Versicherungsschutz im Ehrenamt Meldung

Auch guten Menschen kann etwas passieren. Dann fängt ein Netz von Versicherungen die ehrenamtlichen Helfer auf.

Fast jeder Fünfte über 14 Jahre hilft ehrenamtlich, von den Finanztest-Lesern sind es sogar 30 Prozent. Das wissen wir aus der Markt- und Werbeträgeranalyse 2009 des Instituts für Demoskopie Allensbach.

Die einen engagieren sich im Verein, beim Katastrophenschutz oder der Kirchengemeinde. Andere helfen bei Straßenfesten oder in einer Selbsthilfegruppe.

Aber was ist, wenn etwas passiert? Wir haben den Schutz geprüft und eine Fülle von Versicherungen gefunden, von denen mal die eine, mal die andere zum Zuge kommt. Alles in allem ist das Sicherheitsnetz gut.

Klassische Ehrenämter

Versicherungsschutz im Ehrenamt Meldung

Für andere da sein: Leon (16, links) und Simon Rabe (17) haben bei der Jugendfeuerwehr Rodenberg mit schwerem Gerät zu tun.

Leon Rabe (16) und sein Bruder Simon (17) sind bei der Jugendfeuerwehr im niedersächsischen Rodenberg. Keine Übung lassen sie aus. Hier lernen sie, wie man mit schweren Schläuchen hantiert oder in kurzer Zeit Saugleitungen zusammensteckt.

Schnell quetscht sich dabei einer den Finger. Bei solchen kleinen, aber auch bei großen Unfällen in der Freiwilligen Feuerwehr bietet die gesetzliche Unfallversicherung Schutz. Träger ist die Berufsgenossenschaft, in diesem Fall die Feuerwehr-Unfallkasse Niedersachsen. Sie zahlt zwar kein Schmerzensgeld, deckt aber die Kosten für die Behandlung der Verletzung und zahlt bei bleibenden Körperschäden eine Rente.

Entscheidend für den Schutz im Ehrenamt ist, dass die Arbeit unentgeltlich, freiwillig und zum Wohle anderer geschieht.

Klassische Ehrenämter in der Kommune, der Kirche und in der Wohlfahrtspflege sind automatisch durch die gesetzliche Unfallversicherung abgedeckt. Das gilt für den Schöffen bei Gericht wie für das Mitglied im Kirchenvorstand und die Helfer bei der Caritas. Sie alle sind eingebunden in Organisationen, die zum Wohle anderer wirken.

Die Versicherung gilt für Unfälle, die während der ehrenamtlichen Arbeit selbst und auf dem Hin- oder Rückweg zwischen Wohn- und Einsatzort passieren.

Ein privater Schlenker zum Bäcker oder zur Post macht den Schutz auf dem Weg allerdings schon zunichte. Die Behandlungskosten zahlt dann zwar die Krankenkasse, auf den Folgekosten bei bleibenden Schäden bleibt der Betroffene jedoch sitzen.

In den Wettkämpfen der Jugendfeuerwehr müssen Simon und Leon Ziele mit einem Wasserschlauch treffen, der extrem unter Druck steht. Gerät die Schlauchspritze außer Kontrolle, kann es leicht passieren, dass Zuschauer unfreiwillig nass werden.

Vielleicht geht auch eine Brille kaputt oder ein Kleid wird ruiniert. Dann trägt die Kommune die Kosten, genauer: der Kommunale Schadenausgleich Hannover. Der Versicherer haftet, wenn bei der Ausführung kommunaler Dienste andere Personen und Eigentum beschädigt werden.

Im Verein aktiv

Der Fußballtrainer, der zweimal die Woche die C-Jugend trainiert, ist ebenfalls über die gesetzliche Unfallversicherung abgesichert. Die bloße Mitgliedschaft im Verein reicht dafür aber nicht aus, der Vorstand muss ihn mit der Tätigkeit beauftragen. Das geschieht in der Regel unentgeltlich, aber auch eine geringe Aufwandsentschädigung beeinflusst den Schutz nicht.

