Die Gott­schew­skys zeigen, was ein Versicherung­scheck bringt. Einige ihrer Policen sind gut, andere könnten besser sein.

Versicherung­scheck für Ältere Test

Erika und Kay Gott­schew­sky aus Rostock haben einige Versicherungen – auch als Haus­besitzer. Einzelne sollten sie austauschen und Lücken schließen. Bei der Auto­versicherung können sie 33 Euro im Jahr sparen.

Kay Gott­schew­sky ist ein pragmatischer Typ. Was sein muss, wird gemacht. So über­prüft der 73-jährige ehemalige Ingenieur für Seefunk aus Rostock gelegentlich seinen Versicherungs­schutz. Wir haben ihm diesmal beim Durch­sehen seiner Versicherungen über die Schulter geschaut.

Besonders im Blick hat Gott­schew­sky seine Auto­versicherung, weil er weiß, wie groß die Preis­unterschiede sind. Er wechselt fast jähr­lich den Versicherer. Zurzeit zahlt er für seinen neun Jahre alten BMW 261 Euro im Jahr für Haft­pflicht- plus Teilkasko­versicherung bei der Allianz. Das ist nicht teuer, denn mancher Anbieter verlangt 500 Euro im Jahr und mehr. Aber es geht noch preis­werter, wie unsere Analyse zeigt: Bei der R+V24 im Tarif Komfort müsste Gott­schew­sky nur 228 Euro zahlen.

Tipp: Unter www.test.de/analyse-kfz prüfen wir für Sie, ob Sie Ihr Auto güns­tiger versichern können. Die Analyse kostet 16 Euro.

Privathaft­pflicht­schutz zu knapp

Versicherung­scheck für Ältere Test

Als Ingenieur für Seefunk traut sich Kay Gott­schew­sky auch mit 73 Jahren noch in höhere Gefilde, wenn etwas repariert werden muss. Seine Unfall­versicherung ist allerdings nur mäßig.

Die wichtigste Police hat Gott­schew­sky so lange er denken kann: Die private Haft­pflicht­versicherung. Sie ersetzt Schäden, die er oder seine Ehefrau Erika (70) ohne Absicht anderen zufügen. Sie zahlt zum Beispiel, wenn einer der beiden als Radfahrer oder Fußgänger einen Verkehrs­unfall verursacht. Wird ein Mensch verletzt, können die finanziellen Forderungen enorm sein. Wir empfehlen deshalb mindestens drei Millionen Euro pauschal für Personen- und Sach­schäden als Versicherungs­summe.

Das Ehepaar hat einen Vertrag aus dem Jahr 1992. Die Versicherungs­summe war bis vor kurzem noch in D-Mark angegeben. Mitt­lerweile hat der Versicherer die Versicherungs­summe auf eine Million Euro für Personen- und Sach­schäden und 5 000 Euro für Vermögens­schäden umge­schrieben. Der Tarif kostet 54 Euro pro Jahr – für einen ähnlichen Betrag bekommen die beiden einen neueren Vertrag mit einer deutlich höheren Deckungs­summe.

Tipp Gute Tarife gibt es ab 60 Euro.

Sehr günstig ist auf den ersten Blick Gott­schew­skys Hausrat­versicherung für 57 Euro im Jahr bei knapp 63  000 Euro Versicherungs­summe. Doch der Schutz ist lückenhaft. Denn bei Über­spannungs­schäden – wenn Elektrogeräte durch Blitz­einschlag in eine Hoch­spannungs­leitung kaputt­gehen – zahlt der Versicherer nicht.

Außerdem kann es sein, dass die Versicherungs­summe für den heutigen Hausrat des Paares in der Rostocker Doppel­haushälfte nicht mehr ausreicht. Mithilfe unserer Check­liste unter www.test.de/checkliste-Hausratversicherung können sie den aktuellen Wert ihres Hausrats ermitteln.

Hausrat oft unter­versichert

Passt die Versicherungs­summe nicht zum Wert des Hausrats, ist der Kunde unter­versichert. Sein Versicherer bezahlt dann selbst bei kleinen Schäden nur einen Teil.

Einige Versicherer bieten an, die Unter­versicherung pauschal auszuschließen, wenn der Kunde eine Mindest­versicherungs­summe vereinbart. Für die Gott­schew­skys läge diese Summe bei 87 800 Euro, das sind rund 650 Euro für jeden ihrer 135 Quadrat­meter Wohn­fläche. Bei vielen Anbietern müssten die Rostocker dafür deutlich mehr als 200 Euro Beitrag zahlen. Beim güns­tigsten Anbieter wären es 144 Euro – damit aber immer noch 87 Euro mehr als bisher. Aus der Hausrat­versicherung, gibt es dann aber bei jedem Schaden – egal ob Einbruch­diebstahl oder Brand – Ersatz bis zur Versicherungs­summe.

Viele ältere Menschen haben wert­volle Dinge wie Schmuck oder Kunst­gegen­stände. Die können sie versichern, indem sie eine Hausrat­versicherung mit hohem Anteil für Wert­sachen nehmen.

