Versicherungen Regeln für den Schadensfall

Im Schadensfall soll die Versicherung zahlen. Dafür hat der Kunde sie ja abgeschlossen. Er sollte aber auch Regeln beachten. Sonst gibt es Schwierigkeiten.

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Der Kunde gibt Fett in den Kochtopf, stellt die Herdplatte an und geht in den Keller. Als er zurückkommt, stehen die Küchenmöbel in Flammen. Die Hausratversicherung erstattet den Schaden später nur zu zwei Dritteln. Das sei angemessen, befand der Ombudsmann Günter Hirsch, der Schlichter für strittige Versicherungsfälle. Der Kunde habe die Gefahr erkennen können. Jeder wisse: Fett brennt.

Regel 1: Vorsichtig sein

Für kleine Unaufmerksamkeiten sollte niemand den Schutz verlieren – schließlich sind Fehler menschlich. Doch wenn der Fehler eindeutig ist und dem Kunden hätte einleuchten müssen, darf die Versicherung die Leistung kürzen – je nachdem, wie schwer der Fehler des Kunden war.

Ob ein Fehler noch verzeihlich oder „grob fahrlässig“ ist, entscheiden Gerichte von Fall zu Fall anders. Manchmal haben Kunden Glück: Trat der Schaden auf, als sie abgelenkt waren oder beispielsweise den Raum nur kurz verließen, kann ein Gericht die Versicherung verdonnern, den Schaden komplett zu erstatten.

Auf richterliche Milde kann sich freilich niemand verlassen. Gerichte haben es zum Beispiel oft als „grob fahrlässig“ eingestuft, wenn Kunden Kerzen unbeaufsichtigt brennen ließen oder vor dem Einschlafen eine Zigarette im Bett rauchten. Wer länger das Haus verlässt, sollte die Tür abschließen, die Fenster im Erdgeschoss zumachen oder eine Wasch- oder Spülmaschine ohne „Aquastop“-Funktion nicht laufen lassen.

Wertvolles gehört weder in den Kellerverschlag noch offen sichtbar ins Auto. Strenge Richter werten es als „grob fahrlässig“, den Fahrzeugschein im Handschuhfach aufzubewahren. Immerhin: Personenversicherungen zahlen auch bei „grob fahrlässigen“ Fehlern fast immer komplett. Dazu zählen beispielsweise private Kranken-, Unfall-, Lebens- und Berufsunfähigkeitsversicherungen. Auch die Privathaftpflicht erstattet den Schaden vollständig, solange der Kunde nicht absichtlich einen Schaden verursacht hat.

Regel 2: Schnell sein

In den Versicherungsbedingungen steht meistens, dass Kunden einen Schaden „unverzüglich“ melden sollen, also „ohne schuldhaftes Verzögern“. Wartet jemand unnötig lange, kann der Versicherer die Leistung kürzen. In manchen Sparten sind besondere Regeln üblich. Doch Achtung: In den Versicherungsbedingungen kann auch etwas anderes vereinbart werden.

Auto und Privathaftpflicht: Hier ist Eile geboten. Schon nach spätestens einer Woche müssen Kunden den Schaden melden. Das gilt auch, wenn jemand von ihnen für einen Schaden Geld verlangt, ein Verfahren gegen sie eingeleitet wird oder ein Gericht einen Mahnbescheid schickt.

Privates Krankentagegeld: Wer krank ist, muss die Krankschreibung unverzüglich einreichen. Um das private Krankenhaustagegeld zu erhalten, das die Versicherung während eines Aufenthalts im Krankenhaus zahlt, müssen sich die Patienten innerhalb der ersten zehn Tage melden.

Berufsunfähigkeitsversicherung: Hier gibt es keine Fristen. Wenn Versicherte aber zu lange warten, bekommen sie womöglich rückwirkend weniger Geld.

Unfallversicherung: Einen Unfall müssen Kunden unverzüglich melden. Damit die Versicherung zahlt, muss spätestens 12 Monate nach dem Unfall klar sein, dass der Patient wohl dauerhaft invalide bleibt. Der ärztliche Befund ist bis 15 Monate nach dem Unfall vorzulegen, bis dahin muss auch die Leistung schriftlich eingefordert werden. Viele Anbieter räumen ihren Versicherten längere Fristen ein, manchmal bis zu einem weiteren Jahr und mehr.

