Versicherungen

Was ist wichtig, was ist über­flüssig

03.06.2021

Die Auswahl ist groß: Versicherer bieten finanzielle Absicherung gegen fast jedes Risiko an. Doch wirk­lich wichtig sind nur wenige Policen. Die Faust­regel: Versichern Sie nur jene Risiken, die existenz­bedrohend sind. Darüber hinaus sollte jeder über­legen, welcher Versicherungs­schutz für ihn persönlich von Bedeutung ist. test.de gibt einen Über­blick.

Inhalt

Existenzielle Risiken zuerst

Grund­sätzlich gilt: Jeder sollte sich vor existenziellen Risiken schützen – unabhängig von Alter, Familien­stand und Lebens­situation. Zu diesen Risiken gehören Krankheiten und die finanziellen Folgen von Schäden, die er jemand anderen zufügt und für die er die persönliche Haftung über­nehmen muss. In Deutsch­land gibt es zwei Versicherungen, die verpflichtend sind: Zum einen ist das die Kranken­versicherung – gesetzlich oder privat (zum Vergleich von Krankenkassen und zum FAQ Private Krankenversicherung). Essenziell ist zudem eine Haft­pflicht­versicherung für das Auto (zum Kfz-Versicherungsvergleich). Alle darüber hinaus abge­schlossenen privaten Versicherungs­verträge sind freiwil­lig. Doch ohne zusätzlichen Schutz geht es nicht, sonst werden Krankheiten, kleine Miss­geschicke oder Wetterkapriolen schnell zum finanziellen Härtetest. Für die Einschät­zung von Risiken hilft folgende Faust­regel: Stellen Sie sich den größt­möglichen Schaden vor, den eine Versicherung abdeckt. Wenn Sie den Schaden nicht aus eigener Tasche zahlen können, ist der entsprechende Schutz sinn­voll. Darüber hinaus sollte jeder über­legen, welche Policen für ihn persönlich existenziell sind.

Warum eine Haft­pflicht­versicherung so wichtig ist

Eine private Haft­pflicht­versicherung schützt vor einem finanziellen Ruin (zum individuellen Vergleich Haftpflicht). Wer einen Schaden bei einem anderen verursacht, muss dafür haften, es sei denn, er hat einen entsprechenden Versicherungs­schutz. Für Schäden Dritter haften Schädiger mit ihrem gesamten Vermögen und mit ihrem Einkommen bis zur Pfändungs­grenze. Wer fahr­lässig mit dem Fahr­rad in ein parkendes Auto fährt und einen Lack­schaden verursacht, kann diesen möglicher­weise noch aus eigener Tasche bezahlen. Auch ein Rotweinfleck auf dem Sofa des Nach­barn löst kein finanzielles Desaster aus. Doch bei größeren Schäden kann es schnell in die Millionen gehen. Fährt ein Fahr­radfahrer aus Versehen einen Passanten an, der unglück­lich stürzt und ein Leben lang geschädigt ist, können sich Behand­lungs­kosten, Schmerzens­geld, Pflege­kosten, der behindertengerechte Umbau der Wohnung und der Verdienst­ausfall auf mehrere Millionen Euro summieren. Eine Privathaft­pflicht­police mit ausreichend hoher Versicherungs­summe ist daher unbe­dingt notwendig. Finanztest empfiehlt eine Deckungs­summe von mindestens 10 Millionen Euro pauschal für Personen- und Sach­schäden.

Spezielle Risiken, spezielle Policen

Bei speziellen Haftungs­risiken sind zusätzlich spezielle Versicherungs­verträge nötig. Beispiel: Hundehalter sollten in jedem Fall eine Tierhalterhaft­pflicht­versicherung haben, Öltank­besitzer eine Gewässerschadenhaft­pflicht­versicherung. Bauherren leben besser mit einer Bauherrenhaft­pflicht­versicherung und Eigentümer mit einer Haus- und Grund­besitzerhaft­pflicht­versicherung. Haus­eigentümer schließ­lich kommen an einer Wohn­gebäude­versicherung nicht vorbei. Der finanzielle Verlust wäre erheblich, wenn ein Feuer oder ein Sturm die Immobilie zerstört oder schwer beschädigt. Im Vergleich dazu ist der Versicherungs­beitrag preis­wert. Eine Einordnung der genannten Versicherungen und Links zu entsprechenden Tests finden Sie in der Tabelle Versicherungscheck.

