Stirbt ein Familienmitglied, sollten Angehörige sich zügig mit dessen Versicherungsverträgen beschäftigen.

Nach über 50 Jahren fast unfallfreien Fahrens ist Heinz Lachmanns* Beitrag für die Kfz-Versicherung niedrig. Sogar sehr niedrig – nur 25 Prozent muss er in der höchsten Schadenfreiheitsklasse zahlen.

Seine Frau, seine vier Kinder und neun Enkel können seinen alten Wagen nutzen, wann immer sie wollen. Sie tun das ausgiebig. „Aber irgendwie immer mit ungutem Gefühl“, sagt einer der Enkel. Denn Heinz Lachmann ist seit über zehn Jahren tot.

Um Beiträge zu sparen, hat die Familie den Versicherer lange nicht darüber informiert. „Zum Glück ist nie ein Unfall passiert, sonst wäre bestimmt alles aufgeflogen“, meint der Enkel.

Das jahrelange ungute Gefühl hätte die Familie sich sparen können. Denn mit dem Wagen hat sie auch den Versicherungsschutz geerbt. „Solange die Familie das versicherte Fahrzeug behält und die Beiträge bezahlt, muss der Versicherer bei einem Unfall für den ­Schaden aufkommen“, erklärt Jens Tietgens, Rechtsanwalt aus Hannover mit Schwerpunkt Versicherungsrecht. Denn nicht der Versicherungsnehmer ist versichert, sondern der Wagen.

Wäre im Vertrag zum Beispiel festgelegt worden, dass nur Personen über 25 Jahre mit dem Fahrzeug fahren dürfen und würde dann der 20-jährige Enkel einen Unfall verur­sachen, könne das zwar Nachzahlungen und einen erhöhten Versicherungsbeitrag nach sich ziehen. Für einen Schaden müsse der Versicherer dennoch aufkommen.

Kein Anruf, kein Schutz

Die Familie hat Glück gehabt. Bei anderen Versicherungen geht es um Tage, sonst steht viel Geld auf dem Spiel. Unverzüglich wollen die Lebensversicherer über den Tod der versicherten Person informiert werden. Nur 48 Stunden lassen einem die Unfallversicherer Zeit. Melden sich die Angehörigen später, kann der Versicherer sich im schlimmsten Fall weigern, die Todesfallsumme zu zahlen (siehe Tabelle).

Lebens-, Unfall- und private Krankenversicherungen enden, wenn die versicherte Person stirbt. Kompliziert wird es, wenn Versicherungsnehmer und versicherte Person nicht dieselben sind. Dies kommt bei Lebensversicherungen häufig vor.

Eine Frau schließt zum Beispiel eine Lebensversicherung auf ihren Freund ab. Sie ist Versicherungsnehmerin, er die versicherte Person. Stirbt die Frau, geht der Vertrag auf einen zuvor festgelegten neuen Versicherungsnehmer über oder – gibt es diesen nicht – auf den Erben. Er hat dann das Recht, den Vertrag weiterzuführen, zu kündigen oder auch die Bezugsperson zu ändern. Sie bekommt das Geld, wenn der Freund einmal stirbt.

Hätte die Frau ihr eigenes Leben versichert, wäre der Vertrag erloschen. Die Bezugsperson hätte die Versicherungssumme ausgezahlt bekommen – vorausgesetzt, der Versicherer ist rechtzeitig vom Tod informiert worden.

Kein Risiko, kein Schutz

Versicherungen enden nur dann, wenn wie bei einer Lebensversicherung mit dem Tod des Versicherungsnehmers auch das versicherte Risiko wegfällt.

Hätte Familie Lachmann das Auto verkauft oder stillgelegt, wäre auch der Versicherungsvertrag erloschen. Den für das Jahr zu viel gezahlten Beitrag hätte sie zurückerhalten. Selbst wenn sich die Familie als Ersatz ein neues Auto zugelegt hätte, hätte sie einen neuen Vertrag abschließen müssen. Geerbten Schutz gibt es nur für geerbte Risiken.

Das verhält sich bei anderen Sachversicherungen ähnlich: Die Wohngebäudeversicherung bleibt beim Haus, die Hausratversicherung beim Hausrat. Übernimmt ein Erbe also eine Wohnung mitsamt der Einrichtung wie sie ist, bleibt der Vertrag bestehen. Und zwar auch dann, wenn er diesen eigentlich gar nicht mehr haben möchte.

Ein außerordentliches Kündigungsrecht hat der Erbe in diesem Fall nicht. Das gibt es nur, wenn er bereits eine Hausratversicherung besitzt.

Wird der Hausrat des Verstorbenen ersetzt oder nutzt der Erbe die Wohnung nicht weiter, endet der Vertrag zwei Monate nach dem Tod des Versicherungsnehmers. Die Frist ist sinnvoll, denn unbewohnte Wohnungen sind anfällig für Einbrüche oder Leitungswasserschäden. So hat der Erbe Zeit zu entscheiden, was mit Wohnung und Hausrat geschehen soll.

Ein komplizierter Fall ist die Rechtsschutzversicherung. Stirbt derjenige, dem Rechtsschutz in seinem Beruf gewährt wird, kann der Vertrag nur dann vom Erben übernommen werden, wenn dieser den gleichen Beruf ausübt.

Beim Verkehrsrechtsschutz gibt es zwei Varianten: Bezieht sich der Rechtsschutz nur auf eine bestimmte Person und nicht etwa auf ein Auto, wird der Vertrag mit dem Tod des Versicherten gegenstandslos. Gilt der Verkehrsrechtsschutz aber für einen bestimmten Wagen, besteht er wie bei der Kfz-Versicherung für den Erben fort. Zahlt der Erbe den nächsten Beitrag, wird er neuer Versicherungsnehmer. Ansonsten endet der Vertrag zum nächsten Fälligkeitsdatum.

„Die Regeln beim Tod des Versicherungsnehmers sind unterschiedlich,“ sagt David Merz, Berliner Anwalt und oft mit Erbfällen betraut, „und natürlich hat man anderes im Kopf als Versicherungsverträge, wenn gerade ein Angehöriger verstorben ist. Der beste Weg, eine Auseinandersetzung zu vermeiden, ist aber, die Versicherung unverzüglich zu kontaktieren.“

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