Wer alles Versicherungen verkauft: Who is Who

Um den richtigen Schutz zu finden, wenden sich Millionen Menschen an Versicherungs­vermittler. Doch nicht jeder weiß: Vermittler sind immer auch Verkäufer. Ob Versicherungs­vertreter, Versicherungs­makler, Onlineportal oder Makler-App, sie alle bekommen Geld vom Versicherungs­unternehmen, wenn Kunden über sie einen Vertrag abschließen. Bei den Versicherungs­vertretern heißt diese Vergütung Provision, bei den Maklern Courtage. Dabei zahlen manche Unternehmen mehr als andere. Außerdem gibt es für die Vermitt­lung einer Berufs­unfähigkeits­police oder eines Alters­vorsorgever­trags in der Regel eine höhere Vergütung als etwa für eine Auslands­reisekranken- oder Privathaft­pflicht­police. Auch für die Bestands­pflege – dazu gehören Verwaltung und Aktualisierung eines laufenden Vertrags – bekommen Vertreter und Makler Geld. Ohne Vergütung vom Versicherer beraten Versicherungs­berater. Sie erhalten statt­dessen für die Beratung ein Honorar vom Kunden. Unser Who is Who klärt auf: über Leistungen, Haftung und Provisionen.

Versicherungs­vermittler

Vermittler ist der Ober­begriff für alle, die als Bindeglied zwischen einem Versicherungs­unternehmen und einem Kunden stehen. Aktuell verzeichnet das Vermitt­lerregister mehr als 225 000 Versicherungs­vermittler, darunter sind Versicherungs­vertreter und Versicherungs­makler. Sie alle benötigen eine Gewer­beerlaubnis von der zuständigen Industrie- und Handels­kammer, müssen ihre Qualifikation nach­weisen und eine Berufs­haft­pflicht­versicherung haben. Verletzen Vermittler eine ihrer Beratungs­pflichten und stellt sich später heraus, dass sie einen Kunden falsch beraten haben, zum Beispiel weil der vermittelte Versicherungs­schutz nicht ausreicht, kann der Kunde auf Schaden­ersatz klagen.

Wer Versicherungen vermittelt und dazu berät, muss sich an Regeln halten:

  • Ein Kunde muss beim ersten Geschäfts­kontakt Informationen erhalten, ob der Vermittler ein Vertreter oder Makler ist. Diese „Erst­information“ muss in Text­form erfolgen.
  • In einem Beratungs­protokoll muss der Vermittler den Kunden­wunsch und seine Empfehlung schriftlich dokumentieren, wenn es zum Abschluss kommt. Kunden können dann bei einer falschen Beratung später Schaden­ersatz­ansprüche leichter durch­setzen. In der Praxis kommt es vor, dass Kunden schriftlich erklären, auf die Dokumentation zu verzichten. Dann ist der Vermittler von der Pflicht entbunden. Kunden sollten sich darauf nicht einlassen.
  • Für jeden beantragten Vertrag sind die Vertrags­bedingungen und ein Produkt­informations­blatt vorgeschrieben. Dies muss maßgebliche Daten enthalten, beispiels­weise den Preis und die Vertrags­lauf­zeit.

Versicherungs­vertreter

Die größte Gruppe der Vermittler sind die „gebundenen Vertreter“ – im Volks­mund oft „Vertreter“ genannt. Sie vermitteln als Einfirmen- oder Ausschließ­lich­keits­vertreter ausschließ­lich Tarife eines einzigen Versicherungs­unter­nehmens. Oder sie sind als Mehr­fach­vertreter für mehrere Versicherer tätig und vertreiben deren Produkte. Die Vertreter verkaufen Versicherungen, betreuen die bei ihnen bestehenden Verträge und beraten dazu. Der Unterschied zum Makler besteht darin, dass sowohl Einfach- als auch Mehr­fach­vertreter von Versicherungs­unternehmen beauftragt werden. Sie stehen also im Lager der Versicherer.

Versicherungs­makler

Versicherungs­makler sind vertraglich nicht an ein Versicherungs­unternehmen gebunden. Sie können zwischen verschiedenen Produkten vieler Versicherer auswählen. Teil­weise handeln sie für eine Police einen güns­tigeren Preis oder einen höheren Leistungs­umfang aus als markt­üblich. Außerdem betreut ein Makler einen Kunden mit allen laufenden Policen. Ändert sich ein Risiko des Kunden, muss der Makler auf notwendige Vertrags­anpassungen hinweisen. Der Bundes­gerichts­hof bezeichnet den Makler als „treuhänderischen Sach­walter des Versicherungs­nehmers“. Versicherungs­makler werden per Mandat vom Kunden beauftragt. Sie stehen also im Lager der Kunden. Rund 47 000 Versicherungs­makler gibt es zurzeit. Seit einigen Jahren gibt es auch digitale Makler, die ihre Dienst­leistung beispiels­weise per App anbieten.

Versicherungs­berater

Versicherungs­berater, die sich auch Honorarberater oder „Unabhängige Versicherungs­berater“ nennen, verkaufen keine Policen, sondern beraten neutral bei der Auswahl des notwendigen Schutzes, suchen geeignete Tarife heraus und unterstützen im Schadens­fall. Sie dürfen von den Versicherern keine Provision oder Courtage annehmen. Gut 320 solcher Berater gibt es in Deutsch­land. Kunden zahlen für die Beratung ein Honorar, üblich ist ein Stunden­satz. Mehr Informationen erhalten Sie unter bvvb.de.

Check24

Was manchen nicht klar ist: Auch Onlineportale wie Check24 vermitteln und verkaufen Versicherungen. Unter dem Internetlink „Erst­information“ weist das Portal darauf hin, dass es ein Versicherungs­makler ist. Trotz des Maklerstatus haben wir Check24 nicht in unseren Test einbezogen. Zum Zeit­punkt unserer Markt­auswahl bot Check24 nicht den von uns getesteten Service in einer App an. Mitt­lerweile gibt es die Möglich­keit, Policen zu verwalten, zu optimieren und sich individuell beraten zu lassen. Als Onlinemakler ist Check24 in der Versicherungs­branche umstritten. Ein Vorwurf: Die gesetzlich vorgeschriebene Beratung finde nicht statt. Finanztest hat über den Rechts­streit, der bei Redak­tions­schluss noch nicht abge­schlossen war, berichtet.*

Tipp: weitere Informationen erhalten Sie in unserer Meldung Check24: Vergleichsportal muss Nutzer besser informieren.

* Korrigiert am 20. September 2017.

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