Versicherungen für Bauherren Test

Hoffentlich gut versichert: Kommen andere auf der Baustelle zu Schaden, kann das den Bauherrn teuer zu stehen kommen.

Eine Baustelle birgt viele Gefahren – nicht zuletzt für den Bauherrn. Eine Bauherren-Haftpflichtversicherung und eine Bauleistungsversicherung bieten Schutz für wenig Geld.

Auf der Baustelle kann viel schiefgehen. Eine Sturmbö schleudert einen Teil des Gerüsts auf das Auto des Nachbarn. Ein Verwandter stürzt beim Besuch der Baustelle in einen ungesicherten Schacht. Unbekannte besprayen die Wände und zertrümmern die Waschbecken. Diebe montieren die Heizkörper ab.

Solche Schäden sind auf Baustellen nicht selten. Und oft ist es der Bauherr, der dafür aufkommen muss. Ein Unglück mit Personenschaden kann ihn sogar ruinieren, wenn er Behandlungskosten, Schmerzensgeld, Verdienstausfall oder gar eine lebenslange Rente zahlen muss.

Für Bauherren ist deshalb ein guter Versicherungsschutz unverzichtbar:

Die Bauherren-Haftpflichtversicherung kommt während der Bauzeit für Schäden auf, die sonst der Bauherr aufgrund seiner gesetzlichen Haftpflicht ersetzen müsste.

Die Bauleistungsversicherung ist die Kaskoversicherung für den Rohbau: Sie leistet Ersatz für unvorhergesehene Schäden an Bauleistungen, Baustoffen und fertigen Bauteilen. Darunter fallen zum Beispiel Sturm- und Hagelschäden, die Zerstörung von Bauteilen durch Unbekannte, bei den meisten Versicherern auch der Diebstahl fest eingebauter Teile wie Heizkörper oder Türen.

Finanztest hat die beiden wichtigen Versicherungen für Bauherren untersucht und die Beiträge für den Neu- und für den Umbau von massiven Einfamilienhäusern verglichen.

Wichtiger Schutz für wenig Geld

Versicherungen für Bauherren Test

Unser Vergleich zeigt: Bei günstigen Versicherern machen die Beiträge für beide Versicherungen nur einen kleinen Bruchteil der veranschlagten Baukosten („Bausumme“) aus.

Die Bauherren-Haftpflichtversicherung kostet für den Bau eines 250 000 Euro teuren Einfamilienhauses (Wohnfläche 145 Quadratmeter) beim Direktversicherer Asstel nur einen einmaligen Beitrag von 97 Euro. Das sind nur rund 0,4 Promille der Bausumme. Der Regionalversicherer ÖSA verlangt in Sachsen-Anhalt sogar nur 76 Euro.

Die Bauleistungsversicherung gibt es für das gleiche Gebäude schon für 259 Euro (ÖSA) oder 298 Euro (Grundeigentümer und WGV). Der Beitrag ist zwar deutlich höher als für die Bauherren-Haftpflichtversicherung. Doch weil die Bauleistungsversicherung auch die beteiligten Baufirmen und Handwerker schützt, ist es üblich, dass sie der Bauherr an der Prämie beteiligt. Das verringert seinen eigenen Aufwand erheblich.

Bei beiden Versicherungen lohnt der Vergleich: Für unsere drei Beispielbauvorhaben liegt der Beitrag für die Bauherren-Haftpflichtversicherung beim teuersten Angebot stets drei- bis viermal höher als beim günstigsten Versicherer (siehe Tabelle Bauherren-Haftpflichtversicherung). Und für die Bauleistungsversicherung zahlt der Bauherr bei einem teuren Versicherer oft mehr als das Doppelte des Beitrags eines günstigen Anbieters (siehe Tabelle Bauleistungsversicherung).

Hohes Haftungsrisiko

Versicherungen für Bauherren Test

Eine Bauherren-Haftpflichtversicherung braucht jeder Bauherr. Er ist grundsätzlich verantwortlich dafür, dass von der Baustelle für Dritte keine Gefahren ausgehen. Für Schäden haftet er in unbegrenzter Höhe.

