Versicherungen

Mit Kindern: Wichtige Versicherungen

Versicherungen - Welche Versicherungen Sie brauchen
Neue Risiken. Eine Familie mit Kindern braucht unbe­dingt eine Privathaft­pflicht­versicherung. Wichtig sind auch Berufs­unfähigkeits- und Risiko­lebens­versicherung. © Stiftung Warentest / René Reichelt

Für Familien mit Kindern gilt: Sind die Eltern für den Krank­heits­fall, Todes­fall und Haftungs­risiken gut versichert, ist im Ernst­fall auch genug Geld für ihre Kinder da.

Inhalt

Berufs­unfähigkeits­versicherung sinn­voll

Im Hinblick auf Kinder ist vor allem eine Berufsunfähigkeitsversicherung wichtig. Kann ein Eltern­teil krank­heits- oder unfall­bedingt dauer­haft nicht mehr zu mindestens 50 Prozent im Beruf arbeiten, hilft eine Monats­rente vom Versicherer, den Lebens­stan­dard zu sichern.

Keine finanzielle Not nach Todes­fall

Wer für Kinder sorgt, braucht eine Risikolebensversicherung – ob junge Familie oder Allein­erziehende. Mit dieser Police sind Kinder finanziell abge­sichert. Stirbt der Haupt­verdiener, gleicht das Geld vom Versicherer eine Zeit lang den Einkommens­verlust aus. Beim Tod der oder des Versicherten erhalten Angehörige die vereinbarte Todes­fall­summe, zum Beispiel 250 000 Euro. Die Versicherung kostet nicht die Welt, die güns­tigste gibt es schon für 245 Euro im Jahr. Wer ein Haus oder eine Wohnung per Kredit finanziert, muss diese Versicherung in der Regel ohnehin abschließen, weil viele Kredit­institute das verlangen. Faust­regel: Die Versicherungs­summe sollte etwa beim Drei- bis Fünf­fachen des Jahres­brutto­einkommens liegen, in den meisten Fällen sind das zwischen 200 000 und 300 000 Euro.

Sinn­voller Schutz für Kinder in der Privathaft­pflicht

Mit kleinen Kindern kann es Veränderungs­bedarf bei der privaten Haft­pflicht­versicherung geben. Der Grund dafür: In manchen Tarifen zahlt die Versicherung nicht bei Schäden durch eigene Kinder unter sieben Jahren. Sie sind nach dem Gesetz „delikt­unfähig“, weil sie die Auswirkungen ihres Handelns noch nicht richtig abschätzen können. Im nicht ruhenden Straßenverkehr liegt die Grenze bei zehn Jahren. Die Eltern haften nur, wenn sie ihre Aufsichts­pflicht verletzt haben. Das bedeutet: Zerkratzen zwei sechs­jährige Freundinnen mit Steinen den 1-er BMW des Nach­barn und verursachen einen Schaden von rund 3 250 Euro inklusive Mietwagen­kosten für vier Tage, bleibt der Nach­bar auf dem Schaden sitzen. Es sei denn, die Eltern haben ihre Aufsichts­pflicht verletzt. Dieser echte Fall landete vor Gericht. Die Eltern der Sechs­jährigen wollten nicht zahlen. Die Richter stellten fest, dass die Eltern ihre Aufsichts­pflicht verletzt hatten, weil ein Eltern­teil nur alle 45 Minuten aus dem Fenster geschaut hatte, um die spielenden Mädchen zu beob­achten. Vorschul­kinder sollten jedoch etwa im Abstand von 15 bis 30 Minuten über­wacht werden. Die Eltern hafteten (Land­gericht Detmold, Az. 10 S 17/13). Es gibt heute Haftpflichttarife, die solche Schäden einschließen. Auf die Aufsichts­pflicht kommt es dann nicht mehr an. Wer Streit vermeiden will, sollte eine Familien­haft­pflicht­police mit diesem Zusatz­schutz abschließen. Es gibt güns­tige Versicherungen ab 50 Euro im Jahr.

Tipp: Mit dem kostenlosen Schnell­check der Stiftung Warentest können Sie Ihren bestehenden Haft­pflicht­tarif über­prüfen: Schnellcheck Haftpflichtversicherung.

Unser Rat

Todes­fall­schutz.
Wenn Sie für andere sorgen, brauchen Sie eine Risikolebensversicherung mit ausreichender Versicherungs­summe. Mit der Vertrags­variante „verbundene Leben“ können sich Paare gegen­seitig absichern.
Invaliditäts­schutz fürs Kind.
Für Kinder ist eine Kinder-Invaliditätsversicherung sinn­voll. Sie leistet, wenn ein Kind durch Unfall oder Krankheit nach­weislich schwerbehindert ist. Wenn Sie für Kinder preis­werteren Unfall­schutz abschließen, achten Sie auf eine hohe Progression. Dann zahlt der Versicherer bei schweren Schäden mehr.

