Interview: 50 000 Euro für eine Grätsche

Versicherungen beim Sport Special

Burkhard Oexmann setzte vor dem Ober­landes­gericht Hamm durch, dass der Gegen­spieler seines Mandanten für die Folgen eines groben Fouls im Fußball haften muss (Az. I-6 U 241/11). Der Rechts­anwalt aus Lippetal ist auf Sport­recht spezialisiert und lehrt an der Universität Münster.

Sie haben vergangenes Jahr 50 000 Euro Schaden­ersatz für Ihren Mandanten erstritten, der während eines Fußball­spiels gefoult wurde. Warum gelingt so etwas so selten?

Oexmann: Die Latte für Schaden­ersatz­forderungen bei Sport­arten mit Körperkontakt liegt hoch. Sportler müssen damit rechnen, verletzt zu werden. Das Extrembei­spiel ist Boxen, wo ein K. o. des Gegners bewusst angestrebt wird. Die Sport­verbände welt­weit haben für ihre Sport­arten eigene Regeln für die Haftung aufgestellt.

Frei­zeitki­cker müssen also damit rechnen, dass ihr Gegner beim Foul­spiel nicht haftet. Selbst, wenn er einen bleibenden Schaden verursacht?

Oexmann: Ja, sicher. Mit der Schwere der Verletzung hat das sowieso nichts zu tun, nur mit der Art des Fouls.

Und warum bekam Ihr Mandant, der aufgrund des Fouls jetzt berufs­unfähig ist, Schaden­ersatz?

Oexmann: Weil es sich hier um einen besonders schlimmen Fall der Regel­verletzung handelte. Der Gegen­spieler hat meinen Mandanten in die Kniekehle gegrätscht, obwohl er gar nicht ball­führend war. Der Grenz­bereich der noch hinzunehmenden Härte wurde deutlich über­schritten und dies konnte vor Gericht auch eindeutig belegt werden.

Wer kam letzt­endlich für den Schaden­ersatz ihres Mandanten auf?

Oexmann: Die Haft­pflicht­versicherung des Verurteilten. Für die war das ein Groß­schaden, denn zu den 50 000 Euro Schaden­ersatz kamen rund 200 000 Euro Arzt- und Kranken­haus­kosten hinzu.

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