Die Versicherungswirtschaft will mit einer Info-Hotline ihr schlechtes Image verbessern. Finanztest hat unter 0 800/3 39 93 99 angerufen.

Da sollten Sie Zeit und Mühe nicht scheuen", sagt die Stimme am Telefon. Um eine günstige Versicherung zu finden, rät sie, vier bis fünf Angebote bei verschiedenen Gesellschaften einzuholen. Große sollten dabei sein.

Tante Gerda hätte das auch sagen können. Der Rat stammt jedoch aus dem "Informationszentrum der deutschen Versicherungen", getauft auf den verheißungsvollen Namen "Zukunft Klipp und Klar". Seit Januar 2000 versucht der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) sich hier als Verbraucherberater. Mit dem neuen Service, so Heidemarie Orlob, Leiterin des Informationszentrums, möchte die Branche ihr Image aufpolieren. Immerhin 300 Anrufe hat sie in den ersten beiden Betriebswochen gezählt.

Vier Broschüren mit Tipps für Schulabgänger, Uni-Absolventen, junge Paare und Berufsaussteiger hat das Infozentrum erstellt. Finanztest hat sie einmal durchgeblättert. Drei Informationshungrige haben sich beim kostenlosen Telefonservice des Infozentrums beraten lassen.

Nicht nur Versicherungen

Das erste Anliegen der Telefonberaterin scheint es zu sein, die Hefte an den Anrufer zu bringen. Motto: "Und wenn Sie dann noch Fragen haben ...".

Die Tipps in den jeweils gut 40 Seiten starken Werken sind vielfältig. Schulabgänger erfahren Vor- und Nachteile von Studium und Ausbildung ­ etwa, dass Azubis sofort selber Geld verdienen, ein Studium dafür die Karrierechancen erhöht. Auf vier Seiten steht etwas zu Versicherungen: Eine private Haftpflichtversicherung und ­ für alle, die von zu Hause ausziehen ­ der Abschluss einer Hausratversicherung seien sinnvoll. Dass eine Hausratversicherung meistens erst wichtig wird, wenn die Einrichtung einen gewissen Wert hat, dieser Hinweis fehlt in der Broschüre.

Dafür kommt der Rat, das eigene Auto "vollkaskozuversichern", bei betagteren Modellen reiche eine Teilkasko. Die Information, dass bei billigen Autos oft auch die Kfz-Haftpflichtpolice genügt, fehlt. Dabei ist die Vollkasko für Fahranfänger extrem teuer.

Nachteile verschwiegen

Uni-Absolventen erfahren, worauf sie beim ersten Arbeitsvertrag achten sollen. Versicherungsthemen sind drei Seiten gewidmet. Wieder ein Haken durch die Hintertür: "Es macht Sinn, die vermögenswirksamen Leistungen (VL) in eine Lebensversicherung zu investieren", heißt es. Dass die Lebensversicherung im Todesfall den Angehörigen weiterhilft, ist zwar nützlich. Geldanlagen ohne mitversichertes Todesfallrisiko wie Bausparverträge oder Fondssparpläne sind aber meistens renditestärker ­ und je nach Einkommen gibt es dafür auch noch einen Zuschuss vom Staat. Außerdem kommt man so schneller wieder an sein Geld heran. Eine Kapitallebensversicherung muss mindestens zwölf Jahre laufen, damit die Erträge steuerfrei sind.

Die "Klipp und Klar"-Beraterin verliert über die Nachteile der Lebensversicherung kein Wort. Bei Detailfragen verweist sie die Anruferin, eine Berufsanfängerin, an Banken, Versicherer oder die Personalabteilung des künftigen Arbeitgebers.

Auch für Fragen zur Krankenversicherung zeigt sie sich nicht zuständig: Dem hilfesuchenden Studenten, dessen Absicherung über die gesetzliche Krankenkasse der Eltern ausläuft, weil er 25 Jahre alt wird, kann sie nur die Nummer der Telefonzentrale des Bundesverbandes der privaten Krankenkassen in Köln mitgeben. Dort kenne man sich mit diesen Fragen aus.

Der Anruferin, die fürchtet, ihr Altersruhegeld werde zu gering ausfallen, rät die Beraterin zum Abschluss einer privaten Rentenversicherung. Nicht ganz falsch. Ob der Rat gut ist, hängt aber von vielen Aspekten ab: Wie sieht die finanzielle Situation der Anruferin im einzelnen aus, wie langfristig möchte sie sich festlegen, will sie ihren Kindern etwas vererben, benötigt sie irgendwann zwischendurch möglicherweise eine größere Menge Geld? "Klipp und Klar" spricht keinen dieser Punkte an.

So schlau wie zuvor

Günstige Gesellschaften, sagt die Dame von der Infohotline, dürfe sie grundsätzlich nicht nennen, denn die Beratung des GDV müsse wettbewerbsneutral sein.

Verständnis für orientierungslose Verbraucher zeigt sie aber doch. Etwa beim Thema Lebensversicherung: Es sei "verdammt schwierig, da noch durchzusteigen", sagt sie und rät, Angebote einzuholen.

Die Sorge, vom Vertreter zu viel Versicherungsschutz aufgeschwatzt zu bekommen, und die Frage, wie viel Versicherungsausgaben normal seien, werden klipp und klar zerstreut mit dem Hinweis, da gebe es kein Patentrezept. Bleibt das verzweifelte Gefühl, das meiste auch schon vor dem Anruf beim Informationszentrum gewusst zu haben.

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