Der Bauherr hat zwar in der Regel einen Architekten mit der Bauleitung und Baufirmen mit der Bauausführung beauftragt. Damit ist er aber längst nicht von der Haftung befreit. Der Bauherr muss sich zum Beispiel auch persönlich davon überzeugen, dass die Baustelle umzäunt ist, Gruben und Schächte gesichert und Baumaterialien ordnungsgemäß gelagert sind.

Die Arbeit der Baufirmen muss er im Rahmen des Zumutbaren überwachen. Sind Gefahren auch für Laien erkennbar, muss er eingreifen. Und er darf nur ausreichend qualifizierte Firmen beauftragen.

Selbst wenn die Hauptschuld an einem Unglück beim Bauunternehmen liegt, bleibt der Schwarze Peter oft beim Bauherrn. Auch wenn ihn nur ein geringes Mitverschulden trifft, kann der Geschädigte sämtliche Ansprüche gegen den Bauherrn geltend machen. Der muss dann selbst sehen, ob er die beteiligten Baufirmen in Regress nehmen kann.

Mit einer Bauherren-Haftpflichtversicherung beugt der Bauherr solch unkalkulierbaren Risiken vor. Sie zahlt auch für Schäden, die er grob fahrlässig verursacht. Und sie kümmert sich darum, unberechtigte Ansprüche abzuwehren. Mitversichert ist außerdem die gesetzliche Haftpflicht als Grundstücksbesitzer.

Wegen des unbegrenzten Haftungsrisikos sollten Bauherren auf eine hohe Versicherungssumme achten. Das ist die Grenze, bis zu der die Versicherung leistet. Wir empfehlen mindestes drei Millionen Euro pauschal für Personen- und Sachschäden.

Je nach Bauvorhaben können außerdem spezielle Erweiterungen des Versicherungsschutzes sinnvoll sein. Bauherren sollten den Architekten fragen, ob zum Beispiel Rammarbeiten ausgeführt werden oder die Bauarbeiten eine Erdsenkung verursachen können. Folgeschäden am Nachbargrundstück sind bei einigen Versicherern versichert, bei anderen nicht (siehe Zusatzleistungen in der Tabelle Bauherren-Haftpflichtversicherung).

Zuschlag für Eigenleistungen

Versicherungen für Bauherren Test

Für die Bauherren-Haftpflichtversicherung zahlt der Bauherr einen nach der Höhe der Bausumme gestaffelten Beitrag, der meist für eine Bauzeit bis zu zwei Jahren gilt. Vor allem bei kleineren Bauvorhaben, etwa einem Anbau oder dem Umbau eines Hauses, ist auch der Mindestbeitrag wichtig.

Wer sein Haus mit Freunden und Nachbarn zum Teil in eigener Regie baut, muss außerdem mit Zuschlägen rechnen. Denn die Versicherung muss dann auch die gesetzliche Haftpflicht für Schäden decken, die der Bauherr und seine Helfer bei ihren Arbeiten verursachen.

Die meisten Versicherer berechnen dafür einen Beitragszuschlag. Die Unterschiede sind allerdings groß: Einige Versicherer verlangen den Zuschlag erst für Eigenleistungen im Wert von über 25 000 oder 50 000 Euro, andere schon für die ersten 1 000 Euro.

Vor allem Bauherren, die selbst mit anpacken, sollten nicht nur auf einen niedrigen Beitrag achten. Die Grunddeckung ist zwar bei allen Angeboten im Test gleich. Doch bei den Zusatzleistungen gibt es erhebliche Unterschiede.

So zahlt bei einem Arbeitsunfall eines privaten Bauhelfers zunächst die Bauberufsgenossenschaft. Sie kann aber Schadenersatz vom Bauherrn verlangen, wenn er den Unfall grob fahrlässig verschuldet hat – zum Beispiel, weil er sich nicht ausreichend um die Einhaltung der Unfallverhütungsvorschriften gekümmert hat.

