Pünktlich raus

Bei den meisten Versicherungsverträgen haben die Kunden einmal im Jahr die Chance zu kündigen. Wir nennen die Spielregeln für den Ausstieg.

Die Privathaftpflichtversicherung läuft seit fünfzehn Jahren, die Rechtschutzversicherung ist auch schon zehn Jahre alt. Dann wird es Zeit, die alten Verträge anzuschauen und Preise und Leistungen zu vergleichen. Oft haben sich die Lebensumstände geändert, und der Schutz ist gar nicht mehr in vollem Umfang notwendig.

Ordentliche Kündigung: Für die Kündigung älterer Versicherungsverträge gilt meist eine Frist von drei Monaten zum Ende des Versicherungsjahres. Der Termin ist im Vertrag festgelegt oder lässt sich mit einem Anruf beim Versicherer leicht klären. Meist stimmt das Versicherungsjahr nicht mit dem Kalenderjahr überein.

Ist der Vertrag noch keine fünf Jahre alt, kommt es auf die anfangs vereinbarte Laufzeit an. Versicherungen können eine feste Laufzeit von einem bis zu fünf Jahren haben. Eine ordentliche Kündigung ist erstmals zum Ende der Laufzeit möglich – wiederum mit dreimonatiger Frist.

Mit dem neuen Versicherungsvertragsgesetz zum Jahreswechsel wird sich das ändern. Selbst Fünfjahresverträge, die vorher geschlossen wurden, sollen ab 2009 zum Ende des dritten Jahres kündbar sein.

Schon heute gilt: Wenn eine Kündigungsfrist verstreicht, verlängert sich der Vertrag immer wieder um ein Jahr. All diese Regeln gelten für die meisten Haftpflichtversicherungen sowie für Unfall-, Glas- und Rechtsschutzversicherungen.

Für Autoversicherungen gibt es dagegen einen einheitlichen Termin: Fast alle Kunden können mit einer Frist von einem Monat zum Ende des Kalenderjahres kündigen. Spätestens am 30. November muss die Kündigung also beim Versicherer sein.

Kündigung vor der Zeit

Sonderfälle machen es bei den meisten Versicherungen möglich, auch vor der üblichen Frist auszusteigen:

Schaden: Meldet der Kunde einen Schaden, haben beide Vertragspartner das Recht zum Ausstieg. Es gilt dann eine Frist von einem Monat nach Leistung oder Ablehnung der Kostenübernahme durch den Versicherer.

Beitragserhöhung: Erhöht der Versicherer den Beitrag, darf der Kunde ebenfalls mit einmonatiger Frist kündigen. Sie beginnt zu laufen, sobald die Gesellschaft ihn über die Erhöhung informiert hat.

Jeder abtrünnige Kunde sollte schriftlich kündigen und darauf hinweisen, dass er dies fristgerecht tut. Ein Einschreiben mit Rückschein wird im Streitfall vor Gericht normalerweise anerkannt.

Vorsicht beim Ausmisten

Eine Hausrat- oder eine Autoversicherung ist schnell gewechselt. Doch vor manchen Policen sollten die Kunden beim Ausmisten halt machen: Ältere haben keine Chance auf eine neue private Krankenversicherung. Von der Kündigung einer Berufsunfähigkeitsversicherung ist auch kurz vor dem Ruhestand dringend abzuraten. Selbst wenn ein Mensch erst mit 62 Jahren berufsunfähig wird, kann die finanzielle Belastung durch Arbeitsausfall und Behandlungskosten enorm sein.

Es lohnt sich auch nicht, eine Lebensversicherung kurz vor dem Ende der Laufzeit aufzugeben. Die Versicherer kassieren Stornokosten und streichen die Überschussbeteiligung am Vertragsende.

Neuverträge wieder loswerden

Manchmal ist schon kurz nach dem Antrag oder dem Abschluss klar, dass die neue Versicherung keine gute Idee war.

Widerruf und Rücktritt: Binnen 14 Tagen können Neukunden ihren Versicherungsantrag widerrufen. Zur Wahrung der Frist genügt der Poststempel.

Gilt der Schutz mit sofortiger Wirkung wie zum Beispiel bei der Autoversicherung, ist kein Widerruf möglich, aber der Rücktritt vom Vertrag. Auch hier hat der Kunde in der Regel ab Ausstellung der Police 14 Tage Zeit. Für Neuabschlüsse von Lebens-, Renten- und Berufsunfähigkeitsversicherungen nach dem 8. Dezember 2004 wurde die Frist auf 30 Tage erweitert.

Für den Fall, dass die Gesellschaft nicht auf das Widerrufs- oder Rücktrittsrecht hingewiesen hat, verlängern sich die entsprechenden Fristen auf einen Monat nach der ersten Beitragszahlung.

Widerspruch: Aus allen Verträgen kann der Kunde noch nach Vertragsabschluss aussteigen. Das heißt dann nicht Rücktritt, sondern Widerspruch. Auch hier gilt eine Frist von 14 Tagen ab dem Datum der Police. Enthält diese jedoch andere Angaben als der Antrag, hat der Kunde einen Monat Zeit.

Es lohnt sich also, die Vertragsunterlagen genau zu überprüfen. Spätestens mit der Police müssen Versicherer über die allgemeinen Versicherungsbedingungen und die Tarifbestimmungen aufklären. Häufig nehmen sie es nicht so genau.

Sind die Angaben unvollständig oder fehlt der Hinweis auf das Widerspruchsrecht, kann der Kunde sogar bis ein Jahr nach dem ersten Beitrag noch widersprechen und aussteigen.

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