Versicherungsschutz für Senioren: Das höchste Gut

Gesund alt zu werden ist natürlich das Ziel. Mit der richtigen Krankenkasse, eventuell ergänzt durch private Zusatzpolicen, sind Ältere zumindest schon einmal gut versorgt.

Dieser Krankenkasse kann das Rentnerpaar aus unserem großen Versicherungs-Check getrost treu bleiben: Die Knappschaft hat mit 12,7 Prozent einen der günstigsten Beitragssätze bundesweit.

Zusammen zahlt das Ehepaar Weidner rund 260 Euro Krankenkassenbeitrag im Monat. Hinzu kommen 36 Euro für die Pflegeversicherung. Mit den Leistungen der Kasse und dem Service sind die beiden zufrieden.

Auch Rentner dürfen wechseln

Rentner können wie alle gesetzlich Versicherten die Kasse wechseln, wenn sie unzufrieden sind oder in eine Kasse mit niedrigerem Beitragssatz wollen.

Fast noch wichtiger als der Beitragssatz ist die Frage, wie gut eine Kasse für ihre Versicherten sorgt. Gerade älteren Versicherten ist es oft wichtig, sich persönlich in einer Geschäftsstelle ihrer Kasse beraten zu lassen. Ein Beratungstelefon zu medizinischen Fragen, das auch am Wochenende erreichbar ist, kann hilfreich sein.

Und etliche Kassen bieten Extraleistungen über das gesetzlich vorgeschriebene Maß hinaus, beispielsweise erweiterte Leistungen bei häuslicher Krankenpflege, höhere Zuschüsse zu ambulanten Kuren, Kurse für Menschen mit Rückenbeschwerden oder Schulungen für Diabetiker.

In der Tabelle „Krankenkassen“ ist eine Auswahl von Kassen zusammengestellt, die viele von diesen Extras bieten und deren Beitragssatz trotzdem deutlich unterm Schnitt liegt. Wer aber nur auf einen niedrigen Preis Wert legt, findet die günstigsten Kassen für jedes Bundesland im Infodokument Gesetzliche Krankenkassen.

Jeder, der bereits seit 18 Monaten oder länger Mitglied seiner Kasse ist, kann mit einer Frist von zwei Monaten zum Monatsende kündigen und sich eine neue Kasse suchen. Egal, wie alt oder krank er ist, die gesetzliche Krankenkasse seiner Wahl muss ihn aufnehmen.

Privat krankenversicherte Senioren haben es nicht so gut. Zu einem anderen ­Versicherungsunternehmen können sie nicht mehr wechseln.

Werden ihnen die Beiträge zu hoch, können sie ihre Verträge nur bei derselben Versicherungsgesellschaft umstellen lassen. Im Standardtarif für Rentner sind die Beiträge auf den Höchstbeitrag der gesetzlichen Versicherung begrenzt. Billig ist das trotzdem nicht: Für ein privat versichertes Ehepaar kann der Beitrag bis zu rund 760 Euro im Monat betragen.

Privater Zusatzschutz

Wenn die ersten Operationen kommen und die Zahnarztrechnungen höher werden, fangen viele gesetzlich Krankenversicherte an, sich über eine private Zusatzversicherung Gedanken zu machen.

Das Ehepaar Weidner hat großes Glück: Als ehemaliger angestellter Bergmann kommt Manfred Weidner in den Genuss einer Sonderregelung der Knappschaft. Gegen einen einkommensabhängigen Mehrbeitrag sind Chefarztbehandlung und Einbettzimmer im Krankenhaus über die Knappschaft abgesichert.

Nur 64 Euro zahlen er und seine Frau zusammen dafür im Monat. Eine so günstige private Zusatzversicherung dürfte anderswo kaum zu finden sein. Neukunden darf die Knappschaft dieses Extra aber nicht mehr anbieten.

Ab dem 65. Lebensjahr nehmen die meisten Gesellschaften gar keine Neukunden mehr an. Doch auch ohne Zusatzpolice können Patienten ein besseres Zimmer im Krankenhaus wählen. Den Zuschlag dafür bezahlen sie dann privat. Je nach Klinik und Abteilung kostet das Einbettzimmer beispielsweise zwischen 50 und 100 Euro pro Tag.

Zusatzversicherungen etwa für Zahnersatz, Heilpraktikerbehandlung oder Brillen können auch ältere Kunden noch ­abschließen. Unbedingt notwendig ist so etwas nicht, auch wenn es in der Reklame manchmal so klingt. „Wir brauchen das nicht“, meint Manfred Weidner, „wir kommen gut mit dem regulären Zahnersatz klar, den die Kasse bezuschusst.“

Will jemand sich aber auch teuren Zahnersatz wie ein Implantat anstelle einer Brücke leisten, kann eine Zusatzversicherung ihn entlasten. Er sollte dann einen Vertrag mit umfangreichen Leistungen wählen. Das leistungsstärkste Angebot aus unserem Test Zusatzversicherungen für Kassenpatienten, der ­Tarif ZG der Barmenia, ist ohne Altersbeschränkung zugänglich. Falls Renate und Manfred Weidner beide diesen Tarif wollten, müssten sie dafür allerdings zusammen 49 Euro im Monat zahlen.

