Versicherungs-Check Test

Die Ausbildung, der erste Job, die eigene Familie: Mit jeder Lebensphase ändert sich der Versicherungsbedarf. Wir sagen, was nötig und was überflüssig ist und nennen günstige Tarife.

Für unsere Versicherungen geht schon eine Menge Geld weg“, überlegen Kat-rin und Thomas Langer. Ein Blick in ihren Versicherungsordner zeigt, dass die Eltern von zwei Kindern dafür knapp 4 000 Euro im Jahr ausgeben. Die Beiträge für Krankenversicherung und Altersvorsorge sind dabei noch nicht einmal berücksichtigt.

Wenn die Langers wie geplant noch zwei neue Versicherungen für ihre Söhne abschließen, um Christoph und Moritz für den Fall der Invalidität zu schützen, steigen die Ausgaben weiter.

Der Versicherungsbedarf der jungen Familie aus Ratingen im Raum Düsseldorf hat sich in den vergangenen Jahren deutlich gewandelt: Studium, der erste Job, eine gemeinsame Wohnung, das eigene Haus, die Geburt der Kinder – in jeder Phase kamen neue Verträge dazu.

Welche Folgen private und berufliche Veränderungen für den Versicherungsbedarf haben, zeigen wir auf den folgenden Seiten an vier Beispiel-Haushalten: Welche Verträge sind wirklich wichtig? Bis wann sind junge Leute über ihre Eltern mit abgesichert? Welchen Schutz kann man sich ­gerade in jungen Jahren sparen?

Mehr Ausgaben für Versicherungen

Die Bundesbürger geben immer mehr Geld für Versicherungen aus. Im vergangenen Jahr zahlte jeder durchschnittlich mehr als 2 000 Euro. Doch hohe Ausgaben garantieren keinen optimalen Schutz.

Ausgerechnet eine der wichtigsten Policen fehlt in manchem Haushalt: Denn nur rund 70 Prozent der Haushalte haben eine Privathaftpflichtversicherung.

Der Schutz hilft, wenn die Versicherten nach dem Gesetz für einen Schaden aufkommen müssen, den sie jemand anders zugefügt haben.

Verschuldet zum Beispiel ein Radfahrer einen Unfall, bei dem Menschen verletzt werden, ist er ohne Versicherungsschutz unter Umständen ruiniert. Denn wenn der Geschädigte seinen Beruf nicht mehr ausüben kann, müsste der Radfahrer ihm womöglich eine regelmäßige Rente zahlen.

In rund 77 Prozent der deutschen Haushalte gibt es hingegen eine Hausratversicherung. Sie ist hilfreich, wenn bei einem Einbruch Wertsachen gestohlen werden oder ein Wasserschaden die Möbel beschädigt. Doch zu den unbedingt notwendigen Verträgen gehört diese Police nicht.

Notwendig – sinnvoll – überflüssig

Vor dem Vertragsabschluss sollte jeder prüfen, ob er den angebotenen Versicherungsschutz wirklich benötigt. Hier ist es wichtig, zwischen notwendigen, sinnvollen und überflüssigen Verträgen zu unterscheiden. Selbst die sinnvollen Policen sind erst dran, wenn der notwendige Schutz bereits vorhanden ist.

  • Notwendig: Ist der Vertrag unverzichtbar, weil ein Schaden ohne diesen Schutz den ­finanziellen Ruin bedeuten würde? Das gilt zum Beispiel für die Privathaftpflichtversicherung. Auch eine Krankenversicherung muss sein: Die meisten Menschen sind in Deutschland über eine gesetzliche Krankenkasse versichert – je nach Einkommen und beruflicher Situation kommt auch ein privater Versicherer infrage.

Unbedingt zu empfehlen ist privater Schutz für den Fall der Berufsunfähigkeit. Wer Angehörige zu versorgen hat, benötigt außerdem eine Risikolebensversicherung, die im Todesfall einspringt.

Mancher Versicherungsschutz ist sogar gesetzlich vorgeschrieben. Das gilt neben der Kranken- und Pflegeversicherung zum Beispiel für die Kfz-Haftpflichtversicherung: Fahrzeughalter kommen um diesen Schutz nicht herum.

  • Sinnvoll: Ist der Vertrag sinnvoll, weil das eigene finanzielle Polster ohne den Versicherungsschutz durch einen Schaden erheblich belastet würde? Zu den sinnvollen Verträgen könnte zum Beispiel je nach Wert der Wohnungseinrichtung die Hausratversicherung zählen oder eine Verkehrsrechtsschutzversicherung für Autofahrer.
  • Überflüssig: Ist der Vertrag überflüssig, weil der Bedarf nicht da ist oder das Preis-Leistungs-Verhältnis nicht stimmt? Damit scheiden zum Beispiel eine Reisegepäckversicherung oder eine Ausbildungsversicherung sehr schnell aus. Beide sind für das, was sie bieten, zu teuer.

Zusätzlicher privater Schutz

Unter den sehr empfehlenswerten Policen ist eine Versicherung für den Fall der Berufsunfähigkeit besonders teuer, aber auch besonders wichtig. Denn wer seinen Beruf aus ­gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben kann, steht mit der Erwerbsminderungsrente aus der gesetzlichen Versicherung schlecht da: Diese Leistungen ­allein reichen fast nie zum Leben.

Die Berliner Studentin Lina Nientimp oder der Leipziger Berufseinsteiger Christian Kühne würden bei Erwerbsunfähigkeit ohne privaten Zusatzschutz sogar komplett leer ausgehen: Eine gesetzliche Erwerbsminderungsrente erhält nur, wer vorher mindestens fünf Jahre Beiträge in die Rentenkasse gezahlt hat.

Nahezu ein Muss ist für gesetzlich Krankenversicherte, die ins Ausland reisen, eine Auslandsreise-Krankenversicherung. Sie kommt nicht nur für Behandlungen im Ausland auf, sondern auch für einen Rücktransport nachhause, wenn er aus medizinischen Gründen geboten ist. Meist reicht ein günstiger Jahresvertrag.

Die Versicherer begrenzen aber die maximale Reisedauer. Das sollten zum Beispiel Studenten beachten, die ein Auslandssemester planen. Sie benötigen einen separaten Vertrag für den längeren Aufenthalt.

Erst wenn solche notwendigen Verträge abgeschlossen sind, sollten junge wie ältere Kunden Geld für die Altersvorsorge zur Seite legen und über Extras wie eine Zahnzusatzversicherung nachdenken.

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