Mehr Klarheit im Berufsunfähigkeitsschutz

Versicherungsverträge Special

Genauer fragen, besser erklären, aufklären – das verlangt das neue Recht Anbietern von Berufsunfähigkeitsversicherungen ab.

Im alten Versicherungsvertragsgesetz (VVG) kam die Berufsunfähigkeitsversicherung nicht vor. Eine Versicherung für den Fall, dass ein Mensch seinem Beruf wegen Dauerkrankheit nicht mehr nachgehen kann, war vor 100 Jahren unüblich. Heute ist der Berufsunfähigkeitsschutz ein wichtiger Teil in der Vorsorge für existenzbedrohende Risiken. Das neue VVG widmet diesem Zweig die sechs Paragrafen 172 bis 177.

Der Gesetzgeber hat klargestellt, was er unter Berufsunfähigkeit versteht. Berufsunfähig ist jemand, der seinen zuletzt ausgeübten Beruf ganz oder teilweise auf Dauer nicht mehr ausüben kann durch:

  • Krankheit,
  • Körperverletzung oder
  • Kräfteverfall, der nicht dem Alter entspricht.

So ähnlich steht dies bisher auch in den Vertragsbedingungen der Versicherer.

Berufsunfähigkeit anerkennen

Neu ist, dass die befristete Anerkennung von Berufsunfähigkeit künftig nur einmal erlaubt ist. Ist ein Kunde nach Ablauf der Frist immer noch berufsunfähig, muss der Versicherer dessen Berufsunfähigkeit unbefristet anerkennen.

Besser stehen künftig auch Kunden da, die sich gesundheitlich wieder so weit erholen, dass der Versicherer nicht weiter zahlen muss. Sie erhalten nun noch für mindestens drei weitere Monate Geld.

Deutlichere Fragen im Antrag

Die Unternehmen müssen ihre Antragsfragen auch in der Berufsunfähigkeitsversicherung überarbeiten. Sie müssen genauer fragen, denn bei nicht genannten gesundheitlichen Störungen sind künftig sie selbst in der Beweisnot. Versicherer müssen ihrem Kunden nachweisen, dass etwas, was er verschwiegen hatte, „gefahrerheblich“ war, nicht umgekehrt.

Außerdem müssen Antragsteller vor dem Abschluss des Vertrags jetzt noch einmal explizit gefragt werden, ob noch neue gesundheitliche Störungen zwischen Antrag und Vertragsschluss aufgetreten sind. Fragt ein Versicherer nicht nach, ist der Kunde nicht verpflichtet, eine neue Krankheit nachzumelden.

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