Verbraucherzentrale, einen Anwalt oder einen gerichtlich zugelassenen Versicherungsberater.

16. Sofort gekündigt.

Nach einem Schaden haben Kunden ­ ebenso wie die Versicherung ­ ein außerordentliches Kündigungsrecht. Aber Vorsicht: Bei Jahresverträgen steht dem Versicherer die gesamte Jahresprämie zu, obwohl der Versicherungsschutz nach der Kündigung erlischt. Deshalb ist es besser, ordentlich zum Ende der Versicherungsperiode zu kündigen und sich dann neu zu versichern.

Unflexible Verträge

17. Zu lange Laufzeiten.

Die Vertreter verkaufen in der Sachversicherung gern Fünfjahresverträge, weil sie so höhere Provisionen kassieren können. Für die Kunden haben die lang laufenden Verträge in der Regel aber keinen Sinn: Ändert sich die persönliche Situation, kommen sie aus den Verträgen nicht heraus.

Die paar Mark Rabatt, mit denen die Gesellschaften locken, sind die lange Bindung kaum wert.

18. Kapital bildende Lebensversicherung.

Etwa jede zweite Kapitallebensversicherung wird noch während der Laufzeit gekündigt. Häufig erhalten die Betroffenen dann nicht einmal ihre Beiträge zurück ­ von einer Verzinsung ganz zu schweigen. Die Versicherungsgesellschaften rechtfertigen das damit, dass sie von den eingezahlten Prämien noch ihre Kosten abziehen müssen und ein Teil des Geldes auch für den gewährten Risikoschutz einbehalten wird.

Versicherungsberater Rüdiger Falken hält vor allem bei jungen Leuten den Misserfolg für programmiert: "Wie soll sich ein junger Mensch auf Jahrzehnte hin festlegen können? Als 25-Jähriger weiß man schließlich nicht, ob man sein Geld noch für eine Existenzgründung, eine Immobilie oder die Familie braucht." Unser Rat: flexibel bleiben. Bei einem Fondssparplan plus Risikolebensversicherung anstelle einer Kapitallebensversicherung kommen Sie jederzeit an Ihr Geld heran.

19. Private Rentenversicherung.

Wer eine private Rentenversicherung abschließt, spekuliert auf ein langes Leben. Sie lohnt sich um- so mehr, je länger die Rente gezahlt wird. Ein junger Mensch weiß aber nicht, ob er mit 65 Jahren noch so gesund ist, dass sich eine private Rentenversicherung für ihn lohnt. Deshalb spart er sein Geld besser anders an und entscheidet sich erst später. Wenn er will, kann er das Geld dann im Alter auf einen Schlag in eine private Rentenversicherung investieren und sich über die Auszahlungen freuen.

20. Private Krankenversicherung.

Die Entscheidung für eine private Krankenversicherung lässt sich nur selten rückgängig machen. Sie ist eine Entscheidung fürs Leben. Wer Kinder haben möchte, sollte es sich besonders gut überlegen, denn die Privaten kassieren für jede Person extra.

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