Endlich 18 – endlich unabhängig. Wer die Welt erobert, sollte sich Gedanken über seine ersten eigenen Versicherungen machen. Nicht immer reichen Familien­tarife auch für voll­jährige Kinder.

Versicherungs­schutz für Voll­jährige Special

Katharina Brümmel (18) wohnt noch bei ihren Eltern. Im Juni macht sie Abitur und möchte danach für ein Jahr nach Australien gehen.

„Bislang haben meine Eltern mich mit Versicherungs­kram verschont, aber das hat sich jetzt geändert“, sagt Katharina Brümmel. Vor gut zwei Monaten ist sie 18 Jahre alt geworden. Freiheit und Unabhängig­keit Fehl­anzeige. „Ich spüre eher Druck, weil ich ab jetzt mehr Verantwortung tragen muss“, sagt die Schülerin aus Wolters­dorf.

Im Juni macht sie Abitur, danach möchte sie für ein Jahr nach Australien. Die ersten Vorbereitungen hat Katharina bereits getroffen und sich Auslands­reise-Kranken­versicherungen angeschaut. Vom Schutz der elterlichen Police kann sie nicht profitieren, denn deren Versicherung reicht nur für eine Reise von maximal sechs Wochen.

Viele Reisekranken­versicherer beschränken den Schutz für Kinder in ihren Familien­tarifen auch durch Alters­grenzen: Häufig gilt er nur bis zum 18. Geburts­tag.

Jugend­liche, die für längere Zeit ins Ausland gehen, benötigen deshalb eine eigene Reisekranken­versicherung, je nach Dauer der Reise eine Police für extral­ange Reisen.

Diese Versicherung ist wichtig, weil der Schutz der gesetzlichen Krankenkasse nur für Deutsch­land uneinge­schränkt gilt. Privatversicherte können je nach Umfang ihres Schutzes auf eine Extra-Police verzichten.

Gesetzlich kranken­versichert

Zuhause können Kinder bis zum 25. Lebens­jahr in der gesetzlichen Krankenkasse ohne eigene Beiträge mitversichert sein. Sowohl Eltern als auch Kinder müssen aber Voraus­setzungen erfüllen: Die Eltern müssen entweder beide gesetzlich versichert sein oder der gesetzlich versicherte Ehepartner muss mehr verdienen als der privatversicherte. Die Kinder müssen in der Ausbildung sein und nicht mehr als 375 Euro im Monat verdienen.

Diese Einkommens­grenze berechnet sich aus den Sozial­versicherungs­rechengrößen des Bundes­ministeriums für Arbeit und Soziales und ändert sich fast jähr­lich. Als Einkommen gelten unter anderem Miet­einnahmen, Zinsen, Renten und steuer­pflichtige Unter­halts­zahlungen. Eine Ausnahme gilt für Minijobs: Hier dürfen die Kinder 400 Euro verdienen, wenn keine weiteren Einkünfte hinzukommen.

Sind alle Bedingungen für die beitrags­freie Mitversicherung erfüllt, schützt der Familien­tarif die Kinder in den meisten Fällen auch in Über­gangs­phasen oder Warte­zeiten zwischen Schule, Studium und Ausbildung.

Praxis­gebühr und Medikamente

Katharina ist in derselben Krankenkasse wie ihre Mutter versichert, aber ihre Eltern zahlen seit jeher eigene Beiträge für sie. Eine beitrags­freie Mitversicherung war nicht möglich, da ihr Vater privatversichert ist und mehr verdient als ihre Mutter.

Als voll­jähriges Mitglied müsste Katharina ab sofort die Praxis­gebühr und einen Anteil am Preis von Arznei­mitteln aus eigener Tasche bezahlen. Doch sie kann sich davon befreien lassen. Denn voll­jährige Schüler und Studenten, die eigene Krankenkassenbeiträge zahlen, aber kein Einkommen haben, müssen nichts zuzahlen.

Für alle anderen gilt: Wer mehr als 2 Prozent seines Brutto­einkommens im Jahr für Arzt­besuche und Medikamente ausgegeben hat, kann sich von den Kosten, die darüber hinaus­gehen, befreien lassen. Für chro­nisch Kranke liegt die Grenze bei 1 Prozent.

Haften für Schäden

Eine Kranken­versicherung ist Pflicht. Eine private Haft­pflicht­versicherung hingegen ist zwar freiwil­lig, aber absolut notwendig.

Katharina weiß, dass sie sich früher oder später auch darum kümmern muss. Noch hat das aber keine Eile, denn ledige voll­jährige Kinder sind in der Privathaft­pflicht­versicherung der Eltern geschützt – und das sogar unabhängig vom Wohn­ort. Gute Tarife schützen selbst bei einem Aufenthalt im Ausland und bieten welt­weit ein Jahr Schutz, im europäischen Ausland sogar drei Jahre.

Der Familien­tarif greift aber nur, solange die Kinder in der ersten Ausbildung sind.

Die erste Ausbildung

Von der „ersten Ausbildung“ ist in vielen Versicherungs­bedingungen die Rede. Was auf den ersten Blick klar erscheint, wird spätestens dann kompliziert, wenn das Kind ein duales Studium, einen Master nach dem Bachelor oder ein Studium nach der Lehre beginnt. Wann hört die erste Ausbildung auf und wann fängt die zweite an?

Der Gesamt­verband der Deutschen Versicherungs­wirt­schaft (GDV) definiert in seinen Musterbedingungen: Als erste Ausbildung zählen Lehre und Studium, ein Bachelor- und auch ein unmittel­bar anschließender Master­studiengang.

Was im Einzel­fall aber als unmittel­bar anschließend und als Erst­ausbildung anerkannt wird, entscheidet der Versicherer. Deshalb gilt: Im Zweifel immer nach­fragen!

Rechts­schutz für die ganze Familie

Wenn Katharina aus Australien zurück ist, möchte sie Medizin studieren. Doch Studien­plätze sind rar und von der Möglich­keit, einen Studien­platz einzuklagen, hält sie wenig: „Dann bekommen die einen Platz, deren Eltern Geld haben.“

Manchmal springt aber auch der Rechts­schutz­versicherer der Eltern ein und über­nimmt die Prozess­kosten. Von einem Rechts­schutz-Familien­tarif profitieren Kinder, bis sie erst­mals dauer­haft eigenes Geld verdienen. In Einzel­fällen hilft das bei einer Studien­platz­klage, aber nur wenige Versicherer haben das Hoch­schulrecht in ihrem Leistungs­katalog.

Hausrat außer Haus

Vermutlich wird Katharina in absehbarer Zeit von zuhause ausziehen. „Ob ich mir dann eine Hausrat­versicherung zulege, weiß ich noch nicht“, sagt die 18-Jährige.

Für Jugend­liche, die in die ersten eigenen vier Wände ziehen, ist eine Hausrat­versicherung nur nötig, wenn sie teure Möbel oder Geräte besitzen.

Solange der Lebens­mittel­punkt der Kinder noch bei den Eltern liegt und die Kinder ein WG- oder Wohn­heim­zimmer beziehen, weiten einige Versicherer den Schutz des Familien­tarifs darauf aus. Im Schadens­fall erstatten sie aber maximal 10 Prozent der Versicherungs­summe.

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