Viele private Versicherer machen keinen Unterschied mehr zwischen Ehepaaren und Lebens­gemeinschaften. Bei Sozial­versicherungen haben Unver­heiratete aber Nachteile.

Drei Jahre waren sie bereits ein Paar, als Marie Pauly und ihr Freund Stephan Schilling sich vor einem Jahr entschlossen, zusammen­zuziehen. Es ist die erste eigene Wohnung der Berliner Studentin. Auch ihr Freund, PR-Berater in einer Werbeagentur, lebte vorher noch bei seinen Eltern.

Doch seit dem Umzug teilen sie nicht nur die Wohnung, sondern auch Versicherungs­policen. „Als wir umzogen, wurden wir plötzlich von allen Seiten mit guten Ratschlägen dazu bombardiert“, sagt Pauly. Sie studiert an der Tech­nischen Hoch­schule Wildau Wirt­schafts­recht.

Abge­schlossen haben die beiden letzt­endlich gemein­sam eine private Haft­pflicht­versicherung und eine Hausrat­versicherung. Um den Rest wollen sie sich später kümmern.

Partner eintragen lassen

Versicherungen für Paare Special

Marie Pauly und ihr Freund Stephan Schilling leben seit einem Jahr zusammen. Die 27-jährige Studentin und der ebenfalls 27-jährige PR-Berater aus Berlin haben gemein­sam eine Haft­pflicht- und Hausrat­versicherung abge­schlossen. Um Berufs­unfähigkeits­schutz und Alters­vorsorge wollen sie sich erst später kümmern.

Lebt ein Paar in einer Lebens­gemeinschaft, reicht bei der Haft­pflicht- und der Hausrat­versicherung eine Police für beide. Teurer wird der Schutz dadurch nicht.

Unver­heiratete Paare müssen allerdings darauf achten, dass beide Partner im Versicherungs­vertrag genannt werden. Bei Verheirateten ist der Ehepartner dagegen auto­matisch mitversichert. Eine Ausnahme sind ausdrück­liche Single-Tarife. Hier muss der Schutz in der Hausrat- wie auch in der Haft­pflicht­versicherung in beiden Fällen erweitert werden.

Gleich ist bei verheirateten und unver­heirateten Paaren mit einer gemein­samen Police, dass sie gegen­einander keine Ansprüche geltend machen können. Würde Pauly zum Beispiel Schillings neuen Flach­bild­fernseher aus Versehen kaputt­machen, käme die Versicherung für den Schaden nicht auf.

Anders sähe es aus, wenn Pauly und Schilling je einen eigenen Vertrag hätten. „Bei der privaten Haft­pflicht­versicherung können zwei getrennte Versicherungen für unver­heiratete Paare auch Vorteile bringen“, sagt deshalb Claudia Herr­mann vom Versicherer Allianz. Dieser Vorteil dürfte aber nur selten den Preis einer eigenen Police recht­fertigen.

Doppelte Verträge auflösen

Versicherungen für Paare Special

Joachim Geske wohnt seit drei Jahren mit seiner Part­nerin zusammen. Er könnte seinen Hausrat- und Haft­pflicht­schutz kündigen und wäre bei seiner Freundin mitversichert. Das spart Geld.

Joachim Geske ist vor drei Jahren mit seiner Lebens­gefähr­tin zusammengezogen. „Jeder hatte zu dem Zeit­punkt schon seine eigene Haft­pflicht- und Hausrat­versicherung. Und so ist es auch bis jetzt geblieben“, sagt der 41-jährige Wirt­schafts­wissenschaftler aus Köln.

Insgesamt gibt das Paar rund 330 Euro im Jahr für den Schutz aus. Als sie zusammenzogen, hätte Geseke seine beiden Verträge kündigen – und damit immerhin 150 Euro im Jahr sparen können. Das wären bis heute schon fast 450 Euro gewesen.

Denn ziehen Paare zusammen, können sie den jüngeren Vertrag zum Zeit­punkt des Einzugs auflösen. Den anteiligen Rest des Beitrags für das Versicherungs­jahr bekommen sie vom Versicherer erstattet.

„Wir raten aber allen, die zusammenziehen, ihre Versicherungs­summe beim Hausrat anzu­passen“, sagt Katrin Rüter de Escobar vom Gesamt­verband der Deutschen Versicherungs­wirt­schaft. „Haben sich Wohnung und Haushalt vergrößert, besteht sonst möglicher­weise eine Unter­versicherung“, fügt sie hinzu.

Versicherungs­summe anpassen

Eine Unter­versicherung besteht dann, wenn der Wert des gesamten Hausrats höher ist als die vertraglich vereinbarte Versicherungs­summe. Beläuft sich zum Beispiel der Wert des Hausrats auf 60 000 Euro, ist aber lediglich eine Summe von 40 000 Euro versichert, erhalten die Geschädigten nur knapp 67 Prozent der Kosten. Wenn sie einen Schaden von 10 000 Euro hätten, würde der Versicherer ihnen nur 6 700 Euro ersetzen.

Es kann natürlich auch sein, dass sich die Versicherungs­summe verringert, weil Paare, die zusammen wohnen, nur noch einen Kühl­schrank, eine Wasch­maschine oder einen Herd brauchen. Die Höhe der Versicherungs­summe beein­flusst natürlich auch den Preis der Police.

Wie Haft­pflicht- und Hausrat­versicherer machen auch die Rechts­schutz­versicherer und Auslands­reise-Kranken­versicherer keinen Unterschied zwischen Ehepaaren und Lebens­gemeinschaften. Haben Rechts­schutz­versicherte aber einen Single-Rabatt vereinbart, wird es mit Partner teurer. Auch kosten die Paar­tarife der Auslands­reise-Kranken­versicherer oft mehr.

Nachteile für Paare ohne Trau­schein

Anders sieht es dagegen bei den Sozial­versicherungen aus. Sowohl die gesetzliche Renten- als auch die gesetzliche Kranken­versicherung unterscheidet zwischen verheirateten und unver­heirateten Paaren. Dabei sind die unver­heirateten Partner klar im Nachteil.

Stirbt der Partner, erhalten sie anders als Ehepartner oder Partner einge­tragener Lebens­gemeinschaften aus der gesetzlichen Renten­versicherung keine Witwen- oder Witwerrente.

Die ist in vielen Fällen, vor allem in jüngeren Jahren, zwar bei weitem nicht hoch genug, um den Lebens­unterhalt zu sichern. Ist der über­lebende Partner aber – je nach Jahr­gang – zwischen 45 und 47 Jahren oder älter, kann er immerhin bis zu 55, in einigen Fällen sogar bis zu 60 Prozent der Versichertenrente bekommen, auf die der verstorbene Ehepartner ansonsten Anspruch gehabt hätte.

Genauso sichert der Hinterbliebenen­schutz der gesetzlichen Unfall­versicherung nur Ehepartner und Partner einge­tragener Lebens­gemeinschaften ab. Das Gleiche gilt auch fast immer bei der betrieblichen Alters­versorgung.

Zulage nur über den Ehepartner

Sogar bei den staatlichen Zulagen für die Riester-Rente haben Nicht­verheiratete das Nach­sehen. Während Ehepartner, die selbst keinen Anspruch auf Förderung haben – wie beispiels­weise viele Selbst­ständige –, über ihren Ehepartner riestern und die Zulagen mitnehmen können, haben Partner eheähnlicher Lebens­gemeinschaften dieses Recht nicht.

Keine beitrags­freie Mitversicherung

Auch die Vorteile der beitrags­freien Familien­versicherung der gesetzlichen Kranken­versicherung können unver­heiratete Partner nicht nutzen.

Pauly und Schilling sind beide gesetzlich kranken­versichert. Würde sich Pauly zum Beispiel entscheiden, ihr Studium eine Zeit­lang an den Nagel zu hängen, um sich neu zu orientieren, oder Schilling für eine Weile die Rolle des Haus­manns über­nehmen, müsste auch der Partner ohne eigenes Einkommen derzeit mindestens 875 Euro im Jahr für den gesetzlichen Kranken- und Pfle­geschutz ausgeben. Bei Verheirateten zahlt der Partner ohne eigenes Einkommen dagegen nichts.

Bei einer privaten Kranken­versicherung spielt der Familien­stand dagegen ohnehin keine Rolle. Denn dort gibt es keine beitrags­freie Mitversicherung von Familien­mitgliedern – für jeden ist ein eigener Vertrag notwendig.

Unterstüt­zung durch den Partner

Obwohl der Staat bei der Renten- und Kranken­versicherung klar zwischen Ehe und Lebens­gemeinschaft unterscheidet, machen Arbeits­agentur und Sozial­amt dagegen meist keinen Unterschied zwischen verheirateten und unver­heirateten Paaren. Sie erwarten in beiden Fällen, dass sich die Partner in einer finanziellen Notlage gegen­seitig unterstützen.

Wäre Geske nach längerer Arbeits­losig­keit auf Arbeits­losengeld II angewiesen, würden die Behörden das Einkommen seiner Part­nerin genau wie bei Verheirateten bei der Berechnung des Arbeits­losengelds berück­sichtigen. Vorteile bringt das Leben ohne Trau­schein hier also auch nicht.

Trotzdem war Heiraten bei Pauly und Schilling noch nie ein Thema. Auch Geske können die Vorteile der sozialen Absicherung nicht von der Ehe über­zeugen. „Wir sind zwar schlechter gestellt“, sagt er. „Aber zumindest können später so auch keine Scheidungs­kosten anfallen.“

Dieser Artikel ist hilfreich. 97 Nutzer finden das hilfreich.