Das Finanzamt muss mehr für die Kranken- und Pflegeversicherung anerkennen. Das bringt Versicherten ab 2010 einige Hundert Euro.

Ins Rollen gebracht hat den Stein das Bundesverfassungsgericht. Die Richter entschieden vergangenes Jahr, dass die Finanzämter von den Beiträgen für die Kranken- und Pflegeversicherung zu wenig anerkennen. Spätestens ab 2010 müssen Versicherte alle existenziell notwendigen Ausgaben absetzen können.

Daraufhin hat das Bundeskabinett am 18. Februar 2009 das Bürgerentlastungsgesetz beschlossen. Vor allem Arbeitnehmer, aber auch einige Selbstständige und Beamte gewinnen damit viel Geld. Häufig geht es um ein paar Hundert Euro, manchmal sogar um mehr als tausend. Rentner profitieren meistens nicht.

Diese Regeln sieht das neue Gesetz vor:

  • Gesetzlich und privat Versicherte können für all das, was den regulären Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung und der Pflegepflichtversicherung entspricht, den Beitrag als Sonderausgabe absetzen.
  • Im Gegenzug fallen beim Finanzamt Versicherungen wie Haftpflicht-, Arbeitslosen-, Unfall- und Berufsunfähigkeitspolicen unter den Tisch.
  • Beiträge für die Altersvorsorge, Rürup- und Riester-Verträge setzen Arbeitnehmer und Selbstständige wie bisher separat als Sonderausgaben ab.
  • Nachteile hat zunächst keiner. Ist der bisherige Versicherungsabzug günstiger, erhalten Versicherte ihn bis 2019 weiter.

Arbeitnehmer werden die Vorteile schon bei der Gehaltsabrechnung im Januar 2010 spüren. Wenn sie später eine Steuererklärung abgeben, kann sich ihr Gewinn aber noch ändern. Ihr Plus beim Gehalt schätzen Angestellte mit der Tabelle „Plus für Angestellte bei der Lohnabrechnung“ ab.

Den Gewinn nach der Jahressteuerabrechnung finden Angestellte, Beamte und Selbstständige in den Tabellen. Um sich einzuordnen, überschlagen sie, wie viel das Finanzamt für ihre Kranken- und Pflegeversicherung anerkennen wird.

So rechnen gesetzlich Versicherte

Am einfachsten haben es gesetzlich versicherte Arbeitnehmer. Sie gehen vom voraussichtlichen Jahresbruttolohn aus. So hoch ist ihr Anteil für die Kranken- und Pflegeversicherung ab 1. Juli 2009:

Beitragssatz für Versicherte ohne Kinder 1)
Krankenversicherung: 7,9 Prozent
Pflegeversicherung: 1,225 Prozent
Gesamtbeitrag: 9,125 Prozent

Beitragssatz für Versicherte mit Kindern
Krankenversicherung: 7,9 Prozent
Pflegeversicherung: 0,975 Prozent
Gesamtbeitrag: 8,875 Prozent

1) Für Kinderlose ab dem 23. Lebensjahr, die nach 1939 geboren wurden.

Wer seinen Beitrag nur überschlagen will, nimmt 9 Prozent vom Bruttolohn. Alle anderen rechnen weiter. Gesetzlich versicherte Arbeitnehmer etwa haben Anspruch auf Krankengeld und müssen dafür vom Jahresbeitrag, den sie für ihre Krankenversicherung zahlen, 4 Prozent abziehen.

Beispiel: Mit 40 000 Euro brutto zahlt eine Alleinstehende 3 160 Euro (7,9 Prozent) im Jahr an die Krankenkasse. Hat sie Anspruch auf Krankengeld, zieht das Finanzamt 4 Prozent ab, sodass 3 034 Euro bleiben. Dazu kommen 490 Euro (1,225 Prozent vom Brutto) für die Pflegeversicherung, wenn die Frau kinderlos ist. Insgesamt erkennt das Finanzamt 3 524 Euro an.

In der Tabelle „Plus für Angestellte bei der Lohnabrechnung“ sieht die Angestellte, dass ihr Gewinn bei der Gehaltsabrechnung im Jahr zwischen 509 und 842 Euro liegen wird. Exakt beträgt er 684 Euro.

Nicht so viel rechnen müssen gesetzlich Versicherte, die mindestens 44  100 Euro brutto im Jahr verdienen. Sie zahlen für ihre Kranken- und Pflegeversicherung den Höchstbeitrag. Mit Kindern beträgt er 3 914 Euro und ohne Kinder 4 024 Euro im Jahr.

Selbstständige, die gesetzlich versichert sind, zahlen die Versicherungsbeiträge vom Gewinn. Weil sie ihre Ausgaben meist allein finanzieren, sind diese in der Regel doppelt so hoch wie für Arbeitnehmer.

