Versicherungsvermittler Kein Unternehmen gut

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Eine gute Beratung vom Versicherungsvermittler zu bekommen ist wie ein Lottogewinn. Keines der 26 großen deutschen Versicherungsunternehmen bot bei der Kundenberatung mehr als Mittelmaß. Am schlechtesten berieten Allianz und Alte Leipziger. Sie erhielten das Qualitätsurteil „ausreichend“.

Inhalt

Online-Chat: Ihre Fragen - unsere Antworten

Fragen zum Thema haben Susanne Meunier und Cornelia Nowack am 30. September 2009 im Chat auf test.de beantwortet. Fragen und Antworten finden Sie hier.

Mittelmäßige Beratung überall

Tester sind zu 182 Versicherungsvermittlern in 21 Großstädten des Landes marschiert und wollten wissen, wie sie am besten für sich und ihre Familie vorsorgen können. Sie wünschten ausreichenden Schutz bei Berufsunfähigkeit und eine angemessene Absicherung ihrer Angehörigen für den Todesfall. 250 Euro konnten sie dafür monatlich ausgeben. Beratungsgespräche führten die Testkunden mit jeweils sieben Vermittlern pro Anbieter. Was die Vertreter von 26 großen Versicherungsgesellschaften an Beratungskompetenz ablieferten, war bescheiden. 20 Unternehmen kamen über eine „befriedigende“ Beraterleistung nicht hinaus, siehe Tabelle. Sechs weitere Versicherer waren sogar nur „ausreichend“. Guter Beraterservice ist eine Wunschvorstellung.

Vermittler bieten unpassenden Schutz

Die ersten Lücken klafften schon bei der Analyse des Bedarfs auf, die der Vermittler durch Fragen an den Kunden ermitteln sollte. Systematisch gingen hier nur wenige Vermittler vor. Die dann angebotenen Berufsunfähigkeits- und Lebensversicherungen passten nur in wenigen Fällen zu den zwei unterschiedlichen Test-Kunden: Ein verheirateter Familienvater mit zwei Kindern und eine alleinerziehende Mutter mit einem Kind unter zwölf Jahren. Nur in jedem zehnten Fall entsprach die Vorsorge für den Todesfall und für den Fall der Berufsunfähigkeit 80 Prozent oder mehr des erforderlichen Bedarfs. In fast der Hälfte der Fälle empfahlen die Vertreter für mindestens eines der beiden Risiken nicht einmal 50 Prozent des notwendigen Schutzes. Besonders ungenügend waren die Vorschläge für die alleinerziehende Frau.

Unfallversicherung genügt nicht

Richtig für beide Beispielfälle wären ein angemessener Todesfallschutz über eine Risikolebensversicherung und eine Berufsunfähigkeitsversicherung mit einer ausreichend hohen Rente. Auch eine Kombination beider Verträge hätte den Bedarf decken können.Jeder dritte Vermittler empfahl stattdessen jedoch Altersvorsorgeprodukte wie private Rentenversicherungen, so dass zu wenig Geld für den gewünschten Versicherungsschutz übrig blieb. Jeder zehnte Vertreter legte seinem Kunden sogar eine Unfallversicherung nahe, obwohl diese als Invaliditätsvorsorge in keiner Weise ausreicht, wie der Beitrag Löcher in der Unfallversicherung zeigt.

Sehr riskant: Schludern bei Gesundheitsfragen

Beim Vermerken von Vorerkrankungen haben Vermittler häufig geschlampt. Die Testpersonen hatten eine Pollenallergie und eine Magenerkrankung. Beide Vorerkrankungen müssen im Antragsformular der Berufsunfähigkeits- und der Risikolebensversicherung unter Gesundheitsfragen angegeben werden. Kunden sind verpflichtet, alle Gesundheitsfragen wahrheitsgetreu und vollständig zu beantworten. Tun sie es nicht, riskieren sie, dass der Versicherer die Leistung später verweigert, weil ihm grob fahrlässig etwas verschwiegen worden sei, was den Vertragsschluss verhindert hätte. Besonders stümperhaft gingen unter anderen Vermittler von Allianz und Alter Leipziger mit Vorerkrankungen um: In mindestens drei der sieben Gespräche unterschlugen sie eine der Vorerkrankungen in den Anträgen. Kunden müssen damit rechnen, im Ernstfall keine Leistung zu erhalten und so über Jahre vergeblich in den Vertrag eingezahlt zu haben.

Vermittler vertreten nur ihre Firma

Die Testpersonen haben sich ausschließlich von Vermittlern beraten lassen, die unter dem Namen eines Versicherers firmieren. In den meisten Fällen handelte es sich dabei um Ausschließlichkeits- oder Einfirmenvertreter. Sie vermitteln nur die Versicherungsverträge dieses Unternehmens oder dieses Konzerns. In Deutschland sind Versicherungsvermittler überwiegend solche Einfirmenvertreter.

Leseraufruf Berufsunfähigkeitsschutz: Bekommen Sie den optimalen Schutz?

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VBGI am 10.11.2013 um 16:43 Uhr

Kommentar vom Autor gelöscht.

ElviraF am 09.09.2012 um 18:03 Uhr
erschreckend...

Das sind sehr alamierende Daten! Diese Daten liegen zwar schon 3 Jahre zurück, aber ich nehme mal an, dass sich das nicht gravierend verbessert hat, da die Versicherer ja verkaufen wollen und dann lieber nicht zu viele Informationen preisgeben.

bloßkeinabo am 19.10.2011 um 15:49 Uhr
Finanztest kennt den Unterschied nicht

Die Antwort ist ganz einfach - siehe Titel zu Kommentar. Aber Finanztest ist ja auch nur Zeitungsverkäufer und nicht geprüfter und zugelassener Versicherungsmakler.

Gelöschter Nutzer am 25.07.2011 um 22:17 Uhr
Wer wurde getestet?

Aus dem Artikel geht leider nicht klar hervor wer hier genau getestet wurde. Was sind Versicherungsvermittler? Der Begriff ist nicht definiert. Versicherungen vermitteln darf ein Versicherungsvertreter oder ein Versicherungsmakler. Warum macht Test hier keine eindeutige Unterscheidung.
1. Ein Versicherungsvertreter ist der Erfüllungsgehilfe einer Versicherung (siehe hierzu § 84 HGB, Handelsvertreter). Er arbeitet in der Regel für eine oder mehrere Versicherungen (Mehrfachagenten). Es gibt ca. 208.000 Versicherungsvertreter in Deutschland
2. Ein Versicherungsmakler ist ein Erfüllungsgehilfe bzw. Sachverwalter des Kunden. (siehe hierzu § 93 HGB; Handelsmakler). Er ist unabhängig von allen Versicherungen. Hat gegenüber dem Kunden eine höhere Haftung als ein Versicherungsvertreter. Es gibt ca. 40.768 Versicherungsmakler.