Regel 3: Genau sein

Besonders heikel ist es, im Schadensformular des Versicherers falsche oder unvollständige Angaben zu machen. Erscheint etwas unstimmig, vermuten Versicherer schnell Betrug. Vor allem Haftpflicht- und Hausratversicherer sind misstrauisch und prüfen die Schadensberichte akribisch. Beim Ausfüllen der Formulare gilt: Nur aufschreiben, was man sicher weiß.

Schon im Antragsformular ist es wichtig, genau zu sein, vor allem bei Gesundheitsfragen. Hat der Kunde ein wichtiges Leiden verschwiegen, kann der Versicherer vom Vertrag zurücktreten und mitunter auch die Leistung verweigern. Ein Mensch mit einer Berufsunfähigkeitsversicherung stünde dann ohne Schutz da, ein privat Krankenversicherter müsste schlimmstenfalls sogar Beiträge nachzahlen. Auch kann es schwierig sein, einen neuen Vertrag bei einer anderen Gesellschaft abzuschließen. In der Krankenversicherung könnte der Kunde aber in jedem Fall den „Basistarif“ wählen, der sich an der Leistung der gesetzlichen Krankenkassen orientiert.

Wenn der Kunde beweisen kann, dass er eine Krankheit nicht absichtlich oder grob fahrlässig verschwiegen hat, muss die Versicherung aber zahlen. Das kann etwa der Fall sein, wenn der Kunde nur ein kleines Zipperlein unerwähnt ließ.

Stellt sich der Versicherer quer, reicht manchmal schon eine Beschwerde beim Ombudsmann für Versicherungen oder auch Krankenversicherungen (siehe Adressen). Klagt der Kunde, kann eine Rechtsschutzpolice hilfreich sein – als Versicherung gegen störrische Versicherer.

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Profilbild Stiftung_Warentest am 05.02.2015 um 14:41 Uhr
Versicherungsombudsmann

@Maryan: Wenn Sie sich an die BaFin mit einer Beschwerde wenden, prüft diese "nur" ob der Versicherer gegen das Aufsichtsrecht verstoßen hat. Versicherte bekommen über die BaFin weder eine individuelle Beratung, noch eine außergerichtliche Streitschlichtung. Zur individuellen Beratung wenden Sie sich an Ihre Verbraucherberatungsstelle (www.verbraucherzentrale.de) oder an einen Fachanwalt für das Versicherungsrecht. Viele Versicherer (darunter auch einige öffentliche Versicherer) nehmen am Ombudsverfahren des Versicherungsombudsmannes teil. Wenn Ihr Versicherer zu den Mitglieder gehört (www.versicherungsombudsmann.de) können Sie mit einer Beschwerde beim Ombudsmann den Weg einer außergerichtlichen Streitschlichtung beschreiten. Wie das funktioniert wird auf der Website des Ombudsmannes dargestellt. (maa)

Maryan am 04.02.2015 um 15:49 Uhr
Kein Verbraucherschutz

Als Versicherte einer Versicherung der Anstalt des öffentlichen Rechts erhalte ich keinen Verbraucherschutz.
Meine Bitte um Verbraucher-Schutz musste die Bafin an die Versicherungs-Aufsicht weiterreichen.
Der Beamte der Versicherungs-Aufsicht hat nur die Möglichkeit, die Versicherung zu der Beschwerde zu befragen - und wenn in deren Antwort keine versicherungsrechtlichen Fehler zu erkennen sind, muss er die Beschwerde zurückweisen.
So hat er mit der Zurückweisung meiner Beschwerde, dann den Grund für meine Beschwerde - die technisch nicht mögliche Leckage-Ortung - zu einer staatlich bestätigten Leckage-Ortung gemacht! Er hatte so eine neue - juristisch relevante - Realität erschaffen, obwohl er keine Möglichkeit hatte, das falsche Gutachten zu kontrollieren!
Eine ganz dringende Bitte an Stiftung Warentest, einmal die Erfahrungen der Versicherten mit dem Verhalten der Versicherungen, der Anstallt des öffentlichen Rechts, zusammen zu tragen.
Maryan