Sportler haben ein erhöhtes Verletzungs­risiko. Das macht den Versicherungs­schutz wichtig und schwierig zugleich.

Der Unfall liegt fast fünf Jahre zurück, doch der Arm von Richard Harz ist noch immer nur zu etwa 90 Prozent zu gebrauchen. Harz erinnert sich: „Am 10. Februar 2008 war strahlender Sonnen­schein, ich fuhr auf einem leichten Hang in den Dolo­miten in Italien, die Skipiste war fast leer.“ Der Berliner Bauingenieur im Ruhe­stand steht nicht gerne in der Öffent­lich­keit, deshalb haben wir seinen Namen geändert.

„Plötzlich kam mit hohem Tempo von schräg hinten eine junge Frau angeschossen, streifte mit voller Wucht meine linke Seite und riss dabei meinen Arm nach oben“, berichtet er weiter. „Der Aufprall war so heftig, dass meine Schulter ausrenkte und mein Ober­arm mehr­fach gebrochen wurde“, sagt er.

Harz war ein guter Skifahrer. Mehr als 50 Jahre fuhr er regel­mäßig zum Winter­sport. Doch er hatte keine Chance auszuweichen.

Für den Berliner folgten eine Operation fernab der Heimat in einem Kranken­haus in Bozen in Südtirol, Verhand­lungen mit diversen Versicherern und und ein lang­wieriger Gerichts­prozess. „Das ganze Nach­spiel dauerte rund drei­einhalb Jahre. Ich bin erleichtert, dass es vorbei ist“, sagt er, auch wenn sein Arm nicht ganz gesund ist.

Vor der Abfahrt besser Policencheck

Harz glaubte sich für den Fall eines Unfalls gut abge­sichert. Er hatte alles abge­schlossen: von Haft­pflicht­versicherung über Auslands­reisekranken- und Unfall­versicherung bis zum Rechts­schutz. Doch die Unfall­versicherung des deutschen Skiverbands, die Teil eines preis­werten Kombipakets war, zahlte nicht. „Die leistet erst ab einer dauer­haften Einschränkung von 20 Prozent“, erklärt er.

Harz hat über den Skiverband eine Police mit einge­schränkten Leistungen erwischt. Denn meist zahlen Unfall­versicherer anteilig ab dem ersten Prozent der Invalidität.

Das Klein­gedruckte von Versicherungen birgt noch mehr Fallen, besonders für Sportler: Manche Versicherer schließen zum Beispiel Sport­arten wie Tief­seetauchen, Motor­sport­fahren oder Paragliden vom Schutz aus (siehe Tabelle).

Offen­barungs­eid statt Schaden­ersatz

Für die Behand­lung in einem Südtiroler Kranken­haus schoss der Verunglückte 17 000 Euro vor. Die Erstattung durch die gesetzliche Krankenkasse und den Reisekranken­versicherer verlief zäh. Doch nach drei­einhalb Monaten hatte er das Geld.

Bitter war für den Skifahrer, dass die Unfall­gegnerin nicht angemessen für seinen Schaden aufkam. Die Frau hatte nicht genug Geld, um 8 000 Euro Schmerzens­geld und zusätzlich die Fahrt­kosten zu zahlen, die Harz durch den Unfall entstanden waren. Eine Privathaft­pflicht­versicherung, die den Schaden für sie über­nommen hätte, hatte sie auch nicht. Dabei ist sie die wichtigste Police neben einer Kranken­versicherung.

Der Fall landete vor Gericht. Glück im Unglück: Harz’ Unfall­gegnerin kam wie er aus Berlin. So konnte der Prozess in seiner Heimatstadt nach deutschem Recht geführt werden. Harz bekam recht in zwei Instanzen. Die Frau leistete einen Offen­barungs­eid. Sie könne sich höchs­tens Geld von ihrer Familie leihen. Harz akzeptierte letzt­endlich 4 000 Euro. „Ich wollte es hinter mir haben“, sagt er.

Moderne Policen schließen die Lücke

Mit einer modernen Privathaft­pflicht­police hätte Harz die Lücke über seinen eigenen Versicherer schließen können. Viele neue Verträge bieten den Versicherten Schutz, wenn ein anderer ihnen einen Schaden zugefügt hat, aber nicht zahlen kann. Sie bieten eine „Forderungs­ausfall­deckung“. Die Versicherer zahlen meist erst bei größeren Schäden ab 2 500 Euro und auch nur dann, wenn der Geschädigte alle recht­lichen Möglich­keiten ausgeschöpft hat, um sich das Geld vom Unfall­gegner zu holen.

Zu den Kern­leistungen einer Haft­pflicht­versicherung gehört der Schutz nicht. Doch da nach Angaben des Gesamt­verbands der deutschen Versicherungs­wirt­schaft rund ein Drittel der deutschen Haushalte keinen privaten Haft­pflicht­schutz haben, kann das Extra interes­sant werden. Viele Tarife, die im jüngsten Test von Finanztest sehr gut waren, bieten das (siehe „Unser Rat“).

Einge­schränkte Haftung beim Sport

In vielen anderen Sport­arten haben Verletzte von vorn­herein kaum Chancen auf Schaden­ersatz: In Kampf- und Kontakt­sport­arten wie Boxen oder Fußball genauso wie bei den meisten Wett­kämpfen.

Damit es beim Sport nicht ständig zu Prozessen kommt, gilt für Sportler unter­einander oft ein still­schweigender Haftungs­ausschluss. Halten Teilnehmer sich an die Regeln ihres Verbands, sind sie vor Schaden­ersatz­ansprüchen der Mitspieler sicher.

Der Bundes­gerichts­hof entschied im Jahr 2009, dass ein Fußball­spieler, der seinem Gegner im Zweikampf Schien- und Waden­bein gebrochen hatte, keinen Schaden­ersatz leisten muss. Der Schieds­richter fand die Spiel­weise nicht unfair (Az. VI ZR 296/08).

Die Krux: Haftet der Sportler im juristischen Sinne nicht, zahlt auch kein Haft­pflicht­versicherer und selbst eine Forderungs­ausfall­deckung hilft nicht weiter.

Selbst Verletzungen nach klaren Fouls müssen Sportler oft wegstecken. Diese Erfahrung machte ein Rechts­anwalt, der durch die Grätsche eines Gegners schwer verletzt wurde. Obwohl das Foul des Gegen­spielers mit einer gelb-roten Karte geahndet worden war, sah das Ober­landes­gericht Saarbrücken darin keine ausreichend starke Regel­verletzung, die Schaden­ersatz für Verdienst­ausfall und Schmerzens­geld recht­fertigen würde (Az. 5 U 492/09 - 110).

Wenigs­tens die Invaliditäts­versicherung des Sport­lers sollte dann greifen. Ein Blickin die Klauseln stellt das vorab sicher.

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