Private Krankenversicherung: Waren sie schon einmal krank?

Sind die Gesundheitsfragen im Antrag für eine Krankenversicherung zu schwammig, darf der Versicherer dem Kunden später keinen Strick daraus drehen.

Private Krankenversicherer wissen häufig mehr über die Krankengeschichte ihrer Kunden als deren engste Angehörige. Das neue Versicherungsrecht soll die Daten der Patienten etwas besser schützen und es gibt ihnen mehr Rechte.

  • Gesundheitsfragen: Hat ein Neukunde beim Ausfüllen des Antrags vergessen, dass er vor zwei Jahren wegen Rückenschmerzen beim Arzt war, konnte ihn das bisher den kompletten Versicherungsschutz kosten. Künftig kann ihm der Versicherer nur dann eine Verletzung der „vorvertraglichen Anzeigepflicht“ vorwerfen, wenn der Kunde „konkret erfragte Umstände“ verschwiegen oder falsch dargestellt hat.

Wie genau Versicherer nun zum Beispiel nach Rückenproblemen fragen werden, bleibt abzuwarten. Derzeit überarbeiten alle Gesellschaften ihre Antragsformulare.

Die Versicherer müssen ihre Kunden nun klar darauf hinweisen, welche Folgen Falschangaben haben können.

Hat jemand den Antrag abgeschickt und erkrankt dann, muss er dies nicht mehr von sich aus nachmelden. Will eine Versicherungsgesellschaft darüber informiert werden, bevor sie den Vertrag ausstellt, muss sie nachfragen.

  • Versichert trotz Versäumnis: Ein Kunde, der es versäumt hat, eine Krankenhausbehandlung innerhalb von zehn Tagen beim Versicherer zu melden, kann künftig trotzdem zumindest einen Teil der Kosten erstattet bekommt. Nach dem bisherigen Recht hätte die Versicherung gar nichts bezahlen müssen. Doch nun ist das Alles-oder-nichts-Prinzip nach grob fahrlässigen Pflichtverletzungen aufgehoben.
  • Nachforschungen: Versicherer dürfen im laufenden Vertragsverhältnis prüfen, ob eine Behandlung medizinisch notwendig war. Bisher konnten sie dazu Ärzte und Therapeuten befragen, ohne dass der Patient davon erfuhr. Jetzt muss der Versicherer den Kunden jedes Mal vorher um Erlaubnis fragen, wenn er Auskünfte einholen will. So weiß der Patient immer Bescheid, von wem der Versicherer etwas über ihn wissen will.

Verweigert er jedoch die Zustimmung zu solchen Nachforschungen, muss der Versicherer ihm die Behandlung, um die es geht, nicht bezahlen. Das kann nur im Ausnahmefall sinnvoll sein.

Die Versicherer arbeiten bereits daran, wie sie doch ungefragt Auskünfte einholen können, zum Beispiel mit einer pauschalen Einwilligungserklärung des Kunden. Einen solchen Blankoscheck sollte aber kein Kunde seinem Versicherer ausstellen. Er verbaut sich damit die Chance, mitzubestimmen, wer etwas über ihn weiß.

  • Vertragsschluss: Interessenten müssen nach neuem Recht nicht mehr die Katze im Sack kaufen. Schon vor der Unterschrift unter den Antrag müssen die Gesellschaften dem Interessenten den Versicherungsvertrag mit allen Konditionen und dem zu zahlenden Beitrag geben. Außerdem bekommt er Informationen darüber, wie sich die Beiträge für einen vergleichbaren Tarif in den zurückliegenden zehn Jahren entwickelt haben.

Im Gegenzug muss sich der Kunde aber auch bereits vor Vertragsschluss durchleuchten lassen. Damit der Versicherer ihm ein Angebot machen kann, muss der Kunde alle Gesundheitsfragen beantworten und seine Ärzte von der Schweigepflicht entbinden – obwohl noch gar nicht sicher ist, dass er einen Vertrag mit dieser Gesellschaft schließen wird.

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