Kündigung: Raus aus dem alten Vertrag

Versicherungs-Check Test

Durch das neue Versicherungsvertragsgesetz haben sich die Regeln für die Kündigung von Versicherungen geändert. Der Wechsel mancher Verträge ist jetzt einfacher.

Der Preis für den Versicherungsschutz ist zu hoch, die Vertragsbedingungen sind schlechter als bei anderen Anbietern, der Service eines Versicherers gefällt nicht mehr: Schön wäre es, wenn Kunden dann sofort zu einem anderen Versicherer wechseln könnten. Doch ganz so einfach ist es nicht – die Wechselwilligen müssen Fristen einhalten, wenn sie ihren Vertrag kündigen wollen (siehe Tabelle Kündigung von Versicherungsverträgen).

Durch das neue Versicherungsvertragsgesetz (VVG) haben sich jedoch seit Anfang 2008 einige Kündigungsregeln zugunsten der Kunden geändert. Anspruch darauf haben zwar bis Jahresende nur Kunden, die erst in diesem Jahr Verträge abgeschlossen haben. Doch viele Versicherer wenden die neuen Regeln schon jetzt auch für Altverträge an. Ab Anfang 2009 gelten sie dann für alle bereits bestehenden Verträge.

Ein Beispiel: Nach einem Wasserrohrbruch übernimmt der Hausratversicherer den Schaden. Allerdings dauert dem Kunden die Abwicklung zu lange, sodass er sich einen anderen Versicherer wünscht.

Der Mann kündigt seinen Vertrag mit sofortiger Wirkung – das war und ist nach einem Schadensfall möglich. Nach dem neuen Versicherungsvertragsgesetz muss er den Versicherungsbeitrag nur noch anteilig bis zum Zeitpunkt der Kündigung zahlen. Nach altem Recht hatte der Versicherer Anspruch auf den Beitrag für das gesamte Versicherungsjahr, auch wenn das Jahr gerade erst begonnen hatte.

Leistungen und Laufzeiten

Einen weiteren Vorteil bietet das neue Gesetz Kunden mit Langzeitverträgen. Ab 2009 können sie alle Verträge, die sie für eine Laufzeit von mehr als drei Jahren geschlossen haben, bereits zum Ende des dritten Vertragsjahres und danach jährlich kündigen.

Für Neuverträge gilt diese Regelung seit dem 1. Januar 2008. Für Altverträge, die bis Ende 2007 geschlossen wurden, gilt im Jahr 2008 bei vielen Versicherern noch die alte Regelung, nach der eine Kündigung frühestens nach fünf Jahren möglich ist.

Erhöht ein Versicherer seine Beiträge, ohne gleichzeitig die Leistungen zu erweitern, haben ab 2009 auch Versicherungsnehmer mit sehr alten Verträgen immer die Möglichkeit zu kündigen. Wenn eine Beitragserhöhung geplant ist, muss der Versicherer den Kunden spätestens einen Monat vorher informieren und ausdrücklich auf das Kündigungsrecht hinweisen.

Frist für den Widerruf

Merkt ein Kunde schon kurz nach Unterschreiben des Vertrags, dass das Angebot doch nicht das Richtige ist, hat er zwei Wochen Zeit, um den Antrag zu widerrufen – bei Lebensversicherungen sogar 30 Tage.

Die Widerrufsfrist beginnt, sobald der Versicherer dem Antragsteller alle Unterlagen in Textform gegeben hat: den Versicherungsschein, die Vertragsbestimmungen mit den allgemeinen Versicherungsbedingungen und eine deutlich gestaltete Belehrung über das Widerrufsrecht.

Die Versicherer müssen ihre Kunden besser informieren als früher. Sie müssen die kompletten Versicherungsbedingungen bereits übergeben, wenn der Antrag auf einen Vertrag gestellt wird. Bisher war es möglich, die Vertragsinformationen erst mit dem Versicherungsschein zu übergeben. Für alle ab 2008 geschlossenen Verträge geht das nicht mehr.

Dieser Artikel ist hilfreich. 2264 Nutzer finden das hilfreich.