Versicherungen gegen hohe finanzielle Einbußen

Alle, die von ihrem Arbeits­einkommen leben, sollten sich für den Fall absichern, dass sie berufs­unfähig werden. Nach einem schweren Unfall oder einer Erkrankung kann die Einkommens­grund­lage dauer­haft wegfallen, weil jemand nicht mehr arbeiten kann. Eine Berufs­unfähigkeits­versicherung kann einen Einkommens­verlust ausgleichen oder abfedern. Der Versicherer zahlt im Ernst­fall eine vereinbarte Rente. Vor allem Personen, die eine Familie ernähren, sollten nicht auf sie verzichten. Denn die gesetzlichen Leistungen durch die im Jahre 2001 einge­führte Erwerbs­minderungs­rente reichen meist nicht, um den Lebens­stan­dard zu halten. Sinn­voll ist, einen Vertrag so früh wie möglich abzu­schließen, am besten gleich zu Beginn von Studium oder Ausbildung. Eine Einordnung und Links zu entsprechenden Tests finden Sie in der Tabelle Versicherungscheck.

Über­flüssige Versicherungs­verträge

Kasko­versicherung für alte Autos. Im Gegen­satz zu den bisher genannten Risiken führen Schäden, die mit einer Kasko­versicherung für das Auto abge­deckt sind, kaum zum finanziellen Ruin. So ist gerade für ältere Autos eine Kasko­versicherung meist nicht mehr zu empfehlen.

Rechts­schutz mit Einschränkungen. Auch eine Rechts­schutz­versicherung ist mit Einschränkung sinn­voll. Geht es beispiels­weise um mietrecht­liche Streitig­keiten, helfen auch Mieter­ver­eine – eine Rechts­schutz­versicherung muss es dann nicht gleich sein.

Was verzicht­bar ist. Verzicht­bar sind beispiels­weise Insassen­unfall­versicherung, Reisege­päck­versicherung, Glas- und Brillen­versicherung oder Handy­versicherungen. Eine Insassen­unfall­versicherung benötigen Auto­halter nicht, denn Mitfahrende sind über die Kfz-Haft­pflicht­versicherung des Fahrers versichert. Der Fahrer selbst ist besser über eine Berufs­unfähigkeits- oder Unfall­versicherung geschützt oder über eine spezielle Fahrer­unfall­versicherung. Reisege­päck­versicherungen sind meist teuer und greifen nur, wenn Versicherte strenge Auflagen erfüllen. Außerdem ist der Verlust von Reisege­päck manchmal auch über die Hausrat­versicherung geschützt.

Glas­versicherung selten ratsam. Glas­versicherungen sind vor allem eins: teuer. Die Vielzahl von Kleinschäden, die in dieser Sparte reguliert werden, treiben die Verwaltungs­kosten hoch. Nur wer viele große Glasflächen, beispiels­weise einen verglasten Wintergarten hat, sollte über den Schutz nach­denken. Auch eine Brillen- oder Handy­versicherung ist in den meisten Fällen über­flüssig oder verzicht­bar, da die Neuanschaffung einer Brille oder eines neuen Handys grund­sätzlich keinen finanziellen Ruin bedeutet und im Schadens­fall der Versicherer selten die kompletten Kosten für die Neuanschaffung über­nimmt.

Eine Einordnung und Links zu entsprechenden Tests der genannten Versicherung finden Sie in der Tabelle Versicherungscheck.

Versicherungen für die private Alters­vorsorge

Eigene Vorsorge für das Alter ist notwendig. Den Teil der gesetzlichen Rente, der durch die vielen Reformen der vergangenen Jahre gekürzt worden ist, sollen die Bürger durch Eigen­vorsorge ausgleichen. Die Tests, Tipps und Beispiele der Stiftung Warentest helfen jedem, ein passendes Angebot für die richtige Alters­vorsorge zu finden. Die privaten Versicherungs­unternehmen halten eine Vielzahl von Angeboten parat. Versicherungs­verträge wie Lebens- oder Renten­versicherungen sind nicht die einzige Möglich­keit, um finanziell für das Alter zu vorzusorgen. Sie sind nicht immer die beste Wahl. Welche Verträge für wen infrage kommen und worauf Verbraucher achten müssen, lesen Sie im Altersvorsorgecheck für Einsteiger.

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