Versicherung­scheck für Familien Test

Mit der Wahl der richtigen Policen können Eltern Jahr für Jahr sehr viel Geld sparen.

Ein Check bringt es an den Tag: Was nützt die beste Renten­versicherung, wenn die Kinder nicht abge­sichert sind, falls den Eltern etwas zustößt? Deshalb braucht jeder, der für eine Familie sorgt, eine Risiko­lebens­versicherung. Sie kostet nicht die Welt. Und damit sind die Kinder im schlimmsten Fall gut geschützt. Dagegen benötigt niemand etwa eine Ausbildungs­versicherung. Sie ist zu teuer, zu unflexibel und intrans­parent.

Bei diesen beiden Versicherungen ist die Entscheidung zwischen dem Für und Wider also ganz einfach. Bei anderen Policen ist die Sache nicht so eindeutig. Da müssen die Eltern abwägen. Auf jeden Fall lohnt es sich für jede Familie, den Versicherungs­schutz von Zeit zu Zeit zu über­prüfen, nach güns­tigen Verträgen zu suchen und sich von unnötigen und zu teuren Policen rigoros zu trennen (siehe die Über­sicht der wichtigen und unwichtigen Versicherungen). So kann sie sehr viel Geld sparen.

Leider tun viele das Gegen­teil. Denn von Jahr zu Jahr geben die Menschen in Deutsch­land mehr Geld für private Versicherungen aus: 2009 insgesamt 150,5 Milliarden Euro. Umge­rechnet auf jeden Einwohner, vom Baby bis zum Greis, waren dies 1 835 Euro, also 451 Euro mehr als 2004, so der Gesamt­verband der Deutschen Versicherungs­wirt­schaft.

Spar­chancen gefunden

Versicherung­scheck für Familien Test

Ute Hiller (rechts), ihre Lebens­part­nerin Sue Wilkinson-Hiller und die beiden Söhne Fionan und Joshua können bei ihrem Versicherungs­schutz einiges sparen. „Eine fonds­gebundene Lebens­versicherung würde ich heute nicht mehr abschließen“, sagt Ute Hiller.

Es lohnt sich, den Versicherungs­schutz zu prüfen. Am Beispiel der Familien von Ute Hiller und Astrid Nelke haben wir genau das getan. Während Ute Hiller fast 500 Euro im Jahr einsparen kann, bleiben bei Astrid Nelke sogar fast 900 Euro übrig. 10 847 Euro im Jahr zahlen Astrid Nelke und ihre Familie für ihren Schutz. Weil Astrid Nelke selbst­ständig ist, sorgt sie privat für ihr Alter vor – mit einer Rürup-Renten­versicherung und einer über ihr eigenes Unternehmen abge­schlossenen Direkt­versi­cherung. Allein für diese beiden Verträge zahlt sie Beiträge von insgesamt 6 480 Euro im Jahr. Für den weiteren Versicherungs­schutz sind es 4 367 Euro.

Versicherung­scheck für Familien Test

Astrid Nelke, ihre drei Kinder und ihr Lebens­gefährte Karl Schlich brauchen Auslands­reisekranken­schutz und eine Risiko­lebens­versicherung. Dafür können sie bei anderen Versicherungen sparen.

„Früher dachte ich, wir geben zu viel für Versicherungen aus; jetzt finde ich es ganz okay“, sagt Astrid Nelke. Die selbst­ständige Kommunikations­beraterin und Mutter von drei Kindern hat vor einiger Zeit zwei ihrer drei Kapital­lebens­versicherungen gekündigt. „Ich konnte das Geld gut gebrauchen für die Gründung meines Unter­nehmens“, sagt sie. Mit ihrer Entscheidung steht Astrid Nelke nicht allein. Obwohl eine vorzeitige Kündigung oft hohe Verluste bringt, hält nicht einmal die Hälfte aller Lebens­versicherungs­kunden bis zum Ende der Lauf­zeit durch. Dabei braucht keine Familie wirk­lich eine Kapital­lebens­versicherung. Sie vermischt auf intrans­parente Weise Geld­anlage und Hinterbliebenen­schutz. Der Kunde weiß nicht, wie viel von seinem Beitrag in den Spartopf fließt und wie viel in den Todes­fall­schutz. Für Geld­anlage und Alters­vorsorge gibt es flexiblere und rendite­stärkere Produkte. Und für die Absicherung der Kinder ist eine Risiko­lebens­versicherung besser.

Die Prioritäten

Neben der gesetzlich vorgeschriebenen Kranken­versicherung und der Risiko­lebens­versicherung braucht jede Familie unbe­dingt eine private Haft­pflicht­versicherung. Für alle, die Urlaub im Ausland machen, ist der Auslands­reisekranken­schutz sehr wichtig. Pflicht ist die Kfz-Haft­pflicht­versiche­rung für Auto­fahrer. Wenn dieser Schutz steht, sollten sich Eltern um die Absicherung des Einkommens im Falle ihrer Berufs­unfähigkeit kümmern. Eltern, die ihre Kinder im Fall einer Schwerbehin­derung durch Krankheit oder Unfall finanziell absichern wollen , sollten eine Kinder­invaliditäts­versicherung wählen. Beide Versicherungen sind jedoch teuer. Wer sich die Beiträge nicht leisten kann, sollte wenigs­tens eine gute Unfall­versicherung abschließen. Sie ist zwar güns­tiger, doch längst nicht so umfassend im Schutz.

Der Basis­schutz

Ein absolutes Muss für alle ist eine private Haft­pflicht­versicherung. Sie zahlt, wenn der Versicherte einen anderen schädigt. Entscheidend dabei ist der Versicherungs­schutz für die schwerwiegenden Fälle, zum Beispiel wenn ein Blumentopf von der Fens­terbank kippt und einen Passanten verletzt. Wird dieser so schwer am Kopf getroffen, dass er erwerbs­unfähig und pflegebedürftig wird, kann dies für den Verursacher des Unglücks den finanziellen Ruin bedeuten. Behand­lungs­kosten, Schmerzens­geld, Pflege­kosten, der behindertengerechte Umbau der Wohnung – das summiert sich unter Umständen auf Millionen. Deshalb benötigt jeder unbe­dingt eine private Haft­pflicht­versicherung – mit einer Versicherungs­summe von mindestens 3 Millionen Euro pauschal für Personen- und Sach­schäden.

Ute Hiller und ihre einge­tragene Lebens­part­nerin Sue Wilkinson-Hiller haben je einen Vertrag. Das ist einer zu viel. Eine Familie benötigt nur eine Police. Sie schützt alle Familien­mitglieder. Die jüngere Police kann ohne Frist gekündigt werden. Außerdem ist die Versicherungs­summe in beiden Verträgen zu nied­rig. Gut 1 Millionen Euro beträgt sie bei dem einen, beim zweiten ist es sogar nur die Hälfte. Für diesen schlechten Schutz bezahlen sie zu viel Geld. Sehr gute Angebote für Familien gibt es bereits ab 62 Euro.

Für Eltern sehr empfehlens­wert ist eine Risiko­lebens­versicherung. Sie ist der güns­tigste Hinterbliebenen­schutz für Kinder, Ehepartner oder Lebens­partner. Wenn Vater oder Mutter etwas zustößt, zahlt der Versicherer die Versicherungs­summe an den im Vertrag genannten Hinterbliebenen aus.

Ute Hiller und ihre Lebens­part­nerin haben eine Risiko­lebens­versicherung mit der hohen Todes­fall­leistung von 275 000 Euro abge­schlossen. „Damit kann im schlimmsten Fall der Kredit für unsere Eigentums­wohnung weiter bezahlt werden“, sagt Ute Hiller. Lauf­zeit und Versicherungs­summe kann der Kunde wählen. Je länger die Lauf­zeit und je höher die Versicherungs­summe, desto teurer ist der Vertrag.

Auslands­urlauber brauchen eine Auslands­reise-Kranken­versicherung. „Aber die Versicherungs­karte der gesetzlichen Kranken­versicherung gilt doch in der gesamten Europäischen Union“, sagt Astrid Nelke. Das stimmt. Und die Karte gilt sogar darüber hinaus in allen Ländern, mit denen Deutsch­land ein Sozial­versicherungs­abkommen geschlossen hat, beispiels­weise der Türkei. Doch die gesetzlichen Kassen über­nehmen nur die Kosten für die ambulante und stationäre Notfall­behand­lung vor Ort. Den Rück­flug eines Kranken bezahlen sie nie. Schon deshalb ist der Auslands­reisekranken­schutz für Familien sehr zu empfehlen. Er kostet nicht viel (siehe Tabelle Auslandsreise-Krankenversicherung).

Für das Familien­auto ist eine Auto­versicherung notwendig. Die Kfz-Haft­pflicht muss jeder Halter eines Autos abschließen. Sie über­nimmt die Schäden des Unfall­gegners und der Mitfahrer im eigenen Fahr­zeug. Eine Teilkasko­versicherung ist zwar nicht Pflicht, oft aber ein nützlicher Zusatz­schutz. Sie zahlt etwa bei Diebstahl und Schäden am eigenen Auto durch Unwetter.

Die Voll­kasko ersetzt zudem selbst­verschuldete Schäden am eigenen Auto und Schäden durch Vandalismus. In der Regel ist die Voll­kasko­versicherung teurer, weil sie mehr Schutz bietet als die Teilkasko. Nur bei Fahrern, die etwa 20 Jahre unfall­frei fahren, nähern sich die Preise an. Für Halter mit Kindern gibt es oft Rabatt, denn sie fahren laut Statistik vorsichtiger.

Bei unserem jähr­lichen Test der Auto­versicherungen stellen wir stets riesige Preis­unterschiede fest. Ein Vergleich der Angebote lohnt sich. Oft machen unsere Leser die Erfahrung, dass die eigene Versiche­rungs­gesell­schaft einen Beitrags­nach­lass gewährt, wenn ein Kunde sie mit einem konkreten Angebot der Konkurrenz konfrontiert.

Gesetzlich vorgeschrieben ist eine Kranken­versicherung. Wer mehr verdient als 49  950 Euro im Jahr, kann wählen, ob er sich gesetzlich oder privat kranken­versichert. Im Gegen­satz zur gesetzlichen sind in der privaten Kranken­versicherung Kinder und Ehepartner ohne eigenes Einkommen nicht beitrags­frei mitversichert. Für jedes Familien­mitglied muss Beitrag bezahlt werden.

Im schlimmsten Fall

Wenn ein Eltern­teil so krank wird, dass das Arbeiten unmöglich wird, hilft eine Berufs­unfähigkeits­versicherung. Sie zahlt eine monatliche Rente, wenn der Versicherte seinen Beruf dauer­haft nicht mehr ausüben kann. Verträge mit „sehr guten“ Bedingungen gibt es für 30-jährige Frauen ab 882 Euro im Jahr (siehe Tabelle Berufsunfähigkeits-Versicherung). Kunden, die älter sind als 40 Jahre, haben es schwer, einen bezahl­baren Vertrag zu bekommen. Denn mit zunehmendem Alter steigt das Krank­heits­risiko und damit auch das Risiko für die Versicherungs­gesell­schaft.

Deshalb macht es Sinn, schon als Berufs­anfänger einen Vertrag abzu­schließen. Am besten mit Nach­versicherungs­garantie. Dann kann die für den Versicherungs­fall vereinbarte Rente später bei bestimmten Anlässen wie beispiels­weise Heirat oder Immobilien­erwerb ohne Gesund­heits­prüfung erhöht werden.

Wenn ein Kunde keine bezahl­bare Berufs­unfähigkeits­versicherung bekommt, gibt es als Alternative eine Unfall­versicherung. Sie zahlt einen Geld­betrag, wenn der Versicherte nach einem Unfall dauer­hafte gesund­heitliche Schäden erleidet.

Wie viel der Versicherte bekommt, hängt davon ab, welche Versicherungs­summe er vereinbart hat und ob der Vertrag eine Progression enthält. Die Progression führt dazu, dass der Versicherte bei hoher Invalidität deutlich mehr als die vereinbarte Versicherungs­summe erhält. Hat ein Kunde zum Beispiel eine Versicherungs­summe von 100 000 Euro und eine Progression von 500 Prozent vereinbart, zahlt die Gesell­schaft bei einer Invalidität von 100 Prozent 500 000 Euro.

Auch für Kinder können Eltern eine Unfall­versicherung abschließen. Ute Hiller hat das für ihre beiden Söhne Fionan und Joshua ebenso getan wie Astrid Nelke für ihre drei Kinder Tim, Jan-Philipp und Marie-Christin. Diese drei haben jedoch einen Vertrag mit Beitrags­rück­gewähr. „Dann bekommen sie an ihrem 18. Geburts­tag 7 500 Euro ausgezahlt“, sagt Astrid Nelke. Dafür sind die Policen jedoch sehr teuer: 93 Euro im Monat.

Finanztest rät von solchen Verträgen ab. Die Beiträge sind in der Regel bei gleichem Leistungs­umfang um ein Vielfaches höher als bei einer reinen Unfall­versicherung. Sie enthält zusätzlich eine Kapital­lebens­versicherung, aus deren Ertrag die Beiträge für den Unfall­schutz bezahlt werden. Wie ­alle Kapital­lebens­versicherungen muss sie über viele Jahre abge­schlossen werden, damit nach Abzug aller Kosten über­haupt ein Ertrag entsteht. Der Kunde vermischt so den Risiko­schutz mit einer renditesch­wachen und unflexiblen Geld­anlage.

Für fast das gleiche Geld könnten die ­Eltern Kinder mit einer Kinder­invaliditäts­versicherung schützen. Diese Versicherung zahlt, wenn das Kind durch einen Unfall oder eine Krankheit schwerbehindert wird. 2007 (neuere Zahlen gibt es nicht) lebten in Deutsch­land 715 Kinder, die durch einen Unfall invalide wurden und 92 645, bei denen Krankheit die Ursache ihrer Schwerbehin­derung ist. Eine Kinder­invaliditäts­versi­cherung ist also der bessere Schutz. Je nach Alter des Kindes und Leistungs­umfang kostet sie zwischen 200 und 490 Euro im Jahr.

Erst wenn die wirk­lich wichtigen Verträge abge­schlossen sind, sollten Familien über Extras wie Zahn­zusatz- und Hausrat­versicherung nach­denken. Der Check für unsere Beispiel­familien zeigt, dass es gar nicht schwer ist, Lücken zu schließen und dennoch zu sparen.

Dieser Artikel ist hilfreich. 932 Nutzer finden das hilfreich.