Günstigere Angebote gibt es für Kunden, die weniger Wert auf Implantate legen, aber dennoch eine umfangreiche Absicherung wünschen. Der preisgünstigste Tarif mit umfangreichen Leistungen ist der Tarif EZ der HanseMerkur. Dieser Zusatzschutz würde für Weidners zusammen ­weniger als 20 Euro im Monat kosten.

Pflege ist teuer

„Können wir in unserem Alter noch eine Zusatzversicherung für den Pflegefall abschließen?“, fragt Manfred Weidner. Es beunruhigt ihn, dass das Geld von der gesetzlichen Pflegekasse nicht reicht, um die Kosten für ein Pflegeheim zu zahlen.

Doch die privaten Krankenversicherer akzeptieren auch in der Pflegezusatzversicherung Kunden nur bis zu einem gewissen Alter. Mit 65 ist bei den meisten Schluss, und auch jüngere bekommen nur einen Vertrag, wenn sie noch keine schweren Krankheiten haben.

Eine Alternative könnten Pflegerentenversicherungen oder andere Angebote sein, die bei Pflegebedürftigkeit bestimmte Beträge oder eine Rente zahlen. Diese Angebote haben wir noch nicht getestet.

Kunden sollten sehr kritisch sein. Wichtig ist zum Beispiel, welche Voraussetzungen sie erfüllen müssen, damit sie einmal Leistungen erhalten. Manchmal sind nur Leistungen in der höchsten Pflegestufe III vorgesehen. Die große Mehrheit der Pflegebedürftigen ist aber in den Stufen I und II eingestuft und würde aus so einer Versicherung kein Geld erhalten.

Unfallversicherung

Eine Behinderung durch einen Unfall ist für Rentner nicht mehr so existenzbedrohend wie für jüngere Leute, die dann möglicherweise nicht mehr voll arbeiten können. Aber eine dauerhafte gesundheitliche Einschränkung verursacht auch für Rentner immer Kosten, nicht nur für Hilfe im Haushalt, sondern auch für zusätzliche Therapien, welche die Kasse nicht bezahlt, oder für Umbauten an Haus und Auto.

Eine Versicherungsvertreterin bot dem Ehepaar Weidner vor kurzem eine Senioren-Unfallversicherung an. Neben einer monatlichen Unfallrente von 1 000 Euro ab 50-prozentiger Invalidität übernimmt der Versicherer Kosten für Hilfeleistungen im Haushalt in der ersten Zeit nach einem Unfall und zahlt bei einem Oberschenkelhalsbruch sofort 3 000 Euro.

Das klingt gut, ist aber relativ teuer: Selbst mit dem Rabatt für einen Fünfjahresvertrag müsste das Ehepaar jährlich rund 470 Euro Beitrag für den Unfallschutz zahlen.

Verletzt sich einer von beiden, können sie sich auch gegenseitig unterstützen. Nur wenn jemand ganz auf sich allein gestellt ist und sich nach einem Unfall nicht anders zu helfen wüsste, ist eine Versicherung mit Hilfsangeboten sinnvoll.

Geht es aber wie bei Weidners darum, im Falle einer Behinderung nach einem Unfall genug Geld für Umbauten oder teure Hilfsmittel zu haben, können sie sich für zusammen 200 bis 300 Euro im Jahr sehr gut mit einer gewöhnlichen Unfallversicherung absichern (siehe Tabelle). Besser als eine monatliche Rente ist für den Kunden ohnehin ein hoher Geldbetrag, der auf einmal ausgezahlt wird.

Aus den P 500-Tarifen der Ammerländer oder der NV-Versicherung würde ein Kunde bei einer Invalidität von 50 Prozent 100 000 Euro erhalten, bei Vollinvalidität 500 000 Euro. Von diesem Geld können Unfallopfer viele Jahre lang eine Haushaltshilfe bezahlen.

Leider machen es viele Versicherer älteren Kunden schwer, an eine günstige Unfallversicherung zu Normalkonditionen kommen.

Manche lehnen Neukunden ab einem bestimmten Alter ab, bei anderen müssen sie ab 65 höhere Beiträge oder Leistungsabzüge hinnehmen. Auch die Ammerländer verlangt einen Mehrbeitrag, und die NV behält sich bei über 65-Jährigen eine gesonderte Risikoprüfung vor.

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