Versicherungs-Check Test

Alleinerziehende, Rentner oder Familien – eine Police, die für den einen wichtig ist, braucht der andere womöglich nicht. Beim Beitrag sparen können alle.

In der Finanzkrise sparen die Menschen mehr, aber leider nicht am Ver­sicherungsbeitrag. Dabei ist das leicht möglich.

Von Jahr zu Jahr geben die Menschen in Deutschland mehr Geld für private Versicherungen aus. Jeder Haushalt zahlte im vergangenen Jahr durchschnittlich 3 680 Euro für seine Policen, so der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft. Das waren 748 Euro mehr als 2004.

Die Kunden der Versicherer zahlen jährlich 20 Milliarden Euro zu viel für ihren Versicherungsschutz. Das ist die Einschätzung des Forschungs- und Beratungsunternehmens Evers & Jung in einer Studie für das Bundesverbraucherministerium.

Jeder Haushalt könnte im Schnitt jährlich 400 Euro sparen, wenn er sich „auf die existenziellen Risiken mit geringer Eintrittswahrscheinlichkeit konzentrierte und jeweils die leistungsstärksten Versicherer wählte“, heißt es in der Studie. „In der Praxis werden jedoch eher Kleinrisiken mit höherer Wahrscheinlichkeit abgesichert, offenbar weil sie als greifbarer erscheinen, und die Anbieterauswahl wird selten optimiert“, schreiben die Autoren. Im Klartext: Viele Verbraucher haben die falschen Policen und ihr Versicherungsschutz ist zu teuer.

Riesige Preisunterschiede

Oft kann der Kunde dieselbe Versicherungsleistung für viel weniger Geld bekommen. In unserem jüngsten Test der Risikolebensversicherungen haben wir zum Beispiel Preisunterschiede von mehr als 100 Prozent ermittelt. So kann sich ein 35-jähriger Nichtraucher bei der günstigsten ­Gesellschaft bereits für 259 Euro im Jahr versichern. Beim teuersten Versicherer im Test kostet der Schutz 575 Euro.

Auch bei der Hausratversicherung ist der Unterschied zwischen günstig und teuer enorm. Schutz für eine 85 Quadratmeter große Wohnung in Köln, die Schäden bis zu 56 000 Euro abdeckt, gibt es für einen Jahresbeitrag von 93 Euro, aber auch für 377 Euro. Der Preisunterschied: 284 Euro.

Schluss mit teuer

Wer günstig abschließt, sich rigoros von zu teuren Versicherungen trennt und überflüssige Versicherungen kündigt oder erst gar nicht unterschreibt, kann eine Menge Geld sparen. Im Folgenden zeigen wir, wo vor allem Familien, Alleinerziehende und Rentner sparen können – und welchen Schutz sie wirklich benötigen.

Überflüssig für alle sind zum Beispiel diese Policen:

  • Insassenunfallversicherung,
  • Autoschutzbrief,
  • Reisegepäckversicherung,
  • Krankenhaustagegeld-Versicherung,
  • Ausbildungsversicherung,
  • Kapitallebensversicherung.

Allein 4,4 Millionen Insassenunfallversicherungen und 19 Millionen Autoschutzbriefe gibt es. Millionen Menschen haben also einen Schutz, den sie nicht brauchen.

Eine Insassenunfallversicherung benötigen sie nicht, denn Mitfahrende sind über die Kfz-Haftpflichtversicherung des Fahrers versichert. Der Fahrer selbst ist besser über eine Berufsunfähigkeits- oder Unfallversicherung geschützt.

Ein Autoschutzbrief bietet organisatorische Hilfen der Versicherungsgesellschaft nach Unfällen oder Autopannen. Solche Leistungen sind häufig schon in der Autoversicherung eingeschlossen. Oft stimmt auch das Preis- Leistungs-Verhältnis nicht.

Die „Niemals-Geld-Police“

Reisegepäckversicherungen sind meist teuer und greifen nur, wenn der Versicherte strenge Auflagen erfüllt. Im Grunde muss er so gut auf sein Gepäck achten, dass es gar nicht gestohlen werden kann – einmal weggeschaut, schon stellt sich der Versicherer quer und beruft sich auf Fahrlässigkeit. Spöttisch wird die Reisegepäckversicherung deshalb auch die „Niemals-Geld-Police“ genannt.

Außerdem ist Reisegepäck im Hotel weitgehend über die Hausratpolice versichert.

Auch eine Krankenhaustagegeld-Versicherung braucht niemand. Denn der Verdienstausfall durch den Krankenhausaufenthalt wird bereits durch das Krankengeld der gesetzlichen Krankenversicherung oder durch eine private Krankentagegeldversicherung ausgeglichen.

Ebenfalls nicht sinnvoll ist eine Kapitallebensversicherung und ihre „kleine Tochter“, die Ausbildungsversicherung als Sparform für die Ausbildung der Kinder oder Enkel. Diese Policen sind eine Mischung aus Versicherung und Geldanlage und dadurch teuer und unflexibel.

Von den Sparraten zieht die Versicherungsgesellschaft die Kosten für ihre Verwaltung und das Sterbefallrisiko ab. Nur für den Rest gilt der Garantiezins: magere 2,25 Prozent. Die Rendite auf den Gesamtbeitrag liegt klar darunter. Und ob die prognostizierten Überschüsse je erreicht werden, ist ungewiss. Das gilt umso mehr, je ­älter der Sparer ist – denn desto höher ist das Todesfallrisiko.

Eltern, die ihr Kind versorgt wissen wollen für den Fall, dass sie selbst plötzlich sterben, sollten besser eine Risikolebensversicherung abschließen und Geld für die Ausbildung separat, zum Beispiel in einem Banksparplan, ansammeln. Eine Kapitallebensversicherung kann allenfalls für ­Gutverdiener sinnvoll sein, um Steuern zu sparen, wenn sie ihren Sparerfreibetrag ausgeschöpft haben.

Eine einmal abgeschlossene Kapitallebensversicherung zu kündigen, kann jedoch viel Geld kosten: Für eine Kündigung verlangen die Versicherer Stornoabzüge und zahlen meist keine Schlussgewinnanteile aus. Ob es sich lohnt, einen Vertrag durchzuhalten, können Kunden mithilfe des Finanztest-Rechners unter www.test.de/kapitalleben berechnen.

Leicht kündigen und wechseln lassen sich dagegen alle Sachversicherungen, zum Beispiel die fürs Auto oder den Hausrat.

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