Versicherungsverträge Special

Viele Kunden blicken nicht durch bei Versicherungs­verträgen. Das neue Versicherungs­vertragsrecht soll für mehr Klarheit sorgen.

Anfang Januar tritt das neue Versicherungsvertragsgesetz in Kraft. Versicherungsverträge sollen dann verständlicher sein. Kunden erhalten mehr Schutz und mehr Rechte.

Ihren Versicherungsschutz lassen sich die Menschen in Deutschland viel kosten. Durchschnittlich 3 090 Euro zahlte jeder Haushalt im vergangenen Jahr für private Versicherungen. Viel Geld für einen oft falschen und überflüssigen Schutz.

Immer noch finden so unsinnige Policen wie Insassenunfallversicherungen und überteuerte Angebote wie Ausbildungs- oder Sterbegeldversicherungen Käufer. Auch eine Kapitallebensversicherung oder eine fondsgebundene Rentenversicherung ist für viele eine schlechte Wahl.

Der unerlässliche Schutz einer privaten Haftpflichtversicherung fehlt jedoch in fast 30 Prozent aller Haushalte. Gründe dafür sind oft mangelhafte Beratung, fehlende Informationen vor Vertragsabschluss und schwer zu durchschauende Bedingungen der Versicherungsprodukte.

Das neue Versicherungsvertragsgesetz (VVG), das am 1. Januar 2008 in Kraft tritt, soll dies ändern. Es soll den Kunden helfen, ihren Versicherungsschutz besser und günstiger auszuwählen. Wir stellen die Kernpunkte des neuen Gesetzes vor.

Bessere Beratung

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Der Versicherungsvertreter muss seinen Kunden künftig umfassender beraten und er muss begründen, warum er ihm eine bestimmte Versicherung empfiehlt. Seine Beratung muss der Vertreter dokumentieren. So kann der Kunde leichter Schadenersatz durchsetzen, wenn er falsch beraten wurde.

Nur wenn jemand ausdrücklich auf Beratung verzichtet, kommt der Vertreter darum herum. Der Kunde muss dann schriftlich erklären, dass er nicht beraten werden will. In dieser Erklärung muss vermerkt sein, dass er „ausdrücklich darauf hingewiesen wird“, dass es ohne Beratung schwerer sein wird, Schadenersatz durchzusetzen.

Laufende Kundenberatung

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Ab wann gilt das neue Recht?

Ab wann gilt das neue Recht?

Die Beratungspflicht der Versicherungsgesellschaft endet nicht mit dem Vertragsabschluss. Das Unternehmen muss ihr auch während des laufenden Vertragsverhältnisses nachkommen, wenn es einen Anlass für eine Nachfrage oder eine neue Beratung des Kunden gibt.

Meldet ein Kunde mit einer Hausratversicherung beispielsweise eine neue Anschrift, muss seine Versicherungsgesellschaft von sich aus mit ihm klären, ob nun eine höhere Versicherungssumme nötig ist.

Von der Beratungspflicht des VVG ausgenommen sind Direktversicherer und Versicherungsmakler. Direktversicherer müssen den Kunden allerdings „unverzüglich“, nachdem der Vertrag per Telefon oder Internet geschlossen wurde, schriftlich über den Vertragsinhalt informieren. Ein Verzicht des Kunden auf diese Information ist ausgeschlossen. So kann er sein Widerrufsrecht leichter ausüben.

Ein Versicherungsmakler, der aus den Produkten vieler Gesellschaften das für den Kunden beste Produkt auswählt, haftet schon jetzt für eine Falschberatung. Er war und bleibt Sachwalter seines Kunden und ist verpflichtet, ihn gut zu beraten.

Mehr Information vor dem Vertrag

Bereits vor der endgültigen Unterschrift unter den Vertrag muss der Kunde alle wichtigen Vertragsunterlagen einschließlich der Versicherungsbedingungen in den Händen halten. Bisher musste er erst den Vertrag unterschreiben und bekam danach Informationen und Police zugeschickt. Dieses „Policenmodell“ ist abgeschafft.

Weniger Fallen im Antrag

Der Kunde muss im Versicherungsantrag nur noch konkrete Fragen nach den Risiken beantworten, die er mitbringt. Stehen im Antrag allgemeine Fragen nach „gefahrenerhöhenden Umständen“, darf der Versicherer ihm im Schadensfall nicht vorwerfen, er habe das Risiko verschwiegen.

Ein Kunde mit einer Hausratversicherung hat zum Beispiel nicht angegeben, dass sich im Erdgeschoss des Hauses ein Restaurant befindet, also viele Menschen ein- und ausgehen. Die Versicherungsgesellschaft kann ihm nur dann vorwerfen, dass er eine erhöhte Einbruchsgefahr verschwiegen hat, wenn sie im Antrag nach Gewerbebetrieben im Haus gefragt hat.

Geld trotz grober Fahrlässigkeit

Kunden, die ihre Pflichten grob fahrlässig verletzt haben, sollen im Schadensfall nicht mehr ganz leer ausgehen. Sie bekommen wenigstens einen Teil des Schadens ersetzt (siehe „Sachversicherung“).

Mehr Zeit im Versicherungsfall

Ansprüche auf Versicherungsleistungen verjähren erst nach drei Jahren. Bisher haben viele Versicherern ihre Kunden dazu verpflichtet, Leistungsansprüche innerhalb von sechs Monaten geltend zu machen. Das ist passee.

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