Spezielle Versicherungen für Kinder

Zudem bietet der Markt Policen, die speziell auf Kinder zuge­schnitten sind. Eltern können sie teils schon für Babys abschließen. Manche laufen bis zu einem bestimmten Alter – etwa bis 18 oder 21 Jahre –, andere ein Leben lang. Die Stiftung Warentest stellt drei Policen vor:

Kinder-Invaliditäts­versicherung
Was ist, wenn das Kind einen Unfall hat oder schwer erkrankt und infolgedessen mit einer Behin­derung lebt? In Deutsch­land leben mehr als 180 000 Kinder und Jugend­liche mit einer Schwerbehin­derung. Die meisten Behin­derungen entwickeln sich nach einer schweren Erkrankung. Die Invalidität und Pflegebedürftig­keit eines Kindes kann das ganze Leben auf den Kopf stellen. Eine Versicherung kann dazu beitragen, dass für solch einen Fall genügend Geld zur Verfügung steht. Es gibt Angebote mit einer lebens­langen Monats­rente für das Kind, zum Beispiel 1 000 Euro, teils mit einmaliger Kapital­leistung. Ein guter Tarif mit Monats­rente kostet ab 275 Euro im Jahr. Die finanzielle Unterstüt­zung kann existenziell sein, etwa wenn ein Eltern­teil den Job aufgibt, um zu Hause das Kind zu versorgen. Eventuell steht ein roll­stuhlgerechter Wohnungs­umbau an. Vor allem gilt es, lang­fristig den Lebens­stan­dard des Kindes abzu­sichern. Unter Umständen kann es aufgrund der Invalidität nie in einem Beruf arbeiten und ein eigenes Einkommen haben.

Kinder-Unfall­versicherung
Es gibt wenig Angebote für eine Kinder-Invaliditätsversicherung, hingegen ist die private Unfallversicherung weit verbreitet. Etwa 40 Prozent der Eltern haben Unfall­schutz für ihr Kind abge­schlossen. Geld gibt es nach einem Unfall, der zu einer bleibenden Schädigung führt. Tritt diese als Folge einer Erkrankung auf, ist sie jedoch nicht versichert. Kinder-Unfall­versicherungen, die 100 000 Euro bei 50 Prozent dauer­hafter Invalidität zahlen, gibt es für unter 50 Euro im Jahr.

Berufs­unfähigkeits­versicherung für Schüle­rinnen und Schüler
Schon ab zehn Jahren ist es möglich, eine Berufsunfähigkeitspolice abzu­schließen. Der Schutz gilt ab Schul­alter und läuft idealer­weise bis zum Renten­beginn. Wird ein Vertrag bereits für Schüler abge­schlossen und läuft bis zum 67. Geburts­tag, ist er über die gesamte Lauf­zeit oft nicht teurer als bei einem späteren Abschluss mit etwa 25 Jahren. Die Stiftung Warentest empfiehlt, die wichtige Berufs­unfähigkeits­versicherung so früh wie möglich abzu­schließen.

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16 Kommentare Diskutieren Sie mit

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Nutzer­kommentare können sich auf einen früheren Stand oder einen älteren Test beziehen.

Profilbild Stiftung_Warentest am 24.02.2022 um 18:31 Uhr
Hohe KfZ-Beiträge für ältere Autofahrer/innen

@1851135769: Vielen Dank für Ihre Ergänzungen, die wir an die Redaktion weiterleiten. Zu den hohen KFZ-Prämien Älterer berichteten wir in Finanztest und gaben dort auch Spartipps
https://www.test.de/Autoversicherung-wie-aeltere-Fahrer-zur-Kasse-gebeten-werden-4964853-0/

1851135769 am 24.02.2022 um 17:28 Uhr
Hohe KfZ-Beiträge für ältere Autofahrer/innen


Im Rentenalter: Prüfen, wechseln, sparen Jährlich die Autoversicherung prüfen
Ein großes Einsparpotenzial für ältere Autofahrer bzw.
KfZ-Versicherungsnehmer habe ich in Ihrem Artikel vermisst.
Auch wenn ihre Kunden bis zum Rentenalter unfallfrei unterwegs waren, erhöhen die Versicherer die Beiträge ab einem bestimmten Alter nicht unwesentlich.
Begründung ist nicht die Zahl der Unfälle, sondern die Höhe der Schäden.
Mein Tipp: Den Versicherungsvertrag auf ein Kind (beim selben
Versicherer) übertragen. Das spart altersbedingt einen gehörigen Batzen Euros. PkW und Brief bleiben wie bisher beim Senior, auch die Abbuchung kann wie bisher vom Konto des Halters erfolgen. Nur die Jahresrechnung läuft beim Junior ein. Der wiederum hat keinerlei Nachteile.

Profilbild Stiftung_Warentest am 20.08.2021 um 17:06 Uhr
Wegfall der Überschussbeteiligung

@cyperuser: Der Wegfall der Beitragsreduzierung aufgrund der Beitragsverrechnung mit angefallen Überschüssen stellt kein Recht zur außerordentlichen Kündigung dar.

cyberuser am 06.08.2021 um 10:26 Uhr
Kündigung bei Wegfall der Überschussbeteiligung?

Es geht um eine Kinderinvaliditätsversicherung. Der Versicherer hat mir mitgeteilt, dass sich durch den Wegfall der Überschussbeteiligung der zu zahlende Beitrag im neuen Versicherungsjahr erhöht. Der "garantierte jährliche Tarifbeitrag netto" hat sich nicht geändert. Auch die Leistungen haben sich nicht verändert.
Besteht auch bei dieser Konstellation ein Sonderkündigungsrecht?
Vielen Dank für Ihre Bemühungen.

cyberuser am 06.08.2021 um 10:24 Uhr

Kommentar vom Autor gelöscht.