Vorstandsmitglieder sind im Gegensatz zum Trainer nicht versichert. Sie können sich bei der Berufsgenossenschaft selbst anmelden.

Übliche Vereinstätigkeiten, die von den Mitgliedern erwartet werden können und in der Vereinssatzung stehen, fallen nie unter den Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung. Ein Mitglied eines Tierschutzvereins, das Hunde aus dem vom Verein getragenen Tierheim ausführte, bekam deshalb nach einem Hundebiss keine Leistungen. Der Fall läge nur anders, wenn das Mitglied vergleichbar einem Beschäftigten tätig wäre, entschied das Sozialgericht Mainz (Az. S 6 U 38/05).

Um diese Lücke zu füllen, versichern Vereine ihre Mitglieder selbst. Der Vorstand schließt einen Gruppenvertrag für den Verein ab. Er kennt die Risiken und entscheidet, was versichert wird. So werden zum Beispiel das Training und die Vereinsversammlungen abgedeckt.

Mitglieder können sich beim Vorstand informieren, ob und wie der Verein versichert ist. Private Versicherungen können Lücken schließen. Eine private Unfallversicherung oder eine Berufsunfähigkeitsversicherung zahlt, wenn der Versicherte in seiner Freizeit – ­also auch während der Vereinsarbeit – durch einen Unfall einen bleibenden körperlichen Schaden erleidet.

Bei Schäden, die der Ehrenamtliche anderen Personen zufügt, springt die Haftpflichtversicherung des Vereins ein. Dabei spielt es keine Rolle, ob ein Vereinsmitglied oder ein freiwilliger Helfer den Schaden verursacht hat. Wichtig ist nur, dass im Versicherungsvertrag neben den Tätigkeiten des Vereins auch die ehrenamtlichen Tätigkeiten genau beschrieben werden.

Zusätzliche Risiken werden gesondert versichert. Geht beispielsweise bei einem vom Verein veranstalteten Straßenfest wegen einer überhitzten Kochplatte eine Garage in Flammen auf, würde die Haftpflicht des Veranstalters die Kosten übernehmen.

Hat der Verein keine Haftpflichtversicherung abgeschlossen, hilft der private Vertrag des Mitglieds oft weiter. Allerdings schließen die Versicherer verantwortliche Tätigkeiten wie die Leitung des Vereins aus.

Gibt es keinen Schutz über den Verein und hilft auch kein privater Vertrag, kommt die private Gruppenhaftpflichtversicherung des Bundeslandes ins Spiel. Sie zahlt, wenn der Ehrenamtliche keinen anderen Haftpflichtschutz hat.

Freie Ehrenamtliche

Viele freiwillige Helfer sind nicht fest in ­einen Verein eingebunden, der sie versichert, so wie zum Beispiel Steven Klein. Der 20-Jährige half beim Sommerfest der Selbsthilfegruppe Mukoviszidose in Bietzen mit. Während er auf einer Leiter stehend die Beleuchtung über der Bühne anbrachte, erfasste ihn eine Windböe.

Klein fiel vier Meter tief und brach sich dabei den Oberschenkel. Kurz darauf wurde er von den Rettungssanitätern in eine Klinik der Berufsgenossenschaft gebracht. Da Steven Klein freiwillig im Auftrag einer Selbsthilfegruppe arbeitete, ist er über die gesetzliche Unfallversicherung versichert.

Entscheidend für den Schutz ist wiederum, dass der junge Mann zum Wohl anderer tätig war. Dennoch gibt es Einschränkungen: Kleine Gefälligkeiten wie das Einkaufen für den Nachbarn oder die familiäre Hilfe sind nicht versichert.

Und was ist, wenn ein freier Ehrenamtlicher aus Versehen Dritte schädigt? Fällt beim Bühnenaufbau eine Holzfaserplatte um und haut eine Beule in ein Auto, übernimmt die Gruppenhaftpflichtversicherung des Landes die Kosten – allerdings wieder nur, wenn kein anderer Schutz, auch kein privater, vorhanden ist.

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