So rechnen Privatversicherte

Nur grob schätzen können viele Privatversicherte den Beitrag, den das Finanzamt anerkennt. Sie können den Beitrag nur dann voll absetzen, wenn ihr Tarif nur Leistungen auf dem Niveau der gesetzlichen Kranken- und Pflege-Pflichtversicherung bietet.

Privatversicherte haben aber meist Extraleistungen wie Chefarztbehandlung oder Einzelzimmer vereinbart.

Den Beitrag dafür müssen sie weglassen. Steht er weder im Versicherungsvertrag noch auf der Beitragsrechnung, kürzen sie ihre Ausgaben grob um 10 bis 20 Prozent. Ob sie einen Tarif mit oder ohne Selbstbehalt haben, ist egal.

Beispiel: Ein Einzelhändler zahlt im Jahr 4 500 Euro für seine Privatversicherung. Seine Frau, die auch selbstständig ist, gibt 5 500 Euro aus. Für die zwei privat versicherten Kinder kommen je 2 400 Euro dazu. Der gesamte Schutz kostet 14 800 Euro.

Alle Verträge sehen Extraleistungen wie Chefarztbehandlung und Einzelzimmer vor. Das Paar kürzt die Ausgaben deshalb um 20 Prozent und setzt die restlichen 11 840 Euro ab. Versteuern beide Partner 80 000 Euro, sehen sie in der Tabelle, dass selbstständige Paare mit diesem Einkommen und 12 000 Euro Versicherungsbeitrag 668 Euro gewinnen.

Der Versicherungsabzug seit 2005

Schon heute gibt es zwei Möglichkeiten für den Versicherungsabzug. Ab 2010 werden es drei sein und das Finanzamt prüft jeweils, welches die günstigste ist.

Zurzeit muss die Behörde nur entscheiden, ob der Versicherungsabzug ab 2005 oder aus der Zeit davor besser ist, wenn Versicherte eine Steuererklärung abgeben.

Die meisten Arbeitnehmer, aber auch einige Selbstständige schneiden bisher mit der seit 2005 gültigen Regelung besser ab. Sie setzen Kranken- und Pflegeversicherungen zusammen mit Schutz wie Arbeitslosen- und Haftpflichtversicherungen ab. Die Höchstbeträge sind jedoch sehr gering:

  • 1 500 Euro im Jahr für Versicherte, die wie Angestellte einen steuerfreien Zuschuss zum Beitrag erhalten oder wie Beamte Anspruch auf Beihilfe haben. 3 000 Euro, wenn das für beide Ehepartner gilt.
  • 2 400 Euro für Versicherte, die wie die meisten Selbstständigen den Beitrag allein finanzieren. 4 800 Euro, wenn das für beide Ehepartner gilt.

Wie wenig die meisten zurzeit absetzen können, zeigen zwei Beispiele:

Ein gesetzlich versicherter Arbeitnehmer ohne Kinder mit 40 000 Euro brutto im Jahr zahlt 3 650 Euro für seine Kranken- und Pflegeversicherung (9,125 Prozent vom Lohn). Davon erkennt das Finanzamt 2 150 (3 650 –1 500) Euro nicht an.

Ein privatversicherter, selbstständiger Familienvater legt für sich, seine Frau und die Kinder 14 000 Euro Kranken- und Pflegeversicherungsbeitrag hin. Er setzt 4 800 Euro ab, 9 200 Euro fallen unter den Tisch.

Arbeitslosen- und Haftpflichtversicherungen wirken sich gar nicht mehr aus.

Der Versicherungsabzug vor 2005

Für viele Rentner, aber auch Beamte und Selbstständige ist der Versicherungsabzug aus der Zeit vor 2005 günstiger. Danach kommen Beiträge für die Grundversorgung im Alter mit denen für Schutz wie Kranken- und Pflegepolicen in einen Topf.

Das ist für Rentner meist günstig, weil sie nichts für die Altersvorsorge ausgeben. Sie können deshalb Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge voll absetzen und mit der Neuregelung ab 2010 nichts gewinnen.

Auch Selbstständige sind mit den ganz alten Regeln oft gut bedient. Das Finanzamt zieht bei ihnen Beiträge bis 4 402 Euro voll und weitere 1 334 Euro zur Hälfte von den Einkünften ab. Maximal können sie 5 069 (Ehepaare 10 138) Euro im Jahr absetzen.

Für Beamte, die nichts für die Altersvorsorge ausgeben, sind die älteren Regeln ebenfalls oft gar nicht schlecht. Sie setzen damit bis zu 2001 (Ehepaare: 4 002) Euro im Jahr ab, wenn sie mindestens 19 175 (Ehepaare: 38 350) Euro brutto im Jahr verdienen. Trotzdem schneiden auch einige Staatsdiener ab 2010 besser ab.

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