Versicherungsschutz bei Unwetter Test

Stürme, Gewitter und Hagel hinterlassen Spuren. Dann kommt es darauf an, dass das Zuhause und das Auto gut versichert sind.

Ein Tornado hat im münsterländischen Nottuln mehrere Häuser stark beschädigt. Im hessischen Birkenau haben extreme Windböen Dächer von Häusern und landwirtschaftlichen Gebäuden abgedeckt. Mitten im Sommer verwandelten Hagelschauer Gemeinden in Süddeutschland in eine Winterlandschaft.

Mit Meldungen wie diesen und Unwetterwarnungen des Deutschen Wetterdienstes enden viele Nachrichtensendungen. Die Herbst- und Wintermonate werden weitere Stürme und Unwetter bringen.

Passender Versicherungsschutz kann zumindest dafür sorgen, dass die Geschädigten nicht auf den Kosten für Hagelspuren am Auto, für nasse Keller und kaputte ­Dächer sitzenbleiben.

Schutz für das Haus

Jeder Immobilienbesitzer sollte eine Wohngebäudeversicherung haben, zumindest eine Feuerversicherung. Weiterer Schutz für den Fall von Leitungswasserschäden und Schäden durch Sturm und Hagel ist häufig sinnvoll. Auch Nebengebäude wie Gartenhaus oder Garage auf dem gleichen Grundstück sind gesichert, wenn sie in der Police aufgeführt und in der Versicherungssumme berücksichtigt sind.

Haben Hausbesitzer auch den Sturmschutz, zahlt der Versicherer, wenn ein umgestürzter Baum den Dachstuhl zerstört oder nach einem Unwetter ein riesiges Loch klafft. Voraussetzung ist Windstärke 8. Das entspricht einer Windgeschwindigkeit ab 62 Stundenkilometern, die in Deutschland an 20 bis 30 Tagen im Jahr gemessen wird.

Der Preis einer Wohngebäudeversicherung richtet sich nicht nur nach dem Wert der Immobilie: Für die Sturmversicherung orientieren sich die Versicherer an Sturmstatistiken. Für die Leitungswasserversicherung, die zum Beispiel Schäden durch Rohrbrüche abdeckt, ist der Härtegrad des Leitungswassers wichtig. So entstehen je nach Adresse unterschiedliche Preise.

Eine Orientierung gibt unser Test Ende 2007: Günstige Anbieter für den reinen Wohngebäudeschutz haben ein Haus mit 140 Quadratmeter Wohnfläche, das 1990 gebaut wurde, für rund 200 Euro im Jahr versichert.

Tipp: Prüfen Sie, ob sich für Sie ein Vertragswechsel lohnt. Nach einem Schaden können Sie immer kündigen.

Eine ordentliche Kündigung ohne Schadensfall wird für viele spätestens ab 2009 leichter. Wenn Sie einen Vertrag mit mehr als fünf Jahren Laufzeit haben, können Sie dann schon nach drei Jahren aussteigen.

Falls Sie noch einen Immobilienkredit abzahlen, muss die Bank dem Versicherungswechsel vorher zustimmen.

Wasser im Keller

Besser und teurer wird der Schutz fürs Haus, wenn die Wohngebäudeversicherung mit einer Elementarschadenversicherung kombiniert wird. Der Zusatzschutz kann viel wert sein: Nur wer ihn hat, kann Geld bekommen, wenn nach einem Unwetter der Keller unter Wasser steht. Die Police greift nicht nur bei Überschwemmung, sondern auch, wenn ein Erdrutsch oder ein Erdbeben das Haus beschädigen.

Kunden zahlen für das Paket aus umfassender Wohngebäudeversicherung und Elementarschadenschutz je nach Wohnort ab 240 Euro für das 140-Quadratmeter-Haus aus unserem Beispiel (siehe Tabelle).

Tipp: Prüfen Sie, ob Ihre Elementarschadenversicherung Schäden durch Rückstau abdeckt. Verlangt Ihr Versicherer, dass Sie eine Rückstauklappe eingebaut haben? ­Erfüllen Sie die Vorgaben nicht, gehen Sie womöglich leer aus, wenn nach Starkregen die Kanalisation überlastet wird und das Grundwasser in Ihren Keller läuft.

Schwierigkeiten in Risikoregionen

Längst nicht jeder Hausbesitzer, der eine Elementarschadenversicherung abschließen will, erhält einen Vertrag. Ausgerechnet die Immobilienbesitzer, die den Schutz am dringendsten benötigen, müssen dafür sehr viel zahlen oder werden womöglich gar nicht versichert, wenn sie zum Beispiel in einer bestimmten Ecke von Köln leben.

Die Versicherer unterscheiden mithilfe der Statistiken vier Gefährdungsklassen. In der ersten und gleichzeitig günstigsten Klasse gehen sie davon aus, dass es seltener als alle 200 Jahre ein Hochwasser gibt. Am teuersten ist Klasse 4, wo die Versicherer mit einem Hochwasser in zehn Jahren kalkulieren. Eigentümer eines Hauses, das in Gefährdungsklasse 4 steht, haben keine Chance auf den Elementarschutz.

Tipp: Wenn Sie bauen oder eine Immo­bilie kaufen wollen, können Sie sich vorab bei der zuständigen Wasserbehörde über Hochwassermarken und Grundwasserstände informieren. Fragen Sie auch bei einem Versicherer nach, ob Sie Elementarschadenschutz für das Gebäude abschließen könnten.

Solange erst der Rohbau steht, bieten Wohngebäude- und Elementarschadenversicherung noch keinen Schutz im Fall von Unwettern. In dieser Zeit hilft eine Bauleistungsversicherung. Die Versicherer springen aber nur für Schäden nach unvorhergesehenen, ungewöhnlichen Wetterverhältnissen ein, die stark vom Normalwert abweichen. Sie zahlen zum Beispiel für Schäden durch Regenfälle, wie sie in den vergangenen 20 Jahren nicht aufgetreten sind.

Wohnungseinrichtung sichern

Auch eine Hausratversicherung kann um einen Elementarschadenschutz erweitert werden. Diesen Schutz können sich Mieter und Hausbesitzer aber häufig sparen, wenn sie wertvolle Möbel und Erinnerungsstücke nicht im Keller, sondern sicher in oberen Stockwerken unterbringen. Oder sie bringen bei drohendem Unwetter das Wichtigste in Sicherheit.

Tipp: Schließen Sie bei Unwettern Fenster und Türen, denn die Hausrat- und Wohngebäudeversicherer zahlen nicht für Schäden, nachdem es hineingeregnet hat. Räumen Sie vor einem Sturm Terrasse und Balkon ab und bringen Sie die Gartenmöbel in Sicherheit. Werden sie beschädigt, zahlt der Hausratversicherer unter Umständen nicht. Dieses Extra können Kunden aber gegen Aufpreis versichern.

Folgen von Blitzschlag

Schlägt der Blitz direkt ins Haus ein und legt technische Geräte lahm, kommt der Hausratversicherer dafür auf. Bei Kurzschluss- oder Überspannungsschäden durch Blitzeinschlag in eine Überlandleitung ist die Sache nicht so klar. Überspannungsschäden sind nicht in jedem Vertrag versichert.

Tipp: Prüfen Sie, ob in Ihrer Police Überspannungsschäden enthalten sind, und klären Sie, wie hoch der Schutz ist. Die meisten Angebote bieten diesen Schutz. Wenn Sie aber neue technische Geräte gekauft ­haben, müssen Sie womöglich aufstocken.

Schäden am Auto

Fällt bei Sturm ein Baum auf ein geparktes Auto, hat der Halter ohne Kaskoversicherung schlechte Karten. Er zahlt den Schaden allein, wenn nicht nachgewiesen werden kann, dass der Grundstückseigen­tümer den umgestürzten morschen Baum längst hätte fällen müssen und somit für den Schaden haftet.

Hat der Fahrzeughalter eine Teilkaskoversicherung, steht er bei wetterbedingten Schäden besser da. Der Versicherer zahlt schon, wenn der Baum allein aufgrund ­eines Sturms – mindestens Windstärke 8 – auf das Auto gestürzt ist. Er kommt auch für die Reparatur auf, wenn Hagelkörner den Wagen demoliert haben.

Nur wenn der Kunde eine Mitschuld trägt, wird sich der Teilkaskoversicherer weigern, den kompletten Schaden zu zahlen. Ein Autofahrer, der in eine überflutete Straße gefahren und liegengeblieben ist, muss mindestens einen Teil selbst zahlen.

Eine Vollkaskoversicherung würde einspringen. Sie käme auch für einen selbst- verschuldeten, wetterbedingten Unfall auf, sofern er nicht vorsätzlich provoziert wurde. Bei grob fahrlässigem Verhalten wird meist nur anteilig erstattet. Mit dem Vollkaskoschutz hat der Versicherungsnehmer immer auch Teilkaskoschutz.

Tipp: Zögern Sie als Vollkaskokunde nicht, zum Beispiel für einen Hagelschaden Leistungen der Teilkaskoversicherung in Anspruch zu nehmen – aus Sorge, dann ­höhere Versicherungsbeiträge zahlen zu müssen. Zurückgestuft werden Sie nur, wenn Sie einen selbstverschuldeten Schaden ersetzt bekommen haben.

Dieser Artikel ist hilfreich. 1409 Nutzer finden das hilfreich.