Versicherungen beim Sport Special

Der Sport hat seine Risiken, die Versicherer haben ihre Regeln. Damit ein kleines Foul­spiel nicht zum großen Fiasko wird, sollten Sportler auch ihr Policenpaket fit halten.

Es ging alles furcht­bar schnell. Sylvia Keske war mit ihrer Fahr­radgruppe unterwegs. Der Vordermann erhöhte das Tempo, Keske zog mit. Die Radlerin senkte den Blick, trat in die Pedale – und knallte mit Wucht auf ein geparktes Post­auto.

Versicherungen beim Sport Special

Sylvia Keske fuhr im Früh­jahr als Radsport­lerin bei einer Gruppen­tour auf ein Post­auto auf und verletzte sich.

Sylvia Keske wurde nach dem Unfall mit einer Gehirn­erschütterung und Prel­lungen ins Kranken­haus gebracht, das Post­auto, leicht beschädigt, in eine Kfz-Werk­statt. „Meine Unaufmerk­samkeit habe ich teuer bezahlt“, sagt die Berliner Betriebs­wirtin. „Die Schulter tut mir immer noch weh, dabei ist das schon im Mai passiert.“

Nicht nur die Schmerzen bescherten Sylvia Keske schlaflose Nächte. Auch die Frage, wer für den Schaden an dem Post­auto aufkommen würde, lastete zunächst auf ihr.

Zu Recht. Sport­unfälle sind – auch aus versicherungs­recht­licher Sicht – ein ausgesprochen unerfreuliches Thema. Zwar gibt es bei der Über­nahme der Arzt- und Kranken­haus­kosten kaum Probleme. Die Versicherer oder – beim Betriebs­sport – die Berufs­genossenschaft des Arbeit­gebers zahlen meist ohne Murren. Dramatisch wird es jedoch, wenn die Gesund­heits­einbußen so schwerwiegend sind, dass der Verletzte seinen Beruf aufgeben muss. Der gesetzliche Schutz sichert in diesen Fällen kaum das Über­leben.

Auch wenn Dritte zu Schaden kommen, ist Ärger programmiert. Private Haft­pflicht­versicherer zahlen längst nicht immer. Und selbst spezielle Sport­lerpolicen halten nicht in jedem Fall, was sie versprechen. Sportler, die ohne Sorgen ihrem Hobby nachgehen wollen, sollten daher auch ihr Versicherungs-Portfolio einem umfassenden Fitness­programm unterziehen.

Haftung ohne Limit

Ob beim Sport oder in anderen Lebens­bereichen: Wer anderen einen Schaden zufügt, haftet. Und zwar mit seinem gesamten Vermögen. Eine Haft­pflicht­versicherung, die im Ernst­fall einspringt, gehört daher zum Pflicht­programm für jedermann. Das Problem ist nur: Viele Anbieter solcher Policen schließen risikoreichere Sport­arten, zum Beispiel Kitesurfen oder Drachenfliegen, vom Versicherungs­schutz aus. Auch Radrennen und das Training dazu sind nicht immer mitversichert.

Die Folgen können verheerend sein. Verliert etwa ein Radfahrer während eines Rennens die Kontrolle über sein Sport­gerät und rast in die Zuschauer, muss er – wenn er weder privat noch über einen Sport­ver­ein versichert ist – alle Schaden­ansprüche aus eigener Tasche begleichen.

Mitunter werden Sport­lern deshalb spezielle Sport-Haft­pflicht­versicherungen angeboten. Aber selbst hier gibt es oft Ausschlüsse. Experten raten daher, sich einen guten Privathaft­pflicht­tarif zu suchen, der die eigene Sport­art umfasst. Die Besitzer von Motor- oder Segelbooten, Segel­fliegern und Pferden brauchen zudem eine gesonderte Boots-, Luft- oder Halterhaft­pflicht­police.

Auf der sicheren Seite sind Sportler, die über einen Gruppen­vertrag ihres Sport­ver­eins abge­sichert sind, der auf ihre Sport­art zuge­schnitten ist. Einge­schlossen sein sollten natürlich nicht nur das Training, sondern auch Wett­kämpfe.

Im Zweikampf Schien­bein gebrochen

Eine Garantie, dass wirk­lich jeder Schaden reguliert wird, gibt es aber auch bei leistungs­starken Policen nicht. So entschied zum Beispiel der Bundes­gerichts­hof im Fall eines Fußballers, dem sein Gegner im Zweikampf Schien- und Waden­bein gebrochen hatte: Da sich der Spieler an die Regeln gehalten hat, muss er keinen Schaden­ersatz leisten (Az. VI ZR 296/08).

Ein Urteil, das den verletzten Kicker nicht gefreut haben dürfte. Denn in dem Moment, in dem ein Spieler juristisch aus dem Schneider ist, muss auch dessen Haft­pflicht­versicherer nicht mehr leisten. Ob der Schaden beim spontanen Kicken nach der Schule, beim Betriebs­sport oder beim offiziellen Vereins­spiel entstanden ist, spielt dann keine Rolle.

Foul­spiel mit Folgen

Selbst bei Regel­verstößen wird nicht immer Schaden­ersatz fällig. Nur wenn der Geschädigte belegt, dass sein Gegner die Vorgaben grob miss­achtet hat, darf er auf Zahlungen des gegnerischen Haft­pflicht­versicherers hoffen. Einfach wird es aber nicht. Der Beweis ist schwer zu führen.

Diese Erfahrung machte auch ein Rechts­anwalt, der beim Fußball durch die Grätsche eines Gegners verletzt wurde. Der Jurist litt monate­lang unter Schmerzen, er konnte seinen Beruf nur einge­schränkt ausüben. Obwohl das folgenreiche Foul­spiel mit der gelb-roten Karte geahndet worden war, sah das Ober­landes­gericht Saarbrücken darin keine ungewöhnlich starke Regel­verletzung (Az. 5 U 492/09–110).

Der Mann erhielt weder Entschädigung für seinen Verdienst­ausfall noch Schmerzens­geld. Besonders bitter: Selbst wenn der Anwalt nach dem Unfall lebens­lang an den Roll­stuhl gefesselt gewesen wäre, wäre er wohl leer ausgegangen. Hobby­sportler, die nicht über einen Verein Sport treiben (und somit von der Unfall­versicherung ihres Klubs profitieren können), sollten sich daher unbe­dingt gegen Invalidität versichern.

Wichtiger Berufs­unfähigkeits­schutz

Ideal als Vorsorge für den Invaliditäts­fall ist eine Berufs­unfähigkeits­versicherung. Nur die ist nicht leicht zu bekommen. Vor Abschluss fragen die Gesell­schaften meist, ob Sportler in der Frei­zeit Gefahren ausgesetzt sind, etwa durch Motor­sport, Fall­schirm­springen oder Reitwett­bewerbe. Ein „Ja“ kann zu Risiko­zuschlägen führen oder gar zu einer Ablehnung. Interes­senten sollten sich dann um eine alternative Absicherung bemühen (siehe Tabelle).

Sylvia Keske hat sich nach ihrem Unfall vorgenommen, ihren Policen­ordner auf Vordermann zu bringen. Zwar hat ihr Privathaft­pflicht­versicherer anstands­los die Reparatur des Post­autos über­nommen. Noch einmal möchte die Sport­lerin ihr Glück aber nicht heraus­fordern.

Dieser Artikel ist hilfreich. 89 Nutzer finden das hilfreich.