Solche Ansprüche der Sozialversicherungsträger sind bei den meisten Gesellschaften nicht gedeckt. Von den Versicherern im Test bieten nur Grundeigentümer, Haftpflichtkasse Darmstadt und Itzehoer diesen wichtigen Schutz (Zusatzleistung H in der Tabelle Bauherren-Haftpflichtversicherung). Und nur bei der Haftpflichtkasse Darmstadt und der Itzehoer erstreckt sich der Schutz auch auf Unfälle von Angehörigen, die mit dem Bauherrn im gleichen Haushalt leben.

Setzen der Bauherr oder seine Helfer Baufahrzeuge ein, die nicht unter die Kfz-Haftpflichtversicherung fallen, muss er zusätzlich auf eine entsprechend erweiterte Deckung achten (in der Tabelle die Zusatzleistungen F und G). Das bieten die meisten Gesellschaften, aber nicht alle. Für Schäden an geliehenen Baufahrzeugen kommt die Bauherrenhaftpflichtversicherung allerdings generell nicht auf.

Schäden am Bau

Versicherungen für Bauherren Test

Die Bauleistungsversicherung kommt auch für Überschwemmungs­schäden am Rohbau auf. In Hochwassergebieten gilt das allerdings nur bei ungewöhnlich hohem Pegelstand.

Die Bauleistungsversicherung ist nicht ganz so wichtig, aber trotzdem jedem Bauherrn zu empfehlen. Denn auf der Baustelle kann vieles kaputtgehen. Und oft kann der Bauherr dafür niemanden zur Verantwortung ziehen.

Wenn zum Beispiel ein Sturm die schon fertiggestellte Giebelwand eindrückt, muss er die Baufirma trotzdem bezahlen. Denn in den meisten Bauverträgen ist geregelt, dass der Bauherr das Risiko für Schäden durch höhere Gewalt trägt.

Darüber hinaus geht das Risiko für eine Beschädigung von Bauteilen nach der Abnahme der einzelnen Gewerke stets auf den Bauherrn über. Mit der Bauzeit steigt daher auch sein finanzielles Risiko.

Die Bauleistungsversicherung ersetzt Schäden am Bauwerk, die durch Erdbeben Erdrutsch, Überschwemmung und andere ungewöhnliche Witterungseinflüsse entstehen. Sie übernimmt auch die Kosten für Schäden durch Konstruktions- oder Materialfehler und durch Unachtsamkeiten der Bauarbeiter. Auch wenn Vandalen auf der Baustelle wüten, zahlt die Versicherung. Einen Selbstbehalt von meist 250 Euro zieht sie allerdings von jedem Schaden ab.

Der Versicherungsschutz hat außerdem Grenzen. Nicht versichert sind zum Beispiel Schäden durch mangelhafte Bauleistungen oder normalen Frost während der Wintermonate. Das gleiche gilt für den Diebstahl beweglicher Gegenstände, die auf der Baustelle lagern.

Deckungserweiterung oft sinnvoll

Wie bei der Bauherren-Haftpflichtversicherung zahlt der Versicherte einen einmaligen Beitrag, der von der Höhe der Bausumme abhängig ist. Zuschläge für Eigenleistungen gibt es aber nicht.

Für die Auswahl des richtigen Versicherers sind nicht nur der Beitrag, sondern auch die darin enthaltenen Zusatzleistungen wichtig (siehe Tabelle Bauleistungsversicherung).

Will der Bauherr auf dem Dach eine Fotovoltaikanlage installieren, sollte natürlich auch die teure Anlage mitversichert sein. Das ist noch nicht selbstverständlich.

Sinnvoll ist es auch, wenn der Versicherer Glasbruchschäden bis zum Bauende und nicht nur bis zum Einsatz der Scheiben übernimmt. Auch Verluste aus dem Diebstahl festeingebauter Bauteile sollte die Versicherung ersetzen.

Die Gesellschaft mit den niedrigsten Beiträgen ist daher nicht unbedingt die beste Wahl. So ist die Medien in unserem Vergleich etwas teurer als die Grundeigentümer Versicherung. Doch die besseren Zusatzleistungen der Medien sind den geringen Aufschlag allemal wert.

Dieser Artikel ist hilfreich. 1271 Nutzer finden das hilfreich.