Die zeigt am Beispiel der Stadt Dessau güns­tige Angebote in der Tarifzone zwei für einen Haushalt mit 133 000 Euro Versicherungs­summe bei einem Anteil für Wert­sachen von mindestens 40 Prozent.

Tipp: Eine güns­tige Hausrat­versicherung finden Sie mithilfe unserer Tarif­analyse für 12 Euro unter www.test.de/analyse-hausrat.

Schutz für Haus und Grund

Erika und Kay Gott­schew­sky haben eine Wohn­gebäude­versicherung, die für Schäden an ihrem Haus durch Feuer, Leitungs­wasser, Sturm und Hagel aufkommt. Dieser Mehr­fach­schutz ist für alle Eigentümer sehr wichtig, denn der Verlust eines Gebäudes – etwa durch einen Brand – ist finanziell kaum zu verkraften.

Die Gott­schew­skys haben ihr Gebäude seit 1992 bei der Allianz versichert. Die Versicherungs­summe haben sie mitt­lerweile von D-Mark auf Euro umschreiben lassen.

Der Preis der Wohn­gebäude­versicherung hängt von Beschaffenheit, Größe und Lage des Hauses ab – aber natürlich auch vom Anbieter. Die Preis­unterschiede sind gewaltig. Eine Auswahl preis­werter Anbieter für unseren Modell­fall sind in der Tabelle auf Seite 75 aufgeführt.

Tipp: Über­prüfen Sie Ihren Schutz. Weitere güns­tige Angebote gibt es für 3 Euro unter www.test.de/wohngebaeudeversicherung.

Haft­pflicht für Vermieter

Die erste Etage in ihrem Wohn­haus in Rostock haben die Gott­schew­skys vermietet. Da es sich um eine Einlieger­wohnung handelt, reicht den Gott­schew­skys für Schäden, die durch ihre Schuld ihren Mietern entstehen, ihre Privathaft­pflicht­versicherung. Die meisten Versicherer über­nehmen Schäden in dem Zusammen­hang. Die Police springt ein, wenn die Gott­schew­skys beispiels­weise schlecht Schnee geschippt hätten, ein Mieter ausrutscht und sich verletzt.

Das Ehepaar vermietet ein weiteres Haus in Malchow. Geschieht hier ein Schaden, schützt die Privathaft­pflicht­versicherung nicht. Deshalb hat Kay Gott­schew­sky eine Haus- und Grund­besitzer-Haft­pflicht­versicherung abge­schlossen. Der Vertrag ist von 1992, Schäden sind bis zu einer Million Euro abge­sichert. Besser sind Policen, die eine Versicherungs­summe von mindestens drei Millionen Euro haben.

Tipp: Gute güns­tige Policen finden Sie in der Tabelle.

Zweierlei Kranken­versicherungen

Gesetzlich Versicherte können gezielt eine Krankenkasse wählen, die Leistungen anbietet, die für Senioren interes­sant sind. Dazu gehören beispiels­weise der Anspruch auf eine Haus­halts­hilfe bei Krankheit, auch wenn kein Kind mehr zu versorgen ist, Extrageld für die Teil­nahme an Programmen für Diabetes- oder Herz­kranke oder auch die Unterstüt­zung bei der Organisation eines Termins beim Fach­arzt.

Erika Gott­schew­sky hat als Friseurin gearbeitet und aufgrund ihres Berufes die Innungs­krankenkasse IKK Nord gewählt – ihr Mann ist dagegen bei der Techniker Krankenkasse versichert. „Es ist spannend zu sehen, welche Leistungen die jeweils andere Kasse bietet“, sagt Kay Gott­schew­sky.

Die Techniker hilft beispiels­weise all ihren Versicherten bei der Vermitt­lung von Fach­arzt­terminen – die IKK Nord nicht.

Beide Kassen beteiligen sich an den Kosten für Präventions­kurse wie Yoga oder Nordic Walking. Die IKK Nord zahlt hierfür sogar bis zu 180 Euro pro Kurs, die Techniker hingegen nur 75 Euro.

Geld für die Teil­nahme an Programmen für chro­nisch Kranke, zum Beispiel bei Diabetes oder Herz­erkrankungen, zahlt allerdings keine der Kassen. Auch Kosten für eine Haus­halts­hilfe bei schwerer Krankheit über­nimmt weder die IKK Nord noch die Techniker, wenn kein Kind mehr zu versorgen ist. Gott­schew­skys könnten problemlos zu einer anderen Kasse wechseln, da sie bereits seit Jahren bei ihren Kassen sind. Jeder, der mindestens 18 Monate bei seiner Krankenkasse Mitglied ist, kann wechseln, unabhängig von Alter oder Vorerkrankungen.

Tipp: Welche Kasse in Ihrer Region die Zusatz­angebote Ihrer Wahl bietet, können Sie für 3 Euro mit unserem Online-Vergleichs­rechner im Internet unter www.test.de/krankenkassen heraus­finden.

Privater Zusatz­schutz

Kassenpatienten, die im Alter mehr Leistungen wollen, als ihnen die gesetzliche Kasse bietet, können sich durch private Zusatz­versicherungen schützen.

„3 000 Euro habe ich gerade für zwei neue Zahn-Implantate ausgegeben“, sagt Kay Gott­schew­sky. „Eine Zahn­zusatz­versicherung wäre da nicht schlecht gewesen, aber die hätten wir wohl früher abschließen müssen.“

Das Alter spielt für den Abschluss einer Zahn­zusatz­versicherung nur indirekt eine Rolle. Vielmehr geht es darum, wie gesund das Gebiss ist. Rentner, die eine Zahn­zusatz­police abschließen wollen, müssen damit rechnen, dass der Versicherer einzelne Leistungen im Vertrag ausschließt. Fehlen dem Patienten bereits Zähne, wird der Versicherer beispiels­weise die Kosten für das Schließen dieser Lücken nicht über­nehmen.

Tipp: Eine Zahn­police brauchen Sie nur, wenn Sie teureren Zahn­ersatz wünschen, als die Regel­versorgung der Kassen vorsieht – etwa Implantate anstelle von Brücken.

Chef­arzt und Einzel­zimmer

Extras zur Kranken­versicherung schließt man besser möglichst früh ab. Das gilt auch für eine Kranken­haus­zusatz­versicherung. Sie kommt für die Kosten auf, wenn Patienten im Kranken­haus vom Chef­arzt behandelt werden und im Einzel- oder Zweibett­zimmer liegen möchten. Je älter der Kunde beim Abschluss der Versicherung ist, desto höher sind die Beiträge.

Die Kosten­über­nahme für die Chef­arzt­behand­lung ist die wichtigste Leistung einer solchen Zusatz­police. Anders als die Kosten fürs Einzel­zimmer kann der Patient Chef­arzt­honorare kaum selbst zahlen.

Tipp: Den Test zu den Kranken­haus­zusatz­policen finden Sie unter www.test.de/krankenhauszusatzversicherung.

Unfall­versicherung mit Mängeln

Als Haupt­verdiener der Familie hat Kay Gott­schew­sky 1968 eine Unfall­police abge­schlossen. Für den Fall, dass ihm etwas zustoßen sollte, wollte er seine Familie abge­sichert wissen. „Mitt­lerweile bin ich aber unsicher, ob diese Police noch etwas taugt.“

Er zahlt dafür 20 Euro im Monat bei der Allianz. Güns­tiger wäre es, wenn er den Beitrag für die Versicherung jähr­lich zahlte, dann fiele der Aufschlag weg, den Versicherer bei unterjäh­riger, also monatlicher oder vierteljähr­licher Zahlung verlangen.

Im Fall einer Vollinvalidität, wenn Kay Gott­schew­sky beispiels­weise nach einem Unfall im Roll­stuhl sitzen müsste, bekäme er 46 097 Euro ausgezahlt. Das mag nach viel Geld klingen, ist aber wenig, wenn beispiels­weise die Wohnung roll­stuhlgerecht umge­baut werden muss. Eine gute Police sollte bei einer Vollinvalidität deutlich mehr leisten.

Für Kay Gott­schew­sky würde sich eigentlich ein Wechsel lohnen. Das Preis-Leistungs-Verhältnis seiner alten Police ist nicht gut. Aber: Will ein älterer Mensch eine neue Unfall­versicherung abschließen, hat er bei vielen Versicherern Pech. Nur wenige Anbieter lassen Neuabschlüsse mindestens bis zum 75. Geburts­tag zu (siehe ) und auch bei diesen Anbietern müssen ältere Kunden damit rechnen, dass sie entweder mehr zahlen müssen oder nur verringerte Leistungen bekommen. Selbst Bestands­kunden wird ab einem bestimmten Alter oft gekündigt.

Andere Versicherer wollen ältere Menschen zum Abschluss einer speziellen Senioren-Unfall­police bewegen. Diese Angebote sind oft teurer. Sie enthalten dafür Leistungen wie Putz- und Pflege­dienste in der ersten Zeit nach einem Unfall.

Tipp: Wer in dieser Situation Hilfe von anderen bekommt, kann sich das Geld für eine spezielle Senioren-Police sparen. Er ist mit einem Normal­tarif besser bedient.

Auslands­reise-Kranken­versicherung

Steht im Ruhe­stand endlich die lang geplante Fernreise an, sollten Rentner prüfen, ob sie dafür ausreichenden Kranken­schutz im Gepäck haben. Für Urlaube von mehreren Wochen reicht eine einfache Auslands­reise-Kranken­versicherung (siehe Tabelle).

Für Reisen, die länger dauern, sollte es eine Police für Einzel­reisen sein. Ihr Preis hängt von der Dauer der Reise ab. Ältere Kunden müssen meist mit einem Alters­zuschlag rechnen.

Tipp: Mehr zum Schutz für lange Reisen lesen Sie im aktuellen Test unter der Über­schrift „In 80 Tagen